Stehende Ovationen für Stunk

Oliver Kühn
Im Steinhof in Duisburg-Ungelsheim fand eine Stunksitzung statt. Bild: singender und tanzender Atommüll.
Im Steinhof in Duisburg-Ungelsheim fand eine Stunksitzung statt. Bild: singender und tanzender Atommüll.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.  Als Gott dem senilen Moses seine zehn Gebote diktiert, funken ihm alt-testamentarische Lobbyisten dazwischen. Lügen und Stehlen dürfe man nicht verbieten, dass sei schließlich schlecht für die Wirtschaft. Solch bissige Satire zeichnet den alternativen Karneval der Kölner Stunksitzung aus.

Das Kölner Kult-Ensemble lieferte jetzt auf ihrer Unplugged-Tour eine fulminante Kabarett-Show im Huckinger Steinhof. Die elfköpfige Truppe aus aktuellen und ehemaligen Stunkern präsentierte das Beste aus ihrer 29-jährigen Geschichte.

Vollproletin und Banker

Ob eine Vollproletin aus der Stadtverwaltung, NPD-Funktionäre im edlen Zwirn, ein schmieriger Investment-Banker, ein cholerischer Bundeswehr-Ausbilder oder ein uniformierter Jeck, der Frauen auf Rüdenart besteigt – beim Rundumschlag auf die Gesellschaft und die Politik verschonten die Stunker niemanden. „Der Rhein, Bauskandale und korrupte Bürgermeister – Duisburg ist wie Köln, hier fühlen wir uns wohl“, sagte Heiner Kämmer, der als Moderator durch den Abend führte.

Beim Pointenfeuerwerk, das sonst nur im Kölner E-Werk zu erleben ist, fühlten sich aber auch die Zuschauer wohl, obwohl ihre Augen vor Lachen tränten und ihr Zwerchfell schmerzte.

Wenn das Publikum gerade nicht lachte, dann klatschte und sang es eben, denn auch bei der Karnevalssitzung anderer Art durfte Musik natürlich nicht fehlen. Etliche bekannte Songs dienten als Vorlage für Persiflagen mit neuem Text. So begab sich etwa ein Bauer (Bruno Schmitz) auf Brautschau und verkündete zur Melodie von „Wild Thing“: „Ich glaub ihr wollt mich!“ und eroberte tatsächlich die Herzen seiner Zuschauerinnen im Sturm.

Auch dem Schunkeln konnte sich der Saal nicht verwehren. Gemeinsam mit dem Ensemble sangen sie jedoch „Schunkeln ist scheiße, mein Nachbar stinkt nach Schweiß“. Das Glanzstück des Auftritts war jedoch die Hommage an die Band „Black Fööss“. Fünf nackte Füße ragten in die Luft, lugen aus Hemdkragen hervor und bildeten die Gesichtern der Musiker, versehen mit Augen und Perücken. Miniatur-Instrumente in die Hände und fertig war die Kölsch-Band für die Playback-Show.

Eindrucksvoll demonstrierten die elf Stunker, was im deutschen Kabarett heutzutage alles möglich ist. Eigentlich wollte das Publikum die Gäste nicht mehr gehen lassen, doch letztlich verabschiedete es sie mit lautem Getöse und stehenden Ovationen.