SPD lauscht Lektionen von Ausbildungspraktikern

Daniel Becker und Eren Ucar arbeiten in der Werkkiste an einem Modell von Duisburg. Es soll bei Fertigstellung über 1000 qm groß sein.
Daniel Becker und Eren Ucar arbeiten in der Werkkiste an einem Modell von Duisburg. Es soll bei Fertigstellung über 1000 qm groß sein.
Foto: WAZ FotoPool
Duisburger Landtagsabgeordnete besuchten die Werkkiste in Bruckhausen. Dort lernten sie, dass Berufsorientierung nicht nur schickes Privileg für Gymnasiasten sein darf.

Duisburg. Jugendsozialarbeit trifft Politik: Die vier Duisburger SPD-Landtagsabgeordneten Ralf Jäger, Sarah Philipp, Rainer Bischoff und Frank Börner haben sich gestern in der „Werkkiste“ Bruckhausen informiert, wie Jugendliche mit verschiedenen Belastungen fit für den Arbeitsalltag gemacht werden. Hintergrund ist ein Berufsorientierungsprojekt, das in den kommenden zwei Jahren flächendeckend für alle NRW-Schüler, Gymnasiasten einschließlich, ausgerollt wird.

Über den Anblick staunten selbst die Abgeordneten, allesamt Duisburger, nicht schlecht: In der „Werkkiste“ liegt ihnen die ganze Stadt zu Füßen und zwar als maßstabsgetreues, in geduldiger Kleinarbeit gefertigtes Modell. Auf 92 Quadratmetern haben die Jugendlichen bereits die Viertel Ruhrort, Häfen, Laer, Beeck, Meiderich und Hamborn nachgebaut.

„Malern, Schreinern, Mitdenken“

Der Lerneffekt in den Worten eines Betreuers: „Malern, Schreinern, Mitdenken.“ Dinge, die den Jugendlichen in der Einrichtung nicht zufallen. Manche sind lernbehindert, andere sind mehrfach durch alle Raster in der Schule oder Ausbildung gefallen. In der „Werkkiste“ werden sie wieder hingeführt zum Schulabschluss, bei der Ausbildung begleitet oder in fehlenden sozialen Fähigkeiten geschult.

In den nächsten Jahren werden sich solche Einrichtungen für arbeitsmarktferne Jugendliche die Fördermittel zur Berufseingliederung teilen müssen, mit ohnehin gewieften Talenten vom Gymnasium. Denn unter dem sperrigen Titel „Übergangssystem Schule und Beruf“ macht die NRW-Regierung derzeit die Joborientierung für alle Schüler ab der 8. Klasse zur Pflicht – ein ganzes Paket von Praktika, Schnuppertagen, Berufsberater-Seminaren und mehr soll bis 2016 in jeder Kommune ausgerollt werden. „Das heißt im Klartext, dass das Geld zur Joborientierung nicht mehr wie bisher für 30 Prozent, sondern für 100 Prozent der Jugendlichen reichen muss“, so der Abgeordnete Rainer Bischoff.

Berufsorientierung findet nicht nur in der Schule statt

Für die Werkkiste ist das Grund zur Sorge: „Schließlich findet Berufsorientierung ja nicht nur in der Schule, sondern auch bei uns, also schulfremd, statt“, so Leiter Norbert Geier. Er betonte: „Es gibt eben Jugendliche, die nicht schulisch lernen, sondern praktisch – oder Jugendliche, die sich nach abgebrochener Ausbildung neu ausrichten. Sie dürfen nicht benachteiligt werden bei Joborientierungsprogrammen.“ Davon waren die Politiker spätestens nach ihrer Vor-Ort-Visite überzeugt.

„Wir müssen auch in Berlin daran arbeiten, die Mittel der Bundesregierung zielgenauer auf Duisburger Verhältnisse zuzuschneidern“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger, „und bei Geldern aus dem Europäischen Sozialfonds müssen wir als Zuwanderungskommune einen Fuß in die Tür bekommen.“

 
 

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