Spannender als jeder Krimi

Auch indiesen historischen Steuerbüchern, die im Stadtarchiv am Karmelplatz eingelagert sind, können sich Hinweise auf eigene Vorfahren verstecken.
Auch indiesen historischen Steuerbüchern, die im Stadtarchiv am Karmelplatz eingelagert sind, können sich Hinweise auf eigene Vorfahren verstecken.
Foto: WAZ FotoPool
Marinko Betker und Dr. Andreas Pilger vom Stadtarchiv Duisburg führen Laien in die Ahnenforschung ein. Hinter jeder Akte kann sich eine packende Geschichte verbergen, man muss sie nur erkennen.

Duisburg.. War der eigene Vorfahre vielleicht ein Binnenschiffer mit Geliebten in vielen Häfen? Oder stammt man vielleicht von einer preußischen Prinzessin ab? Wer mehr über die eigene Familiengeschichte herausfinden wollte, hatte dazu jetzt bei einem VHS-Seminar zur Ahnenforschung die Gelegenheit. Dr. Andreas Pilger und Marinko Betker vom Duisburger Stadtarchiv brachten Laien bei, wie man sich auf die Spuren seiner Vorfahren begibt.

Einen Zahn musste der Historiker und angehende Archivar Betker den zehn Hobbyahnenforschern, die zum Seminar ins Stadtmuseum gekommen waren, allerdings direkt zu Anfang ziehen: „Mir eine berühmte Person auszusuchen und zu schauen, ob ich mit ihr verwandt bin, davon kann ich nur abraten. Man sollte immer von der eigenen Person ausgehen.“

In jedem beliebigen Register verbergen sich die tollsten Familiengeschichten

Doch das sei nicht minder spannend, betonte Betker, dem der Spaß an der Ahnenforschung deutlich anzumerken war. „Ich kann bei uns einfach ein beliebiges Register aus dem Schrank holen und finde die tollsten Geschichten.“ Das reizte auch Seminarteilnehmer Kurt Klimmek (67): „Jede echte Familie ist spannender als jeder Krimi oder jedes Fernsehstück. Das ist das wahre Leben.“ Er will möglichst viel über frühere Generationen erfahren. „Natürlich wäre es ungünstig, wenn ich rausfinde, dass mein Vorfahre ein Henker war – aber die Neugier hat mich gepackt.“

Doch Neugier allein genügt nicht, man muss auch das nötige Wissen haben, was es alles zu finden gibt – und vor allem wie. Und das vermittelten die beiden Experten vom Stadtarchiv: etwa welche gesetzlichen Sperrfristen für Akten bestehen, bevor sie im Archiv eingelagert werden und damit frei zugänglich sind. Besonders ergiebig sind dabei die Urkundenbücher der Standesämter, die im linksrheinischen Duisburg bereits 1798 sogenannte Zivilstandsregister führten, übrigens dank Napoleon. Geburten, Hochzeiten oder Sterbefälle werden alle bei Standesämtern erfasst. Das Problem: Der Familienforscher muss herausfinden, in welchem Standesamt die gesuchten Urkunden lagern – nach etlichen Eingemeindungen seit dem 19. Jahrhundert gar nicht so leicht ohne die vierseitige Liste der Profis.

„Das ist wie eine Schatzsuche“

Außerdem können zum Beispiel Kirchenbücher, Militärlisten oder Friedhofsverzeichnisse zum Ziel führen. Wer sich auf Spurensuche begibt, hofft dabei meistens auf die deutschen Beamten. Je akribischer sie gearbeitet haben, desto mehr Randnotizen mit Querverweisen zu weiteren relevanten Dokumenten finden sich. „Das ist wie eine Schatzsuche“, schwärmte Marinko Betker und hatte direkt eine Aufgabe für die Gruppe. Als Detektive sollten sie herausfinden, ob ein ausgewählter Verstorbener nicht nur aus zweiter Ehe, sondern auch aus erster Kinder hat, die Erbansprüche haben. Mit den gerade gelernten Tipps und Tricks kein Problem!

Am Ende des dreistündigen Seminars hatten die Teilnehmer genug gelernt, um demnächst selbst Ahnenforschung zu betreiben. Sie hatten auch Hilfsmittel im Internet kennengelernt und freuen sich auf den Besuch im Stadtarchiv. Natürlich stehen dort die Mitarbeiter mit Rat zur Seite und helfen auch beim Entziffern alter Handschriften.

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