Sie haben das Herz auf dem rechten Fleck

Die Geschwister Meryem (16) und Mikail Sünger (9) leiden unter dem seltenen Kartagener Syndrom, bei dem die Organe spiegelverkehrt angeordnet sind. Dr. Peter Seiffert, Chefarzt der Kinderklinik im St. Johannes Hospital, behandelt die Geschwister seit Jahren. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Die Geschwister Meryem (16) und Mikail Sünger (9) leiden unter dem seltenen Kartagener Syndrom, bei dem die Organe spiegelverkehrt angeordnet sind. Dr. Peter Seiffert, Chefarzt der Kinderklinik im St. Johannes Hospital, behandelt die Geschwister seit Jahren. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
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Meryem und Mikail Sünger haben eine seltene Krankheit: das Kartagener Syndrom. All ihre Organe sind spiegelverkehrt im Körper. Der 29. Februar ist der Tag der seltenen Krankheiten.

Duisburg. Der 29. Februar ist ein seltener Tag. Grund genug, dann auch den Tag der seltenen Krankheiten zu begehen. Meryem (16) und Mikail (9) Sünger sind ganz besondere Kinder. Ihr Herz schlägt auf dem rechten Fleck. Und das auch im Wortsinne - alle inneren Organe sind seitenverkehrt. Hinzu kommt eine Primäre Ciliäre Dyskinesie, also eine angeborene Beweglichkeitsschwäche der Flimmerhärchen. Sie haben eine reinigende Funktion in den Atemwegen, transportieren etwa Schleim in Gehörgängen, Nasennebenhöhlen und Bronchien ab.

Bei Meryem und Mikail passiert das nicht. Sie werden lebenslang inhalieren müssen, brauchen regelmäßig Physiotherapie, um sich durch bestimmte Bewegungen gepaart mit Atemtechniken vom Schleim zu befreien. Mikail stellt sich zusätzlich gern aufs Trampolin, Meryem tanzt daheim, um sich fit zu halten. Und Mama Gülnur Sünger beherrscht inzwischen einige Klopftechniken, um das Abhusten zu erleichtern.

"Es gibt schlimmeres"

Für die 16-Jährige Meryem ist das alles aber nicht der Rede wert. „Es gibt schlimmeres“, glaubt sie und rät Betroffenen, „sich nicht von der Krankheit fertig machen zu lassen“. Mikail ist schon das Interview über seine Krankheit zu lästig, es hält ihn vom Spielen ab. Das Inhalieren macht er mit traumwandlerischer Sicherheit. Die Sorgen seiner Eltern sind für ihn weit weg.

Gülnur Sünger ist an der Krankheit ihrer Kinder gewachsen, „anfangs war ich schon verzweifelt“, beschreibt sie die Suche nach der richtigen Diagnose, die erst 2007 gestellt wurde. Bis dahin war Tochter Meryem dauerkrank, von Lungenentzündung und Bronchitis geplagt, Mandeln raus, Polypen raus, Paukenröhrchen ins Trommelfell - nichts half. Erst ein Geistesblitz des Kinderarztes und der Verweis an die Helios-Klinik St. Johannes in Hamborn brachte die Erkenntnis.

Väterliches Verhältnis zum behandelnden Arzt

Heute pflegen die Geschwister ein fast väterliches Verhältnis zu ihrem behandelnden Arzt, Dr. Peter Seiffert. Er hat sich zum Spezialisten in Sachen Kartagener-Syndrom entwickelt, begleitet die beiden engmaschig. Alle drei Monate untersucht er die Bakterienbelastung in ihrem Sekret. Danach richtet sich dann im Ernstfall die Gabe des jeweiligen Antibiotikums, erklärt Seiffert, der so die Bildung von Resistenzen verhindern hilft. Impfungen gegen Lungenentzündungen, gesunde Ernährung und die konsequente Behandlung tun ein übriges. „Die Familie macht das wirklich gut“, lobt der Experte.

Heute merkt man Meryem und Mikail nichts an, abgesehen von der häufig nasalen Stimme. Verzichten werden sie in ihrem Leben nur aufs Tauchen. Macht nichts. Sie stehen ohnehin mehr auf Leichtathletik, Fußball und Kampfkunst.

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