St. Vinzenz-Hospital - Fitness für Körper und Geist

Schwester Hildegard, hier im Gespräch in der Krankenhaus-Kapelle, ist für die Seelsorge im Hause zuständig. Foto: Stefan Eickershoff
Schwester Hildegard, hier im Gespräch in der Krankenhaus-Kapelle, ist für die Seelsorge im Hause zuständig. Foto: Stefan Eickershoff
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Das St. Vincenz-Hospital am Dellplatz setzt seine Schwerpunkte in der Medizin für Ältere und in der Beweglichkeit.

Den Standort kann man durchaus als Filetstück bezeichnen: Direkt am Dellplatz steht das St. Vincenz-Hospital, kleinstes Haus des Zweckverbandes des Katholischen Klinikums. Nach den Umbau-Plänen des KKD würde das Haus wegfallen, die Abteilungen verlagert. Allerdings wird noch ein Investor gesucht.

Dass nicht mehr allzu viel in eine zur Disposition stehende Immobilie hineingesteckt wird, ist logisch. Umso überraschender mutet die moderne Optik der Geriatrie an. Der Alterskundler Dr. Ulrich Schäfer hat sich ein Reich geschaffen, in dem Geriatrie und Gerontopsychiatrie an einem Standort vereint sind, daneben ist die Basisdiagnostik der inneren Medizin im Hause gewährleistet, umständliche Transporte fallen also weg.

Laufband und Beinpresse

Mobilität ist dennoch das prägende Thema. Physiotherapeuten haben gut zu tun - und reichlich Raum und Gerät dafür - ob Laufband oder Beinpresse, Fahrrad oder Seilzug. Daneben behandeln Logopäden Sprach- und Schluckstörungen. Die Ergotherapeuten wiederum haben eine kleine Versuchsküche, in der etwa Schlaganfall-Patienten Kaffee kochen und Kartoffeln schälen vor der Rückkehr nach Hause wieder trainieren können. Henriette Klein ist mit einem Wirbelkörperbruch ins St. Vincenz gekommen, jetzt spaziert sie schon wieder am Rollator herum und freut sich auf die Heimkehr. „Sonntags koche ich immer für die ganze Familie“, betont die 88-Jährige stolz. Noch ist der Filter für den Kaffee eine Herausforderung, aber die Fortschritte sind sichtbar. „Die Räume sind so erst seit einem Jahr, das hat uns therapeutisch einen Riesenschritt nach vorne gebracht“, freut sich Schäfer. Das St. Vincenz Krankenhaus

Seine „Kunden“ haben es mitunter nicht weit. Das Altenheim im vierten Stock wirkt auf den ersten Blick wie ein Schloss: Auf dem Flur hängen große Kronleuchter in lichter Höhe, Standuhren in Eiche, Polstermöbel aus alten Zeiten, Gelsenkirchener Barock. „Therapeutisches Milieu“ nennt sich das, soll ein heimatliches Gefühl erzeugen. Immerhin: Bei einer Qualitätskontrolle des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung wurde die Einrichtung mit 1,2 benotet. Da mag auch der regelmäßige Verwöhntag zu beigetragen haben, wo Gesichtsmassagen und Schminktipps auf der Agenda standen. Für die Bewohner ist der Vorgarten des Krankenhauses das Freiluft-Refugium. Und danach ein Stück selbst gebackenen Kuchen vom Blech in der Cafeteria. Durch gotische Spitzbögen in den Fluren, entlang roter Leitlinien an den Wänden - und eigentlich immer der Nase nach.

Glaubensgesprächskreise

Weniger fitte ältere Herrschaften bewohnen die Gerontopsychiatrie - im offenen oder geschlossenen Bereich, je nach Weglauftendenz. 18 vorwiegend demente Patienten bewohnen die geschlossene Abteilung. Sie sind suizidal, haben Psychosen oder Depressionen. Glaubensgesprächskreise, Depressions-Gruppen, Morgenrunden mit Gymnastik - das gehört zum Programm. Manche der notwendigen Medikamente machen unruhig, mancher schlurft dann nur noch monoton über den Flur. „Sie haben keine Orientierung, weder zeitlich, noch örtlich oder situativ“, beschreibt Stationsleiterin Heike Braam. Einige müssen per Gerichtsbeschluss aus Gründen der Selbst- oder Fremdgefährdung sogar fixiert werden. Sie selbst hat bis auf ein paar blaue Flecken und Kratzer noch nichts abbekommen, „es passiert ja auch nicht absichtlich“, sagt sie versöhnlich.

Etwas ruhiger geht es in der gerontopsychiatrischen Tagesklinik zu mit 13 Patienten, die teils per Taxi kommen, es teils schon allein per Bus und Bahn schaffen. Neben den Therapieangeboten gibt es Kreativgruppen. Radegund Schulte-Vogelheim, die Altentherapeutin, hat zum Basteln geladen. Mit Serviettentechnik werden Schuhkartons aufgehübscht. Die Damen singen die Lieder aus dem Radio mit. Volle Konzentration beim Kleben.

Schwester Hildegard, eine Franziskanerin, ist als Seelsorgerin für alle im Haus da. Ihr Credo: „Ich glaube an eine gute Macht für alle, unabhängig von ihrer Konfession und Religion.“ Neben der unmittelbaren Präsenz für Patienten oder Angehörige ist sie auch Mitglied im Ethik-Komitee des KKD. Aktive Sterbehilfe widerspricht ihrem Verständnis von der Würde der Person. Sie stellt sich aber dieser Frage und sucht mit Betroffenen nach Lösungen in entsprechenden Grenzsituationen. Die Entwicklung der Palliativmedizin, die Möglichkeit, Behandlungen zu begrenzen und zu beenden, die Entwicklung der Schmerztherapie u.a. bieten ihrer Ansicht Möglichkeiten, die den Leidensdruck mindern und es ermöglichen, hilfreiche Lösungen zu finden. „Die Frage ist in solchen Situationen, was dem Menschen am besten hilft, und da möchte ich ihr Anwalt sein und meine Begleitung anbieten.“Spezial

Glasbaustein-Wände

Im Spagat befindet sich Dr. Claus Petsch - jedenfalls räumlich. Der Chefarzt leitet sowohl die Physikalische Therapie und Ergotherapie am Vincenz sowie die Klinik für orthopädische Rehabilitation in der Rhein-Klinik in Beeckerwerth. Nebenbei ist er auch noch Mannschaftsarzt der Fußball-Damen des FCR und der Eishockey-Füchse. Den Job beim MSV hat er inzwischen auf Heimspiele begrenzt. Während es in der Rheinklinik hochmodern zugeht, ist es im Vincenz ziemlich retro. Die Behandlungskabinen sind mit Glasbaustein-Wänden voneinander getrennt, die braun gefliesten Wände zieren Blümchen-Dekore, die Fitness-Geräte sind noch recht mechanisch und ohne technische Raffinessen. Aber sie wirken, wie Gisela Artmann betont. Die 75-Jährige arbeitet hier seit Jahren an ihrem körpereigenen Muskelkorsett, wie Petsch beschreibt, ist deshalb deutlich schmerzfreier. Leider kommen in diesen Genuss nur Privatpatienten, bedauert der Mediziner.

Aber auch wer sich täglich mit dem Altern auseinandersetzt, hat kein echtes Rezept für ewige Jugend. „Immer in Bewegung bleiben, körperlich und geistig, den Fernseher auslassen, denn der stumpft ab“, das rät Petsch, wohl wissend, das jeder seine Schwächen hat. Seine? Spannt sich unter dem weißen Kittel. Er kann es nicht lassen, nach Feierabend warm zu essen.

 
 

EURE FAVORITEN