Stickstoff wird in Duisburg zum Luft-Problemfall

Besonders alte Dieselfahrzeuge sorgen für die hohen Stickstoffdioxid-Konzentrationen in Duisburg
Besonders alte Dieselfahrzeuge sorgen für die hohen Stickstoffdioxid-Konzentrationen in Duisburg
Foto: dpa
Dass Feinstaub schädlich für Umwelt und Gesundheit ist, weiß mittlerweile jedes Kind. Doch neben den gefährlichen Mikropartikeln ist es das Abgas Stickstoffdioxid, das für Duisburg immer mehr zum Luft-Problemfall wird. Vor allem Dieselfahrzeuge und die Schifffahrt sind Verursacher. Ein Ausblick.

Duisburg. Da liegt was in der Luft. Dass Feinstaub schädlich für Umwelt und Gesundheit ist, weiß mittlerweile jedes Kind. Doch neben den gefährlichen Mikropartikeln ist es das Abgas Stickstoffdioxid, das für Duisburg immer mehr zum Luft-Problemfall wird. Und auch zu einem finanziellen. Denn: Wie bei allen Schadstoffen, die durch den europäischen Luftraum fliegen, hat die EU auch bei den Stickoxiden Grenzwerte gesetzt. Und Duisburg ist nicht weit davon entfernt diese Werte zu übertreffen. Strafzahlungen im sechstelligen Bereich könnten die Folgen sein.

Das Stickstoff-Problem betrifft in Duisburg knapp 17.000 Menschen. Ursache ist, man ist geneigt zu sagen, wie immer der Verkehr. Bis zu 37 Prozent des NO2s wird vom Straßenverkehr in die Luft gepumpt. So sind 16 Kilometer der Hauptverkehrsstraßen in Duisburg stark belastet. Dabei sind es vor allem alte Dieselfahrzeuge, die das giftige Reizgas in die Luft schleudern.

Mehr als 40 Mikrogramm dürfen nach einer EU-Norm seit 2010 im Jahresdurchschnitt nicht gemessen werden. Ein Wert, den Duisburg zwar anders als Städte wie Hagen oder Düsseldorf meist nicht erreicht, dennoch immer knapp an die Grenznorm stößt. Das hat auch mit dem Messverfahren zu tun. Anders als beim Feinstaub werden keine Tagesüberschreitungen protokolliert. Im Mittelwert also noch ok, heißt nicht, dass die Spitzenwerte längst gesundheitsgefährdende Sphären erreicht haben

Und gefährlich ist das Gas bereits in geringen Mengen, wie Studien ergeben haben. Es greift die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System an. Die leichten Moleküle des Gases können dabei bis tief in die Lungenbläschen eindringen, diese zerstören.

Binnenschifffahrt müsste auf andere Motoren setzen

„Und daran wird sich auch nicht so viel ändern, solange wir die grüne Plakette noch nicht haben und die Abgas-Norm-6 der EU nicht für alle Fahrzeuge verpflichtend wird. So können die Stickstoffdioxid-Werte nicht sinken“, klagt Dr. Thomas Griebe Leiter für Umweltschulz im Umweltamt der Stadt. Besonders im Bezirk Mitte, Meiderich und Hamborn sind viele Duisburger Haushalte betroffen (siehe Box).

Aber auch an anderen Stellen zeigen sich hohe Stickstoffmesswerte: An Industrieanlagen (bis zu 24 Prozent der Stickstoffdioxid-Produktion) und bei der Binnenschifffahrt (25 Prozent), wie Kerstin Ciesla, stellvertretende Bundesvorsitzende und Duisburger Ortschefin des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) erklärt: „Hier gäbe es zwar andere Motorentypen, die den Ausstoß deutlich verringern würden, allerdings ist das eine Frage, die nur auf EU-Ebene geklärt werden kann.“ Was sie meint, ist, dass knapp 60 Prozent der Binnenschifffahrt auf Anrainerstaaten zurückfällt. Verbote und Beschlüsse, die lediglich in Deutschland gelten würden, würden die Schadstoffquellen also nicht zum Versiegen bringen.

Gemeinsames Vorgehen fehlt

Generell herrscht zwischen Deutschland, den Kommunen und der EU dicke Luft beim Thema Stickstoffdioxid. Hoffnung auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die Stickstoffdioxide gibt es nicht. Die von der EU geforderten Abgassysteme in PKW gibt es zwar ab 2014 in allen Neu- nicht aber in Altfahrzeugen. Und auch die Bundesregierung tritt wegen der hiesigen Autoindustrie mächtig auf die Abgas-Bremse.

Dabei müsse gerade an der Fahrzeugtechnik weiter gearbeitet werden, bekräftigt Griebe das Dilemma. Und verweist auf ein aktuelles Gerichtsurteil. In Leipzig nämlich klagte die Deutsche Umfeldhilfe im September und das Gericht entschied, dass Kommunen künftig dafür Sorge zu tragen haben, die Stickoxide in der Luft zu begrenzen. „Umweltverbände werden uns künftig schärfer in die Pflicht nehmen“, weiß auch der Abteilungsleiter für Umweltschutz.

Doch auch diese wissen von dem Dilemma: „Auf lokaler Ebene aber kann man einfach nichts gegen das Problem machen“, resigniert Ciesla vom BUND. So zittern sowohl die Städte als auch das Land, wenn künftig die EU-Sanktionen drohen werden, denn auch eine solche Regelung ist bislang noch nicht getroffen. Einig sind sich dennoch alle: Stickstoffdioxid ist das Problem der Zukunft.

 
 

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