Sozialbau in der Dickelsbach-Siedlung - Hübsch und historisch

Am Dienstag, den 8. Juli 2014 wohnen Wilhelm und Dagmar Quindt in einem der Häuser in der Dickelsbach Siedlung Foto: Alexandra Roth/WAZ FotoPool
Am Dienstag, den 8. Juli 2014 wohnen Wilhelm und Dagmar Quindt in einem der Häuser in der Dickelsbach Siedlung Foto: Alexandra Roth/WAZ FotoPool
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Nur 4,30 Meter messen die Häuser in der Dickelsbach-Siedlung. Entstanden sind die Gebäude in den 20er Jahren, um die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg zu lindern. Sie waren für kinderreiche Familien gedacht. Auch heute nutzen die Bewohner noch jeden Quadratmeter aus.

Wanheimerort.. 4,30 Meter misst das Haus von Wilhelm und Dagmar Quindt. Die 57 Quadratmeter verteilen sich auf zwei Etagen und Zwischengeschosse. Seit 1995 wohnt die Familie Quindt in der denkmalgeschützten Dickelsbach-Siedlung. Wieder, muss man sagen. Bis in die 70er Jahre hat der ehemalige Chauffeur des Oberbürgermeisters schon einmal in den backsteinroten Häusern mit den charakteristischen grünen Fenstern gewohnt. „Es ist klein, aber die Miete ist günstig, man ist sein eigener Herr und hat sein Häuschen“, beschreibt Dagmar Quindt den Charme des Gebag-Mietobjekts.

Entstanden ist die Dickelsbach-Siedlung in den 20er Jahren, um die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg zu lindern. Was heute hübsch und historisch ist, fiel damals unter den sozialen Wohnungsbau. Ein Haus sollte nicht mehr als 5000 Reichsmark kosten. Nach Entwürfen der Architekten Heinrich Bährs und Hermann Bräuhäusers entstanden von 1926 bis 1928 die kleinen Bleiben, die immerhin 7,30 Meter tief sind. Die Dickelsbach-Siedlung ist eine von drei so genannten Typenhaus-Siedlungen. Nach gleichem Muster wurden auch die Siedlungen Ratingsee in Obermeiderich und Diergardt in Neuenkamp errichtet. Die Häuser waren für kinderreiche Familien bestimmt. Jeder Quadratmeter war durchgeplant und wurde ausgenutzt.

Zu jedem Haus gehört ein Garten. Jeder, der einzog, sollte die Möglichkeit haben, Gemüse anzubauen oder auch Hühner zu halten. „Früher gab’s hier mal viele Karnickel in den Gärten“, erinnert sich Wilhelm Quindt. Inzwischen dient das Grün den meisten Mietern nur noch zur Naherholung. Die Quindts legen aber Wert darauf, dass das Grün hinter ihrem Häuschen gepflegt ist. Hier lässt es sich entspannen.

"Wir schlafen mit dem Kopf auf der Autobahn"

Die Räume hat das Paar liebevoll eingerichtet. Der Keller ist zu einem Hobbyraum umfunktioniert, entlang der schmalen Treppe hat Wilhelm Quindt dutzende Modell-Trucks in Setzkästen positioniert. Die Küche befindet sich direkt neben dem Eingangsbereich, eine halbe Etage höher geht’s ins Wohnzimmer. Eine weitere Etage darüber gibt’s ein Schlafzimmer. „Wir schlafen mit dem Kopf auf der Autobahn“, verweist Dagmar Quindt auf die nah am Haus vorbeilaufende A 59. Inzwischen habe sie sich aber daran gewöhnt.

„Hier wohnen viele Familien, einige schon in zweiter oder dritter Generation“, erklärt Wilhelm Quindt, der sich auch mal als Vorsitzender des Mieterbeirats engagiert hat. Als es den noch gab, sei der Zusammenhalt noch besser gewesen.

Die Siedlung ist übrigens auch mal Schauplatz für einen Kinderfilm gewesen. 2007 wurden auf den Straßen Szenen für den Streifen „Bonanza“ gedreht.

 
 

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