Sinteranlage gesprengt - 5000 Tonnen Stahl zu Fall gebracht

Zlatan Alihodzic
Mehr als 30 Jahre nach der Stilllegung des Hüttenwerks wurde jetzt die Sinteranlage gesprengt.
Mehr als 30 Jahre nach der Stilllegung des Hüttenwerks wurde jetzt die Sinteranlage gesprengt.
Foto: FUNKE Foto Services
Die alte Sinteranlage der 1983 stillgelegten Hüttenwerke Ruhrort in Duisburg-Meiderich wurde gesprengt. Nach Plänen des Landes NRW könnte das Gelände dem Landschaftspark zugeschlagen werden.

Duisburg. Wenn Martin Hopfe ins Ruhrgebiet kommt, dann knallt’s: Den riesigen Wohnkomplex Goliath in Marl, den Kraftwerksschornstein in Castrop-Rauxel, das Volkswohl-Hochhaus in Dortmund hat der Sprengmeister aus Thüringen schon umgelegt. Am Freitag war die alte Sinteranlage in Meiderich an der Reihe.

Vier Tage lang bereitete Hopfe mit seinen Kollegen der Thüringer Sprenggesellschaft den Abbruch des 50 Meter hohen Gebäudes vor. Rund 27 Kilogramm Sprengstoff wurden in Form von 80 Schneidladungen an den Trägern der Sinteranlage angebracht. „Stahlsprengung ist immer eine Besonderheit“, erklärte Hopfe, da man aus dem Metall einen Keil heraussprengen müsse, um das Gebäude kippen und einstürzen zu lassen.

Gegen 13.50 Uhr gab Hopfe das erste Sprengsignal – das allerdings nur der Hinweis an die Absperrposten war, das Gelände nun endgültig abzuriegeln. Um 14 Uhr nahm er das Funkgerät in die Hand, zählte „drei, zwei, eins“, und dann erschütterte innerhalb kürzester Zeit eine Kette von Explosionen das Gelände des alten Thyssen-Werks an der Helmholtzstraße. Das Dach schlug Wellen, die Backsteinfassade platzte weg und die Sinteranlage wurde zu Schutt. „Achtung, Staubwolke“, sagte Hopfe noch ins Funkgerät und die Abbrucharbeiter und ihre Bagger, die Mitarbeiter des Ordnungsamts, die Fotografen und Kamerateams verschwanden binnen Sekunden im rotbraunen Nebel. Mit dem Hupen des dritten Sprengsignals wurden die Absperrungen aufgehoben, das Gebäude war verschwunden.

Jede Sprengung ist anders

Keine zwei Minuten später stand Martin Hopfe mit einer Bratwurst in der Hand neben einem Elektrogrill in einem der Container. Seine Anspannung war verschwunden. „Es ist jedes Mal eine hohe Verantwortung, und jede Sprengung ist anders“, sagte Hopfe, auch nach mehr als 30 Jahren Berufserfahrung.

Dabei sollte die 50 Meter hohe Sinteranlage für die Mitarbeiter der Thüringer Sprenggesellschaft keine große Sache gewesen sein. In etwa einem Jahr sollen sie einen Auftrag in Köln erledigen. Dort steht das 138 Meter hohe Funkhaus am Raderberggürtel – noch. Ein so hohes Gebäude wurde bisher auf der ganzen Welt noch nicht gesprengt. Doch wenn die Thüringer kommen, dann knallt’s auch dort.

Wie es auf dem Gelände zwischen Meiderich und Beeck weitergeht 

Nach der Sprengung der Sinteranlage beginnt auf dem alten Thyssen-Gelände das große Aufräumen. Bis zu 5000 Tonnen Stahl sollen hinter der Backsteinfassade des Gebäudes gesteckt haben, nun liegt alles durcheinander auf einem Haufen. Das Metall soll verkauft werden, um die weiteren Arbeiten auf der Fläche zu finanzieren, beispielsweise die Sprengung des Hochofens, der sich noch in den Himmel reckt.

Finanzierung wackelt

„Im Augenblick stellt sich das aber nicht so dar“, erklärt Peter Kramer von der landeseigenen Entwicklungsgesellschaft NRW Urban. Die frühere Kalkulation wird wohl nicht aufgehen, das macht die Planungen für die Zukunft des Geländes schwierig. Das Areal wurde vom Grundstücksfonds NRW erworben, der auf alten Industriebrachen Nutzungen für Gewerbe, Wohnen, Freizeit oder Dienstleistung entstehen lassen möchte. Irgendwann sollen die rund 30 Hektar zwischen Beeck und Meiderich dem Landschaftspark zugeschlagen werden, doch Kramer möchte sich noch nicht einmal darauf festlegen, in welchem Jahrzehnt das geschehen könnte. „Es gibt keinen genauen Fahrplan.“

Zunächst werden die endgültigen Kosten des Abbruchs der Sinteranlage abgewartet, dann könne man über weitere Schritte sprechen. Thyssen-Krupp wird wohl noch alte Erzbunker auf dem Gelände verfüllen und renaturieren, doch auch dafür müssten noch ein Gutachten eingeholt und ein Bauantrag gestellt werden, erklärt Kramer. „Ob da noch Schwierigkeiten auftauchen werden, die die ganze Geschichte vielleicht verhindern, das ist noch nicht ausgemacht.“

Auch über eine Zwischennutzung der Fläche denken die Entwickler nach, beispielsweise könnten dort Photovoltaik-Anlagen aufgestellt werden. Doch auch das sei nur eine Überlegung und weder beschlossen noch finanziert, betont Kramer. Auf die Stadt- und Quartiersentwickler wartet noch eine Menge Arbeit.