Duisburg

Rollmops statt Märchenschloss: So will Duisburg Touristen aus China in die Ruhrgebietsstadt locken

Chinesisches Frühlingsfest in der Mercatorhalle: die Studentin Hong Anh Le aus Bochum mit einem Kostüm aus der Han Dynastie. Duisburg will mit einer Video-Serie jetzt Werbung in China machen.
Chinesisches Frühlingsfest in der Mercatorhalle: die Studentin Hong Anh Le aus Bochum mit einem Kostüm aus der Han Dynastie. Duisburg will mit einer Video-Serie jetzt Werbung in China machen.
Foto: Udo Gottschalk / FUNKE Foto Services

Duisburg. Der Rollmops war dann doch etwas gewöhnungsbedürftig für Weijing Le!

Die Chinesin hat soeben zum ersten Mal einen Rollmops probiert. Die Begeisterung hält sich augenscheinlich in Grenzen, umso größer ist sie beim Koch, der die Fisch-Delikatesse auf der Motoryacht "Oskar" serviert hat.

Der kurze Schnipsel ist bei Duisburg Tourismus auf Facebook zu finden. Er zeigt ein „Making of“ einer Video-Serie, mit dem die Stadt chinesische Touristen ins Ruhrgebiet locken will.

Duisburg: Ruhrgebietsstadt wirbt in Chinas sozialem Netzwerk um Touristen

Noch nie waren so viele Chinesen in der Welt unterwegs wie dieser Tage. Jede Tourismus-Destination will davon profitieren, auch Duisburg.

Dazu lässt die Stadt derzeit die Video-Serie „Mittagspause in Duisburg“ produzieren. Das Format soll Werbung für Duisburg auf der zentralen chinesischen Social-Media-Plattform „weChat“ machen.

Ziel sei es, kulturelle Unterschiede zum chinesischen Markt darzustellen, so Patrick Kötteritzsch, Marketing-Chef der Duisburg Kontor GmbH. Die Stadt setzt dabei konkret auf das Thema Essen und zeigt unterschiedliche Locations, die die Stadt repräsentieren - etwa den Hafen oder die Universität.

------------------------------------

• Mehr zum Thema:

Irre Reise! Duisburger fährt mit Fahrrad 15.000 (!) Kilometer nach China – und muss vor einem Braunbär flüchten

Doku zeigt Seiten des Landschaftsparks Nord, die du sicher noch nicht kanntest

• Top-News des Tages:

Jürgen Milski verblüfft Fans mit Bild von Heiratsantrag: „Seit wann ist der schwul?“

Flugzeug in Äthiopien abgestürzt: 157 Menschen an Bord – keine Überlebenden

-------------------------------------

Auch wenn Duisburg kein Märchenschloss wie Neuschwanstein hat und im Gegensatz zu Trier auch Karl Marx nicht in der Ruhrgebietsstadt lebte, so hat Duisburg doch einen großen Joker, wenn es darum geht, chinesische Touristen anzulocken.

In Duisburg endet eine 11.000 Kilometer lange Bahnstrecke: Chinas neue Seidenstraße. Mehrere Dutzend Züge, beladen mit Textilien und Elektrowaren, fahren pro Woche aus China nach Duisburg - zurück bringen sie deutsche Autos und Konsumgüter ins Reich der Mitte.

2014 besuchte Chinas Staatschef Xi Jinping gemeinsam mit der damaligen NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die Stadt. Ein Coup!

+++ „Das hier ist das Zentrum Europas“: Darum lieben Chinesen Duisburg +++

„Die Stadt Duisburg besitzt hierbei – trotz geringer Mittel – eine sehr gute Ausgangslage“, glaubt Patrick Kötteritzsch und spielt auf die guten Kontakte an, die die Stadt mittlerweile nach China geknüpft hat. Erst kürzlich schloss die Stadt einen nicht unumstrittenen Mega-Deal mit dem chinesischen IT-Konzern Huawei beim Ausbau zur „Smart City“ ab.

Volker Stanislaw ist Touristik-Experte, besonders mit Touristen aus dem Reich der Mitte kennt sich der studierte China-Wissenschaftler bestens aus. Er begleitete etwa chinesische Touristengruppen durch Deutschland. Der Experte glaubt: "Duisburg ist durchaus attraktiv für Chinesen. Die Seidenstraße startet in China, derzeit wird Duisburg als Endpunkt propagiert. Es gab in der Vergangenheit Veranstaltung von Chinesen im Duisburger Hafen. Gerade der Hafen lässt sich mit Zügen, die dort ankommen und von dort starten, sehr gut in Szene setzen."

Viele Städte entwickelten eigene Accounts für WeChat, das chinesische WhatsApp-Pendant. Doch das allein werde nicht ausreichen, so Stanislaw: "Die Städte dürfen nicht glauben, dass ein WeChat-Account ausreicht." Sein Tipp: "Es muss mehr getan werden, um die chinesische Touristen zu begeistern, etwa muss man sich schon jetzt Gedanken machen, ob Hauptbahnhöfe, Flughäfen oder Autobahnen nicht in Zukunft auch chinesische Zeichen auf den Schildern haben. Wenn Chinesen auf deutschen Autobahnen unterwegs sind, so wundern sie sich oft darüber, dass unsere Städte alle gleich heißen, nämlich „Ausfahrt“.

Zechen mit Stories ausschmücken

Seine Erfahrung zeigt, dass chinesische Touristen in Deutschland als nur ein Land auf der Reisereoute betrachten. "Deutschland ist meist Teil der Westeuropatour. Es werden Touren angeboten wie etwa 7 Länder in 5 Tagen", erklärt der Experte. Städte wie Köln können da mit dem Dom punkten, doch das Ruhrgebiet habe es da etwas schwieriger. "Wünschenswert wäre, wenn der Zechencharakter etwas mit mehr Stories drum herum gefüllt werden könnte, denn Chinesen mögen historische Orte, die mit einer tollen Story verknüpft werden."

Neugierig auf Duisburg machen

Zumindest was die Rahmenbedingungen angeht, ist Duisburg gut gerüstet. Chinesisch-sprachige Unterlagen, um die Stadt als Tourismus-Destination auch auf dem chinesischen Markt zu präsentieren, seien bereits vorhanden, erläutert Kontor-Sprecher Patrick Kötteritzsch.

„Auch als wissenschaftlicher Standort spielt Duisburg durch seine Universität mit ihren zahlreichen chinesischen Studenten eine wichtige Rolle bei diesem Thema. Zum einen werden die bestehenden Beziehungen zwischen China und Duisburg im Rahmen der Vermarktung aufgegriffen. Zum anderen machen wir neugierig auf Duisburg, indem wir die kulturellen Unterschiede und die Besonderheiten der Stadt Duisburg aufzeigen“.

Touristenströme nach Duisburg nehmen zu

Überhaupt ist der Tourismus im Ruhrpott im Aufwind. Auch Duisburg verzeichnet stetig wachsende Zahlen in den letzten drei Jahren. Die Zahl der Übernachtungen in Duisburger Beherbergungsbetrieben stieg 2018 (Januar bis November) im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent.

Wie viele Touristen aus China davon in die selbsternannte „Stadt von Wasser und Feuer“ kamen, kann Marketing-Chef Kötteritzsch nicht sagen. Die amtliche Statistik weise keine Besucherzahlen über chinesische Touristen in Duisburg aus. „Unsere Hotelpartner belegen aber eine zunehmende Anzahl an chinesischen Touristen in den Duisburger Beherbergungsbetrieben“, so Kötteritzsch.

Geht es nach ihm, dürfte das in Zukunft noch viel mehr werden. Den Rollmöpsen sei Dank.

 
 

EURE FAVORITEN