Gründungs-Mitglieder wollen Loveparade-Stiftung verlassen

Um die Pflege der Gedenkstätte, die an die Opfer der Loveparade-Katastrophe erinnert, will sich die Initiative der Betroffenen weiterhin kümmern.
Um die Pflege der Gedenkstätte, die an die Opfer der Loveparade-Katastrophe erinnert, will sich die Initiative der Betroffenen weiterhin kümmern.
Foto: Christoph Wojtyczka
  • Mit Dirk Schales und Jörn Teich wollen zwei Stiftungs-Mitgründer aus „Duisburg 24.07.2010“ raus.
  • Die Betroffenen fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen. Sie würden kein Gehör finden, sagen sie.
  • Die Stiftung weist die Vorwürfe zurück und spricht von „haltlosen Unterstellungen“.

Duisburg. „Ernst genommen“ fühlte sie sich schon lange nicht mehr, die „Betroffenen-Initiative Loveparade 2010“ – nicht von der Stadt und auch nicht von der erst vor anderthalb Jahren gegründeten Stiftung „Duisburg 24.07.2010“. Im Juli sind die Betroffenen und Mitstifter Dirk Schales und Jörn Teich als Beiratsmitglieder zurückgetreten, jetzt wollen sie ganz raus aus der Stiftung. Mit der Stadt Duisburg wollen sie nicht mehr zusammenarbeiten, als Stifter nicht mehr in Erscheinung treten. Die Stiftung sei gebeten worden, für den förmlichen Austritt der Initiative Lösungsvorschläge zu machen. Dies sei bislang nicht passiert.

Jetzt haben Dirk Schales und Jörn Teich eine Anfechtungserklärung unterzeichnet. Begründung: Sie seien bei der Stiftungsgründung „arglistig getäuscht“ worden. „Die Betroffenen wollten, dass ihre Vertreter ein Veto bei den Entscheidungen der Stiftung einlegen können. Dies sei juristisch nicht möglich, sagte man uns“, erzählt Jörn Teich. Mittlerweile wisse er: Es wäre rechtlich doch gegangen.

Schales und Teich fühlen sich von der Stiftung im Stich gelassen. Die Betroffenen hätten kein Gehör gefunden. Die Stiftung sei nicht mit Leben gefüllt worden. Briefe seien nicht beantwortet worden, der Beirat habe kein Einfluss auf die Entscheidungen, die der Vorstand treffe. Es werde nur verwaltet, aber nicht aktiv etwas für die Angehörigen der Opfer und Betroffenen getan. „Was hat die Stiftung denn in den anderthalb Jahren gemacht?“, fragen sie.

100 Betroffene hätten sich bei der Stiftung gemeldet, „nur Zweien ist Hilfe vermittelt worden“, bilanziert Jörn Teich, der von 450 Kontakten zu Betroffenen berichtet, die sich bei ihm und der Initiative in den vergangenen Jahren gemeldet hätten.

„Haltlose Unterstellungen“

Die Gedenkstätte sei bislang von der Initiative gepflegt worden – auch mit privaten Mitteln. „Ich hatte die Stiftung gefragt, ob wir einen Zuschuss für Blumen von 100 Euro bekommen können“, sagt Schales. Das ginge nicht, habe es geheißen. Die Stiftung zahle kein Geld aus. Um die Pflege der Gedenkstätte will sich die Initiative weiterhin kümmern.

Die Stiftung „Duisburg 24.7.2010“ verwahrt sich gegen die Vorwürfe und spricht von „haltlosen Unterstellungen, mit denen die Stiftung in Misskredit gebracht wird und die Betroffenen verunsichert werden“, sagt Jürgen Widera, Vorstand der Stiftung und Ombudsmann für die Opfer der Loveparade in Duisburg. Die Initiative vertrete „nur eine kleine Gruppe von Verletzten“. Fakt sei, dass es bei der Planung des Jahrestages in diesem Jahr „erhebliche Konflikte“ zwischen den ehemaligen Beiratsmitgliedern auf der einen und Eltern der verstorbenen Opfer auf der anderen Seite gegeben habe.

Das wollen Schales und Teich so nicht im Raum stehen lassen. Ja, es gebe Angehörige von Opfern, die nicht mit den Betroffenen gemeinsam gedenken wollten. Aber sie sehen es auch als Aufgabe der Stiftung an, zwischen beiden Seiten zu vermitteln. Die Stiftung wird in der nächsten Beiratssitzung eine Nachfolge als Interessenvertreter der Betroffenen benennen und hofft, „dass die Betroffenen sich nicht verunsichern lassen“, so Jürgen Widera, und „weiterhin auf die Hilfsangebote der Stiftung zurückgreifen.“

 
 

EURE FAVORITEN