Sönke Wortmann ist im Herzen immer noch ein Ruhrgebiets-Kind

Filmregisseur Sönke Wortmann stellt im Duisburger Stadtwerke-Sommerkino seinen Film „Frau Müller muss weg“ vor.
Filmregisseur Sönke Wortmann stellt im Duisburger Stadtwerke-Sommerkino seinen Film „Frau Müller muss weg“ vor.
Foto: Udo Milbret / Funke Foto Services
Filmregisseur Sönke Wortmann stellt im Duisburger Stadtwerke-Sommerkino seinen Film „Frau Müller muss weg“ vor. Wir trafen ihn zum Gespräch.

Duisburg. Nach dem Ende der Sommerferien und pünktlich zum ersten Schultag stellte Regisseur Sönke Wortmann seine erfolgreiche Lehrer-Komödie „Frau Müller muss weg“ am Mittwochabend vor 1077 Besuchern im ausverkauften Stadtwerke-Sommerkino vor. Vor dem Filmgespräch auf der Gießhallen-Bühne mit Sommerkino-Macher Kai Gottlob stellte sich der 55-Jährige, in Marl geborene und heute in Düsseldorf lebende Filmemacher den Fragen von WAZ-Redakteur Thomas Richter.

Herr Wortmann, sind Sie zum ersten Mal im Landschaftspark?

Sönke Wortmann: Nein, ich war zuvor schon zwei- oder dreimal hier. Mir gefällt das gesamte Ambiente. Ich finde, dass die Architektur dieses ehemaligen Industriewerks eine eigene Kunst ist. Und dass hier auch Kulturveranstaltungen stattfinden, ist für mich die perfekte Kombination. Dass es hier ein Sommerkino gibt, wusste ich bis vor kurzem noch gar nicht. „Frau Müller“ ist der erste meiner Filme, der im Duisburger Open-Air-Kino gezeigt wird.

Einige Teile Ihres Erfolgsfilms „Das Wunder von Bern“ haben Sie damals in Duisburg gedreht. Warum ist diese Stadt sonst so selten Drehort für Kino-Produktionen?

Wortmann: Das Filmemachen kostet nun einmal viel Geld. Deshalb ist es am rationellsten, dort zu drehen, wo die Filmcrew wohnt. Da spart man zum Beispiel schon die Hotelkosten.

Sie sind ein Ruhrgebiets-Kind, was hat Sie denn da ausgerechnet nach Düsseldorf verschlagen?

Wortmann: Meine Frau! Sie kommt aus dieser Stadt, hat dort immer gelebt und will von dort auch nicht weg. Meine emotionale Verbindung zum Ruhrgebiet wird aber immer bleiben.

War das auch der Grund dafür, ihr neues Projekt anzugehen, an dem Ruhrgebiets-Kultautor Frank Goosen beteiligt ist?

Wortmann: Ja. Wir planen die Verfilmung von Goosens Erfolgsroman „Sommerfest“. Das Drehbuch ist fertig, die Finanzierung steht noch nicht ganz. Drehbeginn soll in 2016 sein.

Goosen und Sie verbindet nicht nur die Verbundenheit zum Ruhrgebiet, sondern auch die Liebe zum Fußball. Freuen Sie sich, dass am Wochenende die Bundesliga wieder losgeht?

Wortmann: Ehrlich gesagt: Nein! Ich habe das Interesse an der Bundesliga verloren. Ich finde es so langweilig, wenn immer dieselbe Mannschaft Meister wird. Da gefällt mir etwa der englische Fußball viel besser. Ein Lieblingsteam habe ich dort nicht. Ich halte immer zu den Außenseitern. Außerdem komme ich durch meine England-Connections dort immer gut an Karten (lacht).

Sie meinen die Nationalspieler, die Sie bei den Dreharbeiten zum WM-Film „Deutschland. Ein Sommermärchen“ kennen gelernt haben und die heute auf der Insel kicken?

Wortmann: Genau. Das sind alles witzige, nette, interessante Typen. Der Lukas Podolski ist jetzt ja von London nach Istanbul gewechselt, aber dafür gibt es ja noch Per Mertesacker. Und in Bastian Schweinsteiger habe ich nun auch in Manchester einen ständigen Ansprechpartner. Ich bewundere diese Jungs, wie sie das permanente Interesse der Öffentlichkeit aushalten. Wenn die über die Straße gehen, bildet sich sofort ein Massenauflauf. Bei Schauspielern ist das anders: Die werden weniger angesprochen, sondern mehr aus der Distanz angeschaut und angehimmelt. Die Faszination für Fußballer ist hier in Deutschland nun doch noch mal eine ganz andere.

Sie haben einst selbst in der dritten Liga für Erkenschwick und Herne gekickt. Verfolgen Sie noch den Weg Ihrer alten Teams?

Wortmann: Ich schaue immer auf die Ergebnisse und die Tabellen. Direkten Kontakt gibt’s nicht mehr, weil ich inzwischen die handelnden Personen in den Vereinen nicht mehr kenne.

Meine Antwort auf den Breakfast Club 

Wie kamen Sie auf die Idee für „Frau Müller muss weg“?

Wortmann: Die ganze Sache basiert auf einem Theaterstück von Lutz Hübner, das ich mit ihm in Berlin inszeniert habe. Es wurde ein großer Erfolg – genau wie die alle Inszenierungen an anderen Theatern. Für mich war von Beginn an klar, dass das auch ein prima Filmstoff wäre.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Besetzung gecastet?

Wortmann: Für mich war sofort klar, dass Anke Engelke die Jessica spielen muss. Ich bin ein großer, großer, großer Fan von ihr. Justus von Dohnányi ist dasselbe in männlich. Besonders ist, dass es hier keine klassische Hauptrolle gibt. Jeder der Darsteller hat fast dieselben Anteile. Freiräume habe ich ihnen diesmal keine gelassen. Wegen des Theaterstücks vorher hatte ich fest im Kopf, wie jedes Wort, ja jede Silbe klingen muss.

Gab es Vorbilder für den Film?

Wortmann: „Breakfast Club“ gehörte zu meinen Lieblingsfilmen, als ich jung war. Ich konnte mich sehr mit diesen Schülern identifizieren, die da zusammen nachsitzen mussten, weil ich damals die gleichen Probleme hatte. Vielleicht ist „Frau Müller muss weg“ meine persönliche Antwort auf den „Breakfast Club“.

Welche Projekte stehen nun an?

Wortmann: Da wäre „Deutschland. Made by Germany“. Dort soll ein kollektives Selbstporträt der Deutschen entstehen. Jeder sollte sich am 20. Juni selbst filmen und einige Szenen seines Lebens präsentieren. Wir haben ein paar Tausend Einsendungen bekommen. Das waren weniger als gedacht, dafür ist die filmische und inhaltliche Qualität aber sehr gut. Der Film soll am 5. Mai 2016 in die Kinos kommen. Und für die ARD drehe ich ab Oktober die historische TV-Serie „Charité“, die in der gleichnamigen Berliner Klinik spielt. Als Schauspieler sind wieder Justus von Dohnányi sowie Mathias Koeberlin, Alicia von Rittberg und Ernst Stötzner an Bord.

 
 

EURE FAVORITEN