St. Barbara-Hospital - Der kälteste Ort der Erde

An der Barbarastraße liegt das St. Barbara Hospital in Neumühl, eröffnet wurde es 1906. Foto: Udo Milbret
An der Barbarastraße liegt das St. Barbara Hospital in Neumühl, eröffnet wurde es 1906. Foto: Udo Milbret
Foto: WAZ-Fotopool

Duisburg. Das St. Barbara-Hospital in Duisburg-Neumühl zieht Patienten aus weitem Umfeld mit Expertisen in Sachen Haut, Rheuma und plastische Chirurgie an.

Sie tragen Badehose und Wollsocken, Mundschutz und Pudelmütze, die Beine nackig, die Hände behandschuht: Was fast karnevalistisch klingt, ist nötig für die in Duisburg einmalige Behandlung in der Kältekammer des St. Barbara-Hospitals in Neumühl, das zum Zweckverband des Katholischen Klinikums Duisburg gehört. Die Klinik für Rheumatologie bietet vor allem zur Schmerzlinderung, Entzündungshemmung, zur Anregung der Durchblutung und zur Immunregulation den Tanz durch die Kammern an. Binnen drei Minuten durchlaufen die Patienten erst minus 10, dann minus 60 und schließlich minus 110 Grad kalte Räume. „Es ist kälter als jeder andere Ort der Erde“, betont Chefärztin Dr. Monika Klaas. Laute Musik gibt den Rhythmus vor, Angelika Kiel tanzt gut gelaunt durch die Eiseskälte. Nur nicht stehenbleiben, ist die Devise. Die 54-Jährige hat Arthrose und Rheuma. Seit sie zweimal wöchentlich den Eisbären spielt, geht es ihr wieder gut. „Ich bin schmerzfrei, ich kann Treppen steigen“, freut sie sich.

Monika Klaas ist die einzige Frau unter den 21 Chefärzten im KKD. Die Rheumatologin und Internistin behandelt Patienten ab dem Teenager-Alter. Etwa 400 verschiedene Rheuma-Arten gibt es, von denen viele eine lebenslange Behandlung erfordern. Das Spektrum ist riesig, umfasst nicht nur die Gelenke, sondern das ganze Körpersystem: Bindegewebs-Rheuma, entzündliche Gefäßerkrankungen, die gar Auge oder Haut erfassen können, selbst innere Organe können betroffen sein, zählt Klaas auf. Als einzige Spezialambulanz Duisburgs sieht die Fachfrau ambulant 3000 Patienten jährlich, 900 sind es stationär. Der Andrang ist groß, die Wartelisten werden nach Dringlichkeit abgearbeitet. Das Credo der Ärztin: „Eine gute Diagnose verbessert den Erfolg. Man muss sich Zeit nehmen für seine Patienten, die oft schon Experten ihrer eigenen Krankheit sind.“Spezial

Langer Leidensweg

Probleme mit Enddarm, Mast- oder Dickdarm sind die Materie von Dr. Andreas Köhler. Der Oberarzt leitet die Proktologische Ambulanz, sowie das Kompetenzzentrum für chirurgische Endoskopie - also Popo-Aua aller Art. Patienten mit komplexen Fisteln oder Abszessen werden hierhin verwiesen.

Inkontinenz speziell auch bei Jüngeren wird behandelt - bis hin zur Rekonstruktion des Schließmuskels aus einem Oberschenkelmuskel. Wenn Köhler gelassen über seine Behandlungs-Möglichkeiten berichtet, wundert man sich, wieso diese Thematik so schambehaftet ist.

Viele seiner Patienten haben einen langen Leidensweg hinter sich, eine liebevolle Untersuchung müsse aber gar nicht schmerzhaft sein. Ohnehin würde viel über Betäubung geregelt.

Sigrid Isegrei, Leiterin der Proktologischen Station, betont, dass selbst der Toilettengang nach einer Po-OP kein Problem sei. „Wir helfen mit Schmerztherapie und spezieller Ernährung“, erklärt sie.

Sonnenbänke zur Heilung

Spiegelungen werden in der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit geführt. Gastro-Enterologe Dr. Ulrich Bauser fährt mit der Kamera und mit Hilfe von Martina Thal, der Fachkraft für Endoskopie, durch die anderthalb Meter Dickdarm einer Patientin, als wäre es „ein Tanz, einer führt, der andere richtet sich danach“, beschreibt Bauser. „Eine Kolo schieben“, nennt seine Assistentin das. Die Kamera liefert glasklare Bilder, schnell sind kleine Polypen als Verursacher der Bauchschmerzen identifiziert, noch schnell ein Foto, Schlaufe drum, abschneiden, absaugen, fertig. Das Gewebe wird zur Untersuchung eingeschickt. Kaum 20 Minuten hat alles gedauert, und wenig später ist die Patientin auch schon wieder wach. „Ist der Darm gut vorbereitet, ist das eine sehr saubere Untersuchung“, erzählt der Mediziner hinterher beim Kaffee.

Staunen kann man auch, wenn man die Sonnenbänke sieht, die in Duisburgs einziger Hautklinik herumstehen. PD Dr. Jörg Schaller ist stolz darauf, als nicht-universitäre Klinik dennoch alle Fächer bedienen zu können. Und das sind viele, die Haut ist schließlich unser größtes Organ: Allergien oder Neurodermitis, Krampfadern oder Geschwüre, Krebs, Geschlechtskrankheiten... Und selbst die Diagnostik läuft im eigenen Labor. „Das ist ein großer Standortvorteil, auf engstem Raum so vernetzt zu sein“. Nagelneu sieht es hier aus, erst 2010 wurde es mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II renoviert. 6000 Patienten laufen hier pro Jahr durch, 1400 bleiben stationär, vorrangig werden schwarzer und weißer Hautkrebs operiert.

Zur Behandlung gehört aber auch die Bestrahlungsabteilung. Die Sonnenbänke stehen hochkant, sollen nicht bräunen, sondern heilen und strahlen deshalb nur in bestimmten Wellen-Bereichen, erklärt Schaller, der selbst nie in einem Sonnenstudio war: „Das find’ ich fürchterlich.“

2300 Eingriffe jährlich

Andere Stellen des Hauses sind weniger neu und hübsch, hier und da ist noch die alte Bleiverglasung zu sehen. „Es ist extrem verwinkelt“, gesteht Pressesprecherin Barbara Jung, „und deshalb oft schwierig, mit den Betten um die Ecken zu kommen.“ Ein Neubau, den das KKD geplant, aber mangels Investor noch nicht angegangen hat, würde vieles leichter machen.

Ein Alleinstellungsmerkmal ist auch die Klinik für plastische Chirurgie und Handchirurgie. Sie bietet als einzige in Duisburg die freie Lappenplastik an - ein besonderes Verfahren zum Aufbau der weiblichen Brust nach einer Amputation. 2300 Eingriffe zählt sie jährlich. Eingesetzt werden mitunter Fäden, die dünner sind als ein Frauenhaar, erzählt OP-Leiter Marcel Wolters. Das geht nur mit Mikroskop und größter Konzentration. „Ein Wackler“, beschreibt er, „wirkt da wie ein Erdbeben“.

 
 

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