1790 Pfeifen für die neue Orgel

Orgelbauer Uwe Renard vor der neuen Orgel von sT. Peter und Paul.Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool
Orgelbauer Uwe Renard vor der neuen Orgel von sT. Peter und Paul.Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool
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Huckingen..  Flink und trittsicher steigt Uwe Renand die Leiter zum Obergeschoss des Orgelgehäuses empor. Dort ist noch etwas zu richten. Ansonsten verkriecht sich der 47-jährige Orgelbauer an diesem Nachmittag ins „Erdgeschoss“ des 6,50 Meter hohen Gehäuses, das so gerade eben in den Bogen des Kirchenschiffs passt. Dort setzt Renand Orgelpfeifen ein. Denn die katholische Kirche St. Peter und Paul an der Albertus-Magnus-Straße bekommt ei­ne neue Orgel. Zu Weihnachten wird sie nicht mehr fertig. „Aber sie kann schon gespielt werden“, versichert Ulrich van Ooy, der Organist.

Jede Pfeife mus einzelngestimmt werden

Zusammen mit Uwe Renand hat er das Ins­trument konzipiert. Vorläufig sind es neun Register, Klangfarben also, die gespielt und miteinander kombiniert werden können. Wenn Renand in ein paar Wochen seinen Auftrag erfüllt hat, werden es 27 Register sein.

Daran mögen Renand und van Ooy im Moment gar nicht denken. Zu viel ist noch zu tun. 1790 einzelne Pfeifen hat die neue Orgel, für jede der 56 Tasten beider Klaviaturen und für jedes Pedal in jeder zugeordneten Klangfarbe eine. Jede von ihnen muss nicht nur eingesetzt, sondern einzeln intoniert, gestimmt werden. Das geht nicht so einfach wie bei einer Gitarre.

Der Orgelbauer setzt sich auf ein Holzgehäuse am Boden, macht Pause. Unter ihm verlaufen die Gestänge zwischen Spieltisch und Gehäuse. Während Ulrich van Ooy den Reißverschluss seiner Winterjacke hochzieht, genügt Renand der Pullover. Er ist an das Arbeiten in ungeheizten Kirchen gewöhnt.

Mindestens drei Möglichkeiten hat der Orgelbauer, den Klang einer Pfeife zu justieren: Tonhöhe, Lautstärke und Ansprache. „Die Größe des Fußloches einer Pfeife bestimmt die Lautstärke“, erklärt uns der Meister. Aber nur in Grenzen. „Alle Faktoren greifen ineinander“, wirft der Organist ein. „Stimmt“, sagt Renand. „Die Lautstärke erhöht auch leicht die Tonhöhe.“

Im Oktober hat Renand mit dem Aufbau begonnen. Spieltisch und Gehäuseteile entstanden zuvor in seiner Werkstatt in Kevelaer. Mit einem Lift hat er sie einzeln auf die Empore gehoben und aufgebaut. Dann kam die Feinarbeit an die Reihe. „Das Intonieren ist ein ständiges Hören, Ändern und Hören“, sagt er. Es kostet Zeit, bis alles passt. Dabei redet der Organist ein Wörtchen mit, denn er muss ja mit dem Resultat leben.

Für 20 000 Euro von derEssener Gemeinde gekauft

Für 20 000 Euro hat die Pfarrei St. Judas Thaddäus 2009 die Orgel der früheren Gemeinde St. Raphael in Essen-Bergerhausen erworben. Sie stammt von 1979 und hat 21 Register. „Die Orgel war zu haben, weil die Kirche geschlossen wurde“, berichtet van Ooy. Allerdings hatte sie kein Gehäuse. Das musste für Huckingen neu geschaffen werden - in Absprache mit den Denkmalschützern und dem Bistum. Vorbild dabei war die erste Orgel der Kirche von 1909. Ihr Gehäuse passte zur neugotischen Architektur.

Mit dem neuen Gehäuse wird jetzt die Empore der Kirche wieder ganz ausgefüllt. Das war bei der gehäuselosen Vorgängerorgel von 1956 nicht so. Zwei Serien von 2,50 Meter hohen Pfeifen bilden die mächtigsten sichtbaren Pfeifen des neuen Gehäuses. Hinter ei­ner Blende auf der Empore werden aber auch noch fünf Meter hohe Basspfeifen installiert.

 
 

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