Sikh-Tempelbomber sollen sich in Duisburg radikalisiert haben

Linda Schreiber und Daniel Cnotka
Das Bild aus einer Evag-Kamera zeigt die beiden Tatverdächtigen in der U-Bahn.
Das Bild aus einer Evag-Kamera zeigt die beiden Tatverdächtigen in der U-Bahn.
Foto: dpa
Vor dem Anschlag auf den Essener Sikh-Tempel sollen die Tatverdächtigen Yussuf T. und Mohammed B. regelmäßig einen radikalen Imam in einem Duisburger Reisebüro besucht haben.

Duisburg. Im Fall der mutmaßlichen Bomben-Attentäter Yussuf T. und Mohammed B. (16), die am Nachmittag des 16. April den Sprengstoff-Anschlag auf den Essener Sikh-Tempel begangen haben sollen, führt eine Spur nach Duisburg. Wie der WDR in der Sendung Westpol vom 1. Mai mit Bezug auf Ermittlerangaben berichtet, seien die beiden Jugendlichen aus Gelsenkirchen und Essen oft zum Beten in ein Reisebüro in Rheinhausen gegangen. Dort hätten sie sich radikalisiert. Reisebüro-Inhaber Hasan Celenk stehe laut Polizei in Verdacht, ein selbsternannter Imam mit guten Kontakten in die salafistische Szene bis nach Syrien zu sein. Er werde seit Monaten beobachtet.

Gegenüber den Fernsehreportern gibt er an, weder Yussuf T. noch Mohammed B. zu kennen - zu viele Menschen gingen bei ihm ein und aus. Auf nur so viel lässt er sich im Interview ein: "Ich unterrichte Arabisch und lese mit den Jungs den Koran. Mehr nicht."

Auf Nachfrage unserer Redaktion wiederholt Celenk am Montag, er kenne die beiden Jungs nicht. Seit dem 23. April, nachdem Polizeibeamte bei ihm waren und ihn ermahnten, nicht mehr zu unterrichten, habe er die Arabischstunden eingestellt. Gefragt, wie die Polizei auf ihn gekommen sei, erzählt Celenk, eine - ihm nicht bekannte - Mutter habe ihn wegen des negativen Einflusses auf ihren Sohn anzeigt.

Die Duisburger Polizei bestätigt auf Nachfrage, dass der Staatsschutz das Reisebüro von Hasan Celenk beobachtet. "Wir haben das Büro seit längerer Zeit im Blick und dort auch schon öfter Gefährderansprachen durchgeführt", sagt eine Sprecherin. Warum und seit wann Celenk im Visier der Beamten ist, könne sie aber aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Auch die Essener Polizei betont am Montag, man werde sich nicht zu dem Fall äußern, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

"Klare Bezüge zur Terrorszene"

Schon kurz nach dem Anschlag auf den Sikh-Tempel gab Essens Polizeipräsident Frank Richter in einer gemeinsamen Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft an, Yussuf T. und Mohammed B. seien schon länger polizeibekannt und eingebunden in die salafistisch-dschihadistische Szene an Rhein und Ruhr. Es gebe "klare Bezüge zur Terrorszene".

Trotzdem sind die 16-Jährigen anscheinend durchs Präventionsnetz gerutscht: Wie sich im weiteren Verlauf der Ermittlungen herausstellte, wurde Yussuf T. schon seit 2014 im Präventionsprogramm „Wegweiser“ des Landes gegen gewaltbereiten Salafismus betreut. Weil er sich offensichtlich radikalisiert hatte und immer wieder mit verherrlichenden Bemerkungen über den Islamischen Staat (IS) auffiel, hatte sich die Leitung seiner Gelsenkirchener Realschule an den NRW-Verfassungsschutz gewandt. (we)