Stadt Duisburg gibt Übergangsheime auf

In wenigen Wochen wird die Stadt Duisburg zwei weitere Übergangsheime schließen. Dann bleiben nur noch fünf übrig, wie das  auf der Königstraße in Walsum.
In wenigen Wochen wird die Stadt Duisburg zwei weitere Übergangsheime schließen. Dann bleiben nur noch fünf übrig, wie das auf der Königstraße in Walsum.
Foto: Hayrettin Özcan/WAZFotopool
36 Übergangsheime für Asylbewerber und Flüchtlinge gab es in Duisburg 2001. Heute sind es sieben. Und zwei davon gibt die Stadt nun ebenfalls auf. Grund: zu hohe Kosten. Alternativ werden Neuankömmlinge in "beschlagnahmten Wohnungen" untergebracht - für Vermieter ein attraktives Modell.

Duisburg. Vor zehn Jahren musste die Stadt noch 36 Übergangsheime für Asylbewerber und Flüchtlinge betreiben, heute sind es noch sieben und im kommenden Jahr nur noch fünf: Denn in wenigen Wochen will die Stadt zwei weitere Übergangsheime aufgegeben.

Für das Gebäude am Sternbuschweg 380 ist bereits im Frühjahr der Abriss geplant. Der Eigentümer hatte überraschend den Pachtvertrag für das Grundstück gekündigt. In dem Haus leben derzeit noch 19 Einzelpersonen, die in anderen Übergangsheimen untergebracht werden sollen. Der Abriss kostet 50 000 Euro, für Miete und Betriebskosten hatte die Stadt über 66 000 Euro gezahlt.

Katastrophaler Zustand

Zugleich ist auch das Ende des Hauses an der Helmholtzstraße in Beeck besiegelt. Vor wenigen Wochen hatten Techniker des Immobilienmanagements dem Bau einen „katastrophalen Zustand“ bescheinigt. In der städtischen Immobilie macht sich Schimmel breit, Teile sind seit mehr als einem Jahr nicht mehr nutzbar. Eine Sanierung würde „enorme, nicht vertretbare Kosten“ verursachen, heißt es. Nach Angaben der Stadt lebten dort vor wenigen Wochen noch 23 Asylbewerber.

Derzeit wohnen in sieben Häusern insgesamt 487 Menschen. Um nach der Aufgabe der beiden Übergangsheime im Notfall aber fehlende Plätze kompensieren zu können, will die Stadt anstelle von kostspieligen und derzeit nicht benötigten Neubauten dann zu einem anderen Mittel greifen: der Unterbringung in sogenannten „beschlagnahmten Wohnungen“.

Das Verfahren ist derzeit bereits gängige Praxis in 85 Wohnungen, in denen insgesamt 254 Personen leben: Asylbewerber und Flüchtlinge, die nicht in Übergangsheime ziehen können, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen. Im Einvernehmen mit den Vermietern - in der Regel sind das große Wohnungsgesellschaften wie die Gebag - nimmt das Sozialamt Wohnungen „ordnungsrechtlich in Anspruch“. Leerstand gibt es in Duisburg bekanntlich genug, Vorteile für die Vermieter sind die garantierten wie pünktlichen Mieteinnahmen.

Keine akuten Probleme

Dass die Stadt im kommenden Jahr nur noch fünf Übergangsheime zur Verfügung hat, stellt sie zumindest vorerst nicht vor akute Probleme. Denn anders als prognostiziert, ist ein verstärkter Zuzug von Asylbewerbern ausgeblieben.

Dass sah vor einem Jahr noch ganz anders aus. Im Oktober 2010 hatte die Bezirksregierung Arnsberg die Stadt noch darauf hingewiesen, dass Duisburg in den kommenden Monaten verstärkt mit Zuweisungen von Asylbewerbern rechnen müsse: vor allem aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawien, wegen Wegfall der Visumspflicht, sowie aus Nordafrika und dem arabischen Raum, wegen der politischen Entwicklungen.

Tatsächlich kamen zwischen August 2010 und Februar 2011 mehr als 320 Asylbewerber nach Duisburg. Weil sich das hohe Niveau angeblich halten sollte und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge weitere kurzfristige Zuweisungen voraussagte, wollte die Stadt noch im März dieses Jahres schnell reagieren und 200 neue Unterbringungsplätze schaffen.

Teure Umbauten von Schulen oder Bunkern

Der ins Visier gefasste Umbau eines Bunkers, einer Schule oder aber auch der Bau eines neuen Übergangsheimes hätten jeweils über eine Million Euro gekostet. Inzwischen sind die Prognosen überholt. Das hohe Niveau der Zuweisungen hielt sich nicht, der erwartete Zustrom blieb aus.

Derzeit geht die Stadt davon aus, dass die Zahl konstant bleibt - zumindest für die kommenden Monaten. Die Situation kann sich jedoch mittelfristig wieder ändern. Um dann nicht wieder in Zugzwang zu geraten, will Duisburg vorerst an dem bereits im März avisierten Modell der sogenannten „beschlagnahmten Wohnungen“ festhalten. Das sei „für die betroffenen Menschen am verträglichsten und für den städtischen Haushalt am sparsamsten“, wie es in einem Rathauspapier heißt.

Derzeit werden Leerstände der Gebag genutzt. Häuser am Steinbergshof und an der Heiligenbaumstraße in Wanheim-Angerhausen wurden bereits bis Ende 2008 als Übergangsheime genutzt. Im September wurden dort elf Wohneinheiten mit 65 Plätzen eingerichtet. Dort sollen Familien einziehen, die bereits seit längerem in Übergangsheimen leben. Die Häuser wird die Stadt aber offiziell nicht erneut als Übergangsheim deklarieren: Mieten sind nur fällig, wenn die Wohnungen auch genutzt werden.

Dass Duisburg noch weitere der fünf verbleibenden Häuser aufgibt, steht noch Aussage des Fachbereichs vorerst nicht an: Die Zahl der neuen Asylbewerber sowie derer, deren Aufenthaltsstatus sich geklärt hat, sollen sich vorerst die Waage halten.

 
 

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