Sirenenwarnung nach Brand in Duisburg nicht überall zu hören

Annette Kalscheur
500 Meter hoch stieg die Rauchsäule beim Großbrand in Duisburg.
500 Meter hoch stieg die Rauchsäule beim Großbrand in Duisburg.
Foto: Stephan Eickershoff
Der Großbrand bei Huntsman in Duisburg hat in den sozialen Netzwerken für Aufregung gesorgt. Nicht jeder hatte den Alarm per Sirene gehört.

Duisburg. Der Brand bei Huntsman in Duisburg-Homberg am frühen Montag Morgen hat für viel Aufregung gesorgt. Die Stadt hatte schnell einen Krisenstab eingerichtet, der die weiteren Entscheidungen treffen sollte. An dessen Arbeit kam aber schon am Montag Kritik auf.

Warum etwa die Sirenen erst so spät Alarm gaben, als Online-Medien und Radiosender längst berichteten, wurde in den sozialen Netzwerken gefragt. Gegen 4.50 Uhr wurde das Feuer gemeldet, die Sirenen alarmierten gegen 6.40 Uhr mit dem an- und abschwellenden Heulton. Sicherheitsdezernentin Daniela Lesmeister ärgert der Vorwurf.

"Ein zeitlicher Verzug ist logisch", sagt Lesmeister. Schließlich sei zunächst die Werksfeuerwehr am Einsatzort gewesen, die habe dann die Berufsfeuerwehr alarmiert. Parallel zu den Löscharbeiten habe man die Rauchwolke beobachtet, die erst eine ganze Weile 500 Meter gerade in die Luft gegangen sei. Erst als die Wolke um fast 90 Grad abknickte und klar war, wohin der Wind sie weht, habe man mit den Sirenen die betroffenen Menschen in den Bezirken Stadtmitte und Duisburg West alarmiert. "Ich kann ja schlecht pauschal in alle Richtungen in allen Städten warnen", erklärt Lesmeister.

Mitarbeiter aus vielen Ämtern im Krisenstab

Der Krisenstab sei seit 7.20 Uhr an der Arbeit gewesen. Rund 20 Mitarbeiter aus Feuerwehr, Umweltamt, Gesundheitsamt, Schulamt, Jugendamt und Pressestelle seien darin vertreten. Ein Polizeihubschrauber habe Messungen in der Luft vorgenommen, um weitere Entscheidungen treffen zu können. "Wir mussten wissen, welche Stoffe freigesetzt worden sind", so Lesmeister. Fraglich war etwa, ob die umliegenden Schulen geschlossen oder weitere Menschen aus ihren Häusern evakuiert werden müssen. Mussten sie nicht.

Auch die Entwarnung sorgte für Verwirrung. Huntsman hatte das Ende des Feuers verkündet, woraus manche gleich eine Entwarnung machten. Zu dem Zeitpunkt habe aber noch kein Messergebnis vorgelegen. Die "echte" Entwarnung per Sirene mit einem lauten Dauerton kam gegen 9 Uhr. Die dazu gehörende Pressemitteilung war bereits eine halbe Stunde früher in den Redaktionen angekommen. Warum das sol lange dauert vom Beschluss bis zur Ausführung? Technische Gründe nennt die Pressestelle.

Um seine Arbeit weiter zu verbessern, will sich der Krisenstab jetzt zeitnah auch mit Medienvertretern zusammensetzen. Insgesamt ist Lesmeister aber zufrieden: "Der Krisenstab hat unter Hochdruck ganz schnell gearbeitet!"

Viele Kommentare auf Facebook

Auf Facebook hielten sich die Kommentare von dankbaren Menschen, die sich durch Sirenen und Medien gut informiert fühlen und jenen, die nichts gehört haben, die Waage. "Sind wirklich arg leise, die Sirenen" beklagt sich eine Facebook-Kommentatorin. Eine andere staunt, dass sie es bis Oberhausen, Stadtgrenze Essen hören konnte. Leser in Homberg, Beeckerwerth, Marxloh hörten nichts, andere hörten die Sirenen sogar in Neumühl und Hamborn, obwohl in dem Bereich gar nicht mehr alarmiert wurde.

Daniela Lesmeister sagt dazu, dass die Sirenen funktioniert haben. Aber wer Radio oder Fernseher laufen lässt, "der hört sie nicht unbedingt."