Streit um Kostenübernahme für Sanierung der Duisburger Mercatorhalle

Oliver Schmeer
Großbaustelle City-Palais. Wohl frühestens 2015 wird der Große Saal der Mercatorhalle wieder geöffnet.
Großbaustelle City-Palais. Wohl frühestens 2015 wird der Große Saal der Mercatorhalle wieder geöffnet.
Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
Nach dem jüngsten Brandschutzgutachten für die Mercatorhalle im Duisburger City-Palais muss die Stadt möglichst bald mit den baulichen Maßnahmen beginnen. Doch noch ist unklar, wer welche Kosten übernimmt. Eigentümerin Hannover Leasing und Stadt drohen nun schwierige Verhandlungen.

Duisburg. Der Pfusch beim Brandschutz in der Mercatorhalle wird auf kurz oder lang die Gerichte beschäftigen, wenn die Stadt versucht, die ausführenden Firmen, die Fachplaner, Gutachter und Sachverständige für den Millionenschaden zur Kasse zu bitten.

Tunlichst nicht vor dem Kadi enden soll dagegen das Tauziehen mit dem Immobilienfonds Hannover Leasing, dem Eigentümer des kompletten City-Palais-Gebäudes.

Die Fluchtwege sind zu lang

Die teils kriminellen Machenschaften bei den Brandschutz-Innenausbauarbeiten der Mercatorhalle, die sich nach jüngsten Zahlen, die am Freitag dem eingerichteten Sonderausschuss vorgestellt werden, auf 450 Mängel im Kleinen und 800 im Großen Saal summieren, sind das eine Problem, das die Stadt allerdings allein betrifft. Doch nach dem Brandschutzgutachten des neu beauftragten Sachverständigen Corall häufen sich auch die Brandschutzmängel an der baulichen Gesamtausführung des City-Palais-Gebäudes. So hat bei Tests im Frühsommer der Rauchabzug an den oberen Rängen versagt, ist das Scherentreppenhaus im Foyer fehlerhaft konstruiert, fehlt Rauchabschottung bis in die Tiefgarage und sind Fluchtwege schlicht zu lang.

Und damit ist der Nachfolge-Eigentümer des damaligen Bauherrn LEG, die Hannover Leasing aus München, mit im Boot. Dass bei dem Fonds herzlich wenig Neigung besteht, Geld in die Immobilie zu stecken, die doch eigentlich nur Rendite abwerfen soll, ist offenbar und macht die Verhandlungen nicht einfach. Bei der Stadt und der Immobilien-Tochter IMD verzichtet man derzeit auf öffentliche Breitschulterei und setzt auf konstruktive Verhandlungen. „Wir sind auf einem guten Wege“, meint IMD-Chef Uwe Rohde. Beide Seiten seien an einer schnellen Einigung interessiert.

Fragen der Kostenübernahme

Das Dilemma dabei für die Stadt: Sie muss eigentlich so schnell wie möglich mit baulichen Maßnahmen beginnen und kann sich lange Auseinandersetzungen um brandschutztechnische Zuständigkeiten und finanzielle Kostenverteilung nicht leisten. Zumal noch nicht ermittelt ist, wie teuer die Mängelbehebung jenseits des Pfuschs beim Innenausbau wird. Die Realisierung des neuen Brandschutzkonzeptes könnte gar teurer werden.

Allein 100 Seiten umfasst das Corall-Papier für die beiden Säle der Mercatorhalle, das dem IMD jetzt vorliegt. Architekten und Fachplaner erarbeiten derzeit mögliche Bauausführungen dazu und stellen Kostenpläne auf. Das soll bis zum Monatsende abgeschlossen sein. Diese Planungen müssen dann mit der städtischen Bauaufsicht und ebenfalls mit Hannover Leasing abgestimmt werden.

2014 soll der kleine Saal wieder eröffnet werden

Nach ersten Sanierungsarbeiten und der Beweissicherung der Pfuscharbeiten (Rohde: „Wir kennen die Schuldigen“) ruhen die Arbeiten in der Mercatorhalle. Fünf Monate, so rechnet Rohde, würden die weiteren Brandschutzarbeiten im Kleinen Saal dauern – wenn denn grünes Licht dafür gegeben wird. Das heißt: 2014 müsste der Kleine Saal wieder geöffnet werden können.

Weit fraglicher ist der Zeit- und Kostenplan für den Großen Saal, in dem u.a. die komplette hölzerne Innenverkleidung abgenommen werden muss. Außerdem steht die Rangsanierung an, müssen die aufgedeckten statischen Mängel bei der Bühnentechnik behoben werden: Vor 2015 ist an eine Wiedereröffnung des Großen Saals nicht zu denken – dann drei Jahre nach der Schließung. Immerhin, bis dahin ist zunächst gesichert, dass die Philharmoniker im Theater am Marientor spielen können.