So bereitet der Duisburger Zoo auch exotische Tiere auf den Winter vor

Die Erdmännchen haben einen neuen Wärmestrahler bekommen. So bleibt ihr Gehege auch bei Minusgraden kuschelig warm.
Die Erdmännchen haben einen neuen Wärmestrahler bekommen. So bleibt ihr Gehege auch bei Minusgraden kuschelig warm.
Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPo
Knapp 300 Tierarten leben derzeit im Duisburger Zoo. Doch nicht alle vertragen den kalten Winter. Damit es den Tieren auch bei Minusgraden an nichts fehlt, hat der Zoo einige Gehege neu isolieren lassen. Am wenigsten Probleme bereiten die Schildkröten: Sie verbringen den Winter im Kühlschrank.

Duisburg. Ein dickes Fell haben sie fast alle, die über 2000 Tiere im Duisburger Zoo. Doch für einige der 300 Arten sind die winterlichen Temperaturen in Deutschland eine echte Herausforderung, kommen durchgehende Minusgrade in ihrer ursprünglichen Heimat doch nur selten vor. Damit es die Zoobewohner nicht fröstelt, bereiten die Tierpfleger am Kaiserberg Gehege und Stallungen für den Winter vor.

Und manch ein Tierchen findet sich wenig später in einem Getränkekühlschrank wieder. Flusspferde aus Afrika, Lemuren von der Insel Madagaskar oder Echsen aus Amerika: Exotischen Tiere müssten vor der Duisburger Kälte doch das Bibbern bekommen? Weit gefehlt, erklärt Volker Grün, Kurator des Zoo an der Mülheimer Straße: „Es ist ein Irrglaube, dass in der Savanne oder in den Tropen niemals kalte Temperaturen herrschen. Minusgrade in der Nacht sind keine Seltenheit. Außerdem gibt es auch dort Jahreszeiten.“ Und somit auch einen Winter.

Zoo investiert in neue Isolierung

Nichtsdestotrotz hat der Zoo einiges an Geld investiert, um den Tieren ein wärmeres Winterquartier zu ermöglichen. Und gleichzeitig die eigenen Energiekosten zu senken. So sparen die neuen Isolierungen im Aquarium, dem ältesten Gebäude des Zoos, jährlich einen fünfstelligen Eurobetrag. „Generell kann man sagen, dass sich die Investitionen bereits nach ein bis zwei Jahre wieder rentiert haben“, weiß Grün.

Doch nicht nur die Amazonasdelfine können sich so über milde Jahresdurchschnittstemperatur freuen. Auch das Gehege der Lemuren etwa wurde erst kürzlich mit Styroporplatten isoliert, weniger als 18 Grad warm wird es in den Glaskästen auf ihrer Insel nicht. Auch Tieren, die nur ein Außengehege ihr eigen nennen können, hilft der Zoo bei der Überwinterung. Den Flamingos etwa. Horrorszenarien, dass diese bei anhaltenden Bodenfrost in ihrem See festfrieren, kann Grün direkt ins Reich der Fabeln schieben: „Ein Teichsprudler sorgt für eine stetige Wasserzirkulation. Dadurch gefrieren die Teichanlagen auch bei Minusgraden nicht.“ Der Trick: Das warme Wasser am Boden wird mit dem kalten an der Oberfläche ausgetauscht, eine Eisschicht kann nicht entstehen.

Erdmännchen bekommen neuen Wärmestrahler

Auch die Erdmännchen haben im Zoo lediglich ihr Höhlensystem. Da sie dennoch auch den Winter lieber an der frischen Luft verbringen, hat der Zoo den kleinen Burschen einen neuen Wärmestrahler spendiert. So können sie selbst bei knackiger Kälte gemütliche Stunden verbringen.

Ein warmes Dach über dem Kopf heißt für die Tiere jedoch nicht, dass sie sich über den Winter sprichwörtlich „einigeln“. Grün: „Die Tiere können jederzeit raus. Wir sperren die Außenbereiche nicht ab.“ Und nutzen diese gerne für einen „Winterspaziergang“. „Wichtig ist nur, dass sie nicht durchfrieren, sie mit einem nassen Fell die ganze Zeit draußen stehen müssen“, erklärt der Biologe. Denn dann sind auch die Tiere nicht von Krankheiten befreit. Dennoch kommt es schon einmal vor, das sich die Zoobewohner einen Schnupfen holen. Dann hilft, was auch beim Menschen helfen kann: Eine Kräutermischung etwa macht Affen schnell wieder munter.

Im Winter gilt Alarmbereitschaft

Während des Winters ist der Zoo generell in erhöhter Alarmbereitschaft. Wenn starke Schneefälle angekündigt sind, oder wie vor kurzem erst, ein heftiger Sturm über Duisburg wütet, werden die Tiere von den Tierpflegern in ihre Käfige gelockt. Beruhigt sich die Lage, dürfen die Tiere wieder raus. Dann ist es auch kein ungewöhnliches Bild, wenn ein Giraffe plötzlich vergnügt durch den Schnee stampft. „Das tut ihnen nichts. Nur ihre Rampe befreien wir vom Eis.“

Elefanten gelten altbekannt als Dickhäuter. Dass sie aber auch ein dünnes Fell haben können, zeigt Tierpfleger Philipp Goralski. Elefanten-Dame Daisy nämlich bekommt im Winter zweimal die Woche ein Winter-Kur-Programm. „Die sehr dünnen Hautstellen des Elefanten, etwa an den Augen oder an den Ohren werden dann mit Vaseline eingecremt“, erklärt Goralski. Und auch eine Pediküre ist mit im Programm: Huföl, eigentlich aus dem Pferdesport, verhindert Risse an den großen Pranken.

Schildkröten schlafen im Kühlschrank

Der Winter spielt ebenfalls eine große Rolle, wenn der Zoo neue Tiere anschaffen möchte. Dann nämlich wird doppelt überlegt, wie verträglich das Klima für den neuen Zoobewohner ist. „Wir standen vor kurzem vor der Wahl zwischen einer Bärenart aus den Tropen oder einem Schwarzbären.“ Entschieden hat sich der Zoo für den Schwarzbären, stammt er doch aus einer Klima-Region in den USA, die unserer sehr ähnlich ist.

Gar nicht exotisch sind hingegen die griechischen Landschildkröten in ihrem Außengehege. Dennoch benötigen sie eine intensive Wintervorbereitung. Die Reptilien nämlich halten einen Winterschlaf. „Da es wechselwarme Tiere sind, ihre Körpertemperatur sich also der Umgebung anpasst, merken wir, wie die Schildkröten schon seit einiger Zeit immer träger werden“, erklärt Volker Grün. Momentan sammeln er und Tierpfleger Maik Peschke die letzten der draußen krabbelnden Exemplare ein. Peschke hat zuvor eine Plastikbox mit Stroh und Gras präpariert.

So geht es nun in den großen Getränkekühlschrank im Aquarienhaus: ihr Schlafgemach für die kommenden fünf Monate. „Fünf Kühlschränke haben wir gespendet bekommen. Sie sind besser als Kühlräume. Denn sie ermöglichen, dass die Tiere bei einer Temperatur von konstant sechs Grad überwintern können“, verrät Grün. Um an den ersten warmen Tagen im April wieder geweckt zu werden.

 
 

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