Streifzug durch die Duisburger Kunst der 60er Jahre

Anne Horstmeier
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Die Spurensuche war aufwendig, aber hat sich gelohnt: Reinhard Losemann gelingt es, die Duisburger Künstlergruppe „Nos“, die sich vor über 40 Jahren aufgelöst hat, fast vollständig in der Galerie „DU-Art“ am Dellplatz zu präsentieren. Fast vollständig, denn über ein Mitglied hat Losemann, damals mit 27 jüngstes Gründungsmitglied, nichts herausgefunden. Die Spuren von Bruno Kiowski haben sich verloren. Er ist in der Ausstellung mit einer „Suchmeldung“ vertreten: Wer sich an ihn erinnert oder Werke von ihm hat, wird gebeten, sich zu melden.

Zur Gruppe „Nos“ taten sich 1964 sieben Maler und Bildhauer zusammen. Sechs waren im Künstlerbund organisiert, Losemann als einziger in der Sezession, in der sich die „Ungegenständlichen“ zusammengeschlossen hatten. Das Verhältnis zwischen den Gruppen war angespannt, mit „Nos“ gelang ein Brückenschlag. Ziel war es, eine Ausstellungemeinschaft zu gründen, so Losemann, denn bis auf die jährlich wechselnden Ausstellungen der Künstlervereinigungen im Lehmbruck-Museum habe ein geeigneter Raum gefehlt.

Maximal zwölf Künstler gehörten zur Gruppe

Anfangs gab es ein Domizil an der Untermauerstraße, dann zog man an den Lutherplatz, und schließlich fand man im damaligen Konservatorium an der Düsseldorfer Straße eine Bleibe. Maximal zwölf Künstler gehörten der Gruppe an, „am Ende waren es noch vier Leute“, sagt der 1938 geborene Losemann. Der Betrieb der Galerie – Aufbau, Abbau, Anwesenheit während der abendlichen Öffnungszeiten – sei zu anstrengend geworden.

Der Rundgang durch die „Nos“-Ausstellung ist zugleich ein Rundgang durch die Kunst der 60er Jahre. Die Mehrzahl der „Nos“-Mitglieder setzte damals auf frei komponierte Bilder: Eugen van Stiphaut (1933-1997) brachte auf großformatigen Bildern Metall, Holz und Kunststoff zusammen. Hans-Joachim Herberts (1925-1992) schuf ruhige Linien-Konstruktionen.

Rolf Binder ist der Bildhauer der Runde

Ähnlich, wenn auch bewegter die Bilder Hans Joachim Schäfers (1931-1984). Christa Lauers Werke (geboren 1939) wirken in ihrer Materialität sehr edel, und Klaus Quasts Arbeiten (geboren 1941) sehr durchscheinend. Bernd Kaute (1944-2010) arbeitete auch grafisch und hatte einen kritisch-satirischen Blick auf die Welt.

Rolf Binder (geboren 1926) ist der Bildhauer in der Runde: Zu sehen sind Konstruktionen aus stark reduzierten Formen. Sehr zart die Gespinste von Heribert A. Huneke (geboren 1932), und auch Gerhard Losemann hat mal sehr feine Grafiken und Farbkompositionen geschaffen. Chinmayo (1936 geboren, damals Hermann J. Schmitz), der sich heute ganz Installationen aus Naturmaterialien verschrieben hat, ist hier mit geometrischen Formen aus Kunststoff und Lack zu sehen.