Streit um Auftritt von OB Adolf Sauerland an Duisburger Realschule

Die Gustav-Heinemann-Realschule in Duisburg stellte verschiedene Projekte der Schüler vor und ließ am Projekttag auch Oberbürgermeister Adolf Sauerland (Mitte) zu Wort kommen. Einige Eltern protestieren gegen den Auftritt. Foto: Fabian Strauch / WAZ FotoPool
Die Gustav-Heinemann-Realschule in Duisburg stellte verschiedene Projekte der Schüler vor und ließ am Projekttag auch Oberbürgermeister Adolf Sauerland (Mitte) zu Wort kommen. Einige Eltern protestieren gegen den Auftritt. Foto: Fabian Strauch / WAZ FotoPool
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Duisburg.. „Wir sollen als Kulisse herhalten für einen Oberbürgermeister, der zur Normalität zurückkehren will.“ Die Eltern an der Gustav-Heinemann-Realschule protestieren gegen einen Auftritt von Adolf Sauerland. „Unsäglich“, schimpft der Schulleiter.

Hitziger Streit und Aufregung um einen öffentlichen Auftritt des seit der Loveparade umstrittenen Oberbürgermeisters Adolf Sauerland. Der gab sich am Mittwoch die Ehre und sprach auf Einladung des Sprechers der Realschulleiter beim so genannten „Realschultag“ in der Gustav-Heinemann-Realschule (Stadtmitte) ein Grußwort.

Zum Verdruss der Elternschaft: „Wir protestieren als Eltern an der Gustav-Heinemann-Realschule, dass dem OB auf diese Weise ein Forum geboten wird, zur politischen Normalität zurückzukehren“, schreibt Reiner Siebert in einer Pressemitteilung der Elternvertreter. „Dieser OB ist kein Vorbild für Schülerinnen und Schüler und hat bei einer solchen Veranstaltung nichts zu suchen.“

„Unwürdiges Schauspiel“

Gerhard Sander indes, Schulleiter der gastgebenden Schule des erstmals in Duisburg veranstalteten „Realschultages“, bezeichnet diese Initiative seiner Schulpflegschaft als „unsäglich“. Sander: „Sie hat dafür kein Mandat. Außerdem vertritt nur der Schulleiter und nicht die Elternschaft die Schule nach außen.“ Der Protest der Eltern gegen den OB sei ein „reiner Etikettenschwindel“.

Eine persönliche Meinung hingegen dürften die Eltern selbstverständlich formulieren. Doch der Vorsitzende der Schulpflegschaft der Innenstadt-Realschule Reiner Sieber lässt sich zusammen mit seinen Mitstreitern von dererlei Einwänden nicht irritieren.

Die abwiegelnde Haltung des Oberbürgermeisters nach dem tödlichen Desaster auf der Loveparade sei, so schreibt er in der Presseerklärung, ein „unwürdiges Schauspiel“ gewesen und es habe an Anstand gemangelt, den Opfern die letzte Ehre zu erweisen und den Angehörigen zu kondolieren. Zudem zudem sei viel Geld verschleudert worden für Gutachten und Anwälte, damit hätte man besser den Hilfsfonds für die Angehörigen der Opfer unterstützen können. „Wir sollen hier als Kulisse herhalten für einen Oberbürgermeister, der zur Normalität zurückkehren will. Dagegen protestieren wir. Wir meiden diese Veranstaltung!“

Schulleiter verletze „politische Neutralität von Schule“

Aber auch inhaltlich, so der Elternvertreter, sei nicht nachvollziehbar, warum ein OB bei solch einer Veranstaltung auftauche, der dann dort nichts zum Thema „Schulentwicklungsplanung“ oder „Schule“ zu sagen habe. Siebert: „Wir haben von dem Sauerland-Auftritt erst am vergangenen Samstag, also sehr kurzfristig, erfahren und haben versucht, bei unserer Schulleitung zu intervenieren.“ Vergebens.

Das Argument, dass der in der Kritik stehende OB mit seinem Auftritt auf diesem Realschultag das gesamte Thema der Veranstaltung in den Hintergrund rücken lasse, habe, so Siebert, in der Schulleitung auch nicht gezogen.

Als private Meinung fügt er hinzu: „Hier machen Realschulleiter Imagepflege für den OB, sie verletzen damit die politische Neutralität von Schule.“ Dem hält Schulleiter Sander gegenüber der NRZ entgegen: „Selbstverständlich hält der Oberbürgermeister der Stadt ein Grußwort auf einer Veranstaltung, auf der sich städtische Realschulen präsentieren.“

 
 

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