St. Johannes-Hospital - Hightech im historischen Gewand

Annette Kalscheur
Können die Schwestern der Frühchenstation des St. Johannes Hospitals nicht schocken. Sie betreuen gerade gleich drei Pärchen: Jolantha Zalewski (v.li.) hält Yunus und Mehmed, Anett Hain bekuschelt Fatma und Erin,  Silvia Sterma trägt Gamse und Gizem. Foto: Udo Milbret
Können die Schwestern der Frühchenstation des St. Johannes Hospitals nicht schocken. Sie betreuen gerade gleich drei Pärchen: Jolantha Zalewski (v.li.) hält Yunus und Mehmed, Anett Hain bekuschelt Fatma und Erin, Silvia Sterma trägt Gamse und Gizem. Foto: Udo Milbret
Foto: WAZ-Fotopool

Duisburg. Die WAZ-Serie Krankenhaus-Report ist heute im Norden Duisburgs unterwegs. Das St. Johannes-Hospital gehört zum Katholischen Klinikum Duisburg und ist ein Mammut-Haus mit allen erdenklichen Disziplinen. Hier trifft Alt auf Neu, Hightech auf Tradition.

Ganz oben, auf dem Dach des denkmalgeschützten Rundbaus, steht Johannes der Täufer, mannshoch mit Anker und Kreuz und bewacht das Geschehen zu seinen Füßen. Und das ist vielfältig, oft lebensrettend, Hightech ohne Ende.

Manche Gebäudeteile verströmen indes noch Gründerzeit-Atmosphäre: mit mannshoch gefliesten beigefarbenen Wänden, massiven Türen, hohen Decken. Allein die Kapelle wäre eines Dorfes aller Ehren wert, groß und hell, vom Band laufen entspannende Choräle – trotz der Größe ein angenehmer Rückzugsort. An anderen Stellen ist der Stil modern, selbst die Beleuchtung ist als Licht-Therapie gedacht, Farben wechseln von blau zu grün zu rot - und so soll es bald überall aussehen. Das Katholische Klinikum Duisburg, zu dessen Zweckverband das St. Johannes-Hospital gehört, plant große Veränderungen. Vier Häuser sollen an zwei Standorten zusammengefasst werden, Neubauten unter anderem in Hamborn sollen die räumlichen Voraussetzungen schaffen. Aktuell wird allerdings noch ein Investor für das Vorhaben gesucht. Schon jetzt fügen sich Alt- und Neubauten unauffällig in das teils denkmalgeschützte Ensemble. Die Backstein-Optik ähnelt sich sehr, der alte Teil sticht nur durch seine herausquillende Fugenmasse heraus.

Station für Stammzell-Transplantation seit Anfang Januar

Nagelneu und unberührt von Umbauten bleibt eines der Highlights des Hauses. Um es zu betreten, muss man schellen und sich mit Kittel und Schutzschuhen bedecken – Hände desinfizieren nicht vergessen: Die Station für Stammzell-Transplantation ist erst seit Anfang Januar am Start. Und für die Patienten ein Hochsicherheitsbereich. Jedes Einzelzimmer ist nur durch eine Schleuse zu betreten, die mit Unter- und Überdruck arbeitet, damit nur ja kein Keim ins Innere gelangt. Die Fenster sind nicht zu öffnen, die Station sollen die Patienten so wenig wie möglich verlassen. „Sie haben es manchmal satt, immer allein zu sein“, weiß Schwester Vida Kurtanovic, die oft wichtigster Bezugspunkt für die Menschen ist bei nur zwei Besuchen pro Tag.

Wer hier liegt, leidet u. a. unter einem Lymphom, akuter Leukämie oder an einem multiplem Myelom, braucht hoch dosierte Chemotherapie, die die Blutbildung zerstört. „Das Immunsystem ist quasi nicht existent“, verdeutlicht Stationsärztin Dr. Tanja Woiwod – nach Abschluss der Chemotherapie wird mit der Stammzell-Transplantation begonnen, das Reinraumlabor ist gleich nebenan. Die Klinik ist die größte nicht-universitäre Onkologie in NRW, behandelt jährlich 5300 Patienten aus einem weiten Umfeld.

Hüftprothesen auch für jüngere Patienten

Zu Prof. Michael Starker kommen sie sogar aus dem Ausland. Um zu dem Orthopäden zu gelangen, passiert man diverse Gipsräume, die wie Bushaltestellen ausgeschildert sind – dazwischen hängen Fotos von den Paralympics. Er baut Hüftprothesen nach Maß, die alle Gelenkprobleme berücksichtigen. Sie sind länger haltbar und deshalb auch für jüngere Patienten geeignet.

Maximale Vorbereitung vor der OP, zügige Durchführung währenddessen – „und 99 % der Ergebnisse sind doll und super. Wäre das überall in der Chirurgie so, hätte sie einen anderen Ruf“, glaubt Starker. Seit 13 Jahren ist er hier Chefarzt – und die Prothesen funktionieren alle noch, freut er sich. Sie liegen so schwer und massiv in der Hand, dass man sich als Laie kaum vorstellen kann, dass sie je verschleißen.

Kindern wird im Johannes besondere Aufmerksamkeit geschenkt - von der Geburt an: Im Kreißsaal empfängt einen warmes Licht, helles Holz. Vom Gebärstuhl bis zur Badewanne ist alles da. Besonderes Highlight hier: die Walking Epidural, eine örtliche Betäubung, die ähnlich wie eine PDA den Frauen den Schmerz nimmt, ihnen aber noch eine Beweglichkeit lässt. Nah dran: die Frühchen-Station, in der schon winzigste Wesen durchgebracht wurden. Im Stillraum der lebenswichtige Hinweis: „Bitte nicht schütteln!“ Um so mehr Bewegung ist im neuen Spielzimmer möglich, in denen zwei Erzieherinnen die Laune der kleinen Patienten heben sollen.Spezial

Personal lernt Gelassenheit

Apropos Stimmung: Die soll beim Personal auch dann gut sein, wenn Patienten oder Angehörige stressbedingt weniger freundlich sind. Regelmäßige Schulungen lehren hier Gelassenheit. Zur Atmosphäre tragen auch Lage und Gestaltung bei: Auf vielen Stationen hängt großformatige Kunst sowie Fotografien mit Duisburg-Motiven oder Szenen aus dem Haus. Draußen locken riesige Bäume in den Park, laut wird’s nur, wenn dort der Hubschrauber landet.

Und etwa Notfälle zu Oberarzt Dr. Hans-Joachim Hartmann bringt. Zwei Links-Herz-Katheter-Messplätze sind sein ganzer Stolz. Stolz ist er aber auch auf Oberarzt Dr. Khaled Elfeturi, der vom Team wie ein Held gefeiert wird. Er holte einen Mann ins Leben zurück, dessen komplette linke Schlagader verschlossen war. „Es ist selten, dass so jemand das Krankenhaus überhaupt lebend erreicht“, betont Hartmann. Elfeturi gesteht, dass ihn diese Situation auch nicht kalt ließ. „Ich hab erst durchgeatmet, als das Blut wieder floss“. Im Hintergrund läuft das Video, auf der plötzlich ein ganzes Buschwerk von Adern wieder durchblutet wird. Das Team setzt Katheter nicht nur über die Leiste, sondern auch über das Handgelenk. Der Vorteil: Der Patient darf gleich aufstehen, ohne den lästigen Druckverband in der Leiste. Wenn das alles nicht hilft, stehen zwei Intensivstationen mit je zwölf Betten bereit - technisch auf dem neuesten Stand.