Sohn soll seine Mutter getötet und im Wald versteckt haben

Staatsanwalt Alexander Bayer (v.li.), Ulrich Werner, Leiter der Mordkommission und Michael Jablonski , stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei Duisburg, mit Einzelheiten zum Mordfall der vermissten Dinslakenerin.
Staatsanwalt Alexander Bayer (v.li.), Ulrich Werner, Leiter der Mordkommission und Michael Jablonski , stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei Duisburg, mit Einzelheiten zum Mordfall der vermissten Dinslakenerin.
Foto: Stephan Eickershoff
Im Fall der getöteten Dinslakenerin, die seit Monaten als vermisst galt, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen gemeinschaftlichen Mordes.

Duisburg/Dinslaken. Im Fall der seit Oktober 2014 vermissten und in der Vorwoche tot aufgefundenen Frau aus Dinslaken hat die Polizei vier Männer festgenommen. Darunter ist der 24-jährige Sohn des Opfers sowie drei mit ihm befreundete Brüder (18, 20, 24).

Die Frau ist nach bisherigen Ermittlungen der Kripo in der eigenen Wohnung erdrosselt, die Leiche danach in einem Waldgebiet bei Hünxe vergraben worden. Das ergab die Obduktion der Gerichtsmedizin. Der älteste der drei Brüder soll einen Kredit in Höhe von 6000 Euro von der Frau erhalten, diesen jedoch nicht zurückgezahlt haben. Der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft Duisburg lautet: gemeinschaftlicher Mord.

Nach der Festnahme in der Vorwoche hatte der Sohn des Opfers die Polizei zur Ablagestelle der Leiche geführt: ein still gelegtes Bachbett im Naturpark Hohe Mark, ganz in der Nähe zum Flugplatz „Schwarze Heide“. Der Sohn räumte in seiner Vernehmung nur ein: „Ich nehme alle Schuld auf mich.“ Ansonsten macht er wie die drei aus Äthiopien stammenden Brüder vom Schweigerecht Gebrauch. Das Quartett sitzt in Untersuchungshaft.

Aufwendige Ermittlungsarbeit

Ulrich Werner, Leiter der Mordkommission, zeichnete die aufwendige Ermittlungsarbeit nach. Das letzte Lebenszeichen der Vermissten war ein Telefonat am Abend des 30. September 2014. Am 2. Oktober meldete ihr Sohn sie als vermisst. Die zuständige Polizei Wesel schaltete die Kripo Duisburg mit ein, weil ein Kapitalverbrechen als wahrscheinlich galt.

Da die Frau laut ihrem Sohn viele Männerbekanntschaften gehabt haben soll, durchleuchtete die Polizei das Umfeld – inklusive aller Kontakte in Partnerschaftsportalen, etwa 250 Personen. Ohne Ergebnis. Ende November wurden die Ermittlungen zeitweise eingestellt.

Der Anruf einer alten Freundin der Vermissten im Januar brachte die entscheidende Spur: der 6000-Euro-Kredit, den die Dinslakenerin dem Freund ihres Sohnes gewährt hatte. Da sie selbst in Geldnöten steckte, hatte sie die Summe schon mehrfach von dem 24-jährigen Koch, Trinkhallenbetreiber und Gelegenheitsdealer zurückgefordert. Ohne Erfolg.

Handydaten-Auswertungen und Abhörmaßnahmen gegen das Quartett erhärteten den Verdacht, so dass es in der Vorwoche zur Festnahme kam. Staatsanwalt Alexander Bayer sprach von einem „Heimtücke-Mord“, so dass den älteren Beschuldigten, also auch dem Sohn, eine lebenslängliche Haftstrafe droht. (tric)

 
 

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