So steht es um die Integration in Duisburg

Annette Kalscheuer
An der Weseler Straße in Marxloh haben sich zahlreiche Einzelhändler mit Migrationshintergrund niedergelassen . Foto: Friedhelm Geinowski/WAZFotoPool
An der Weseler Straße in Marxloh haben sich zahlreiche Einzelhändler mit Migrationshintergrund niedergelassen . Foto: Friedhelm Geinowski/WAZFotoPool
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Duisburg. Die breit angelegte „Duisburger Integrationsbefragung“ stellt die Integrationsdebatte auf eine wissenschaftliche Basis. Sie birgt Bestätigungen vermuteter Fakten, traurige Erkenntnisse, aber auch Perspektiven und Handlungsanregungen.

Die Studie hat es in ihrer Komplexität in sich. Auf 170 Seiten breitet sich die erste Duisburger Integrationsbefragung aus. „Integration zwischen Distanz und Annäherung“ lautet sie und birgt Bestätigungen vermuteter Fakten, traurige Erkenntnisse, aber auch Perspektiven und Handlungsanregungen, die in Abstimmung mit dem Referat für Integration entworfen wurden. Verglichen wurden subjektive und objektive Parameter wie Bildung, Erwerbssituation, Arten des Wohnens, Nachbarschaftsbeziehungen, gesellschaftliche Teilhabe, Bedeutung von Religion, Rollenverständnisse und vieles mehr.

Eine Erkenntnis: „Zuwanderer sind meist mit ihrem Leben in Deutschland zufrieden und planen nicht, in ihr Herkunftsland zurückzukehren.“ Eine Rückkehr planen lediglich vier Prozent.

Mangelnde Sprachkenntnisse zentrales Hindernis

Mangelnde Deutschkenntnisse werden von allen befragten Gruppen als zentrales Integrationshindernis betrachtet. Um dieses Hindernis zu beseitigen, gilt es allerdings wieder viele Faktoren zu berücksichtigen, so etwa die größere Bildungsferne von Zuwandererfrauen, die ihnen in der Folge auch weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt einräumt. Eine doppelte Benachteiligung von Zuwandererfrauen stellte schon 1989 der Berufsbildungsbericht Duisburg fest. Die Studie stellt eine hohe Abbrecherquote bei Deutschkursen fest, legt aber auch die Gründe offen: vor allem ein Mangel an Kinderbetreuung. Umgekehrt betont die Studie aber auch die Bedeutung der Herkunftssprache, die Kinder und Jugendliche lernen können sollten.

Zuwanderer sind deutlich häufiger erwerbslos als Deutsche, nehmen häufiger Sozialleistungen in Anspruch und beziehen ein deutlich niedrigeres Einkommen“, stellen die Autoren fest. Da dies aber auch auf hochgebildete Zuwanderer zutrifft, geht die Studie von einer „gewissen Diskriminierung“ aus, also dass ihnen der Zugang zu beruflichen Positionen, die ihrem Bildungsniveau entsprechen, verwehrt wird.

Aussiedler stehen deutscher Bevölkerung am nächsten

Differenziert hat die Studie in der Gruppe der Zugewanderten zwischen Aussiedlern, Eingebürgerten Ausländern und Ausländern, wobei sich in der genannten Reihenfolge auch eine „Integrationsrangliste“ erstellen ließ: Aussiedler stehen in ihren strukturellen Merkmalen, ihren Sozialbeziehungen und Einstellungen der deutschen Bevölkerung am nächsten.

Zwar sehen weder Deutsche noch Zugewanderte „nennenswerte Konflikte“ in ihren nachbarschaftlichen Beziehungen, aber dennoch spricht sich ein Fünftel der deutschen Befragten gegen weitere Zuwanderung aus, 70 % akzeptieren allenfalls begrenzt weitere Zuwanderung. Die Verantwortung für existierende Probleme ist für die Deutschen Befragten auch eindeutig bei den Zugewanderten zu suchen, die sich mehr Mühe geben sollten. Ängste in Bezug auf eine mögliche Überfremdung und Ausnutzung durch Zugewanderte förderte die Studie bei vielen Befragten zu Tage, auch bei Angehörigen der Mittelschicht. In diesen Zusammenhang passt die Erkenntnis, das Zuwanderer sich mehr Kontakte zu Deutschen wünschen, während sich Deutsche mit dem „Ist-Zustand“ begnügen.

Die Studie stellt in dieser Hinsicht Integrationsdefizite auf Seiten der Deutschen fest, die nur durch einen Bewusstseinswandel beseitigt werden könnten, denn Zuwanderer hätten Integration durchaus als ihre Aufgabe begriffen. „Deutsche müssen stärker auf Zuwanderer zugehen, ihre eigene Bringschuld akzeptieren“, fordert die Studie. Denn: „Bis heute haben viele „deutsche Duisburger“ nur unzureichend akzeptiert, dass sich die „Zuwanderer-Duisburger“ nicht nur dauerhaft in ihrer Stadt niedergelassen haben, sondern inzwischen zu einem organischen Teil dieser Stadt geworden sind“, so die Autoren und formulieren damit die zentrale Herausforderung für die Politik der Stadt, die sich derzeit in den Ausschüssen mit der Studie befasst: „Integration ist für das Zusammenleben in Duisburg alternativlos“.