„So was habe ich noch nicht gesehen“

Festivalleiter Werner Ruzicka bei der Eröffnung der  35. Duisburger Filmwoche im Filmforum am Dellplatz. Foto: Lars Fröhlich
Festivalleiter Werner Ruzicka bei der Eröffnung der 35. Duisburger Filmwoche im Filmforum am Dellplatz. Foto: Lars Fröhlich
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Den treffendsten Satz zur Eröffnung der Duisburger Filmwoche sagte am Montagabend Gudrun Sommer, doch stammte er gar nicht von ihr. Die Leiterin der „doxs!“-Reihe, der Kinder- und Jugendsektion des Festivals, zitierte einen achtjährigen Jungen, der nach der Sichtung der ersten Beiträge für junge Gäste auf seinem Protokollzettel festhielt: „So was habe ich noch nicht gesehen.“ Das wird in dieser Woche noch so manchem Zuschauer durch den Kopf gehen.

Zum 35. Mal findet im Filmforum am Dellplatz die Duisburger Filmwoche statt, das vielbeachtete Festival des deutschsprachigen Dokumentarfilms. „Das ist schon etwas in dieser oft flüchtigen Festivalszene“, bemerkte Leiter Werner Ruzicka in seiner Begrüßungsrede. Zahlreiche Filme auf hohem Niveau seien in diesem Jahr eingegangen. „Wir konnten aus dem Vollen schöpfen“, was die Arbeit im Vorfeld allerdings nicht unbedingt erleichtert habe. Und die gehen zudem noch immer weiter. Denn bei der Filmwoche sei „ein Film nicht zu Ende, wenn er zu Ende ist“, bemerkte Ruzicka und verwies damit auf die Protokolle, die von allen Diskussionen nach den Filmvorführungen angefertigt werden. Dank der Dokumentation dieser Unterlagen im Internet seien auch „die Spuren der vorherigen Festivals nicht verweht“ und erlaubten eine Reise durch die Geschichte. Die bleibe damit lebendig, so wie es auch die Filmkultur in Nordrhein-Westfalen sei. „Einzigartig“ nannte Ruzicka sie.

Ein Stück Geschichtsschreibung

Kulturstaatssekretär Klaus Schäfer bescheinigte der Filmwoche einen großen Anteil daran, denn mit diesem Filmfestival werde „auch Geschichte geschrieben“. Schäfer weiter: „Das Land ist außerordentlich stolz, dass dieses Festival 35 Jahre alt geworden ist.“ Schäfer. Finanziell tragen dazu das Land und die Filmstiftung NRW, die Sender Arte, 3Sat, die Stadt Duisburg sowie die Sparkasse bei. Dass das Geld gut angelegt sei, könne man bei der Filmwoche deutlich sehen, an der Qualität der Filme wie auch am Renommee des Festivals in der Szene.

„Dokumentarfilme sind“, sagte Schäfer, „immer auch ein Stück Geschichtsschreibung. Sie zeigen, wie man lebt, wie man sich verändert und auf die Gesellschaft einwirkt.“ Deshalb sei für Dokumentarfilme grundsätzlich alles ein möglicher „Stoff“, was der Titel der diesjährigen Auflage ist. Doch sei für den Dokumentarfilmer als Mittler von Realität der Blickwinkel entscheidend. Er konfrontiere die Menschen mit Inhalten, halte die Welt durch das Medium aber auch auf Distanz.

Stoffe würden in den nächsten Tagen genügend entfaltet, versprach Werner Ruzicka. „Ihnen werden die Augen aufgehen.“ Und vieles davon wird man so sicher noch nie gesehen haben. [kein Linktext vorhanden]