Seniorenbeirat fordert Aufklärung zum Umgang mit Bäumen

Stefan Endell
Durchforstung am Donnerstag, 20.09.2012 in Herten. Der Schlosspark wird zur Zeit auf einer Fläche 20 Hektar durchforstet um Platz für einen der Region entsprechenden gemischten Laubwald zu machen. Joachim Kleine-Büning/WAZ FotoPool
Durchforstung am Donnerstag, 20.09.2012 in Herten. Der Schlosspark wird zur Zeit auf einer Fläche 20 Hektar durchforstet um Platz für einen der Region entsprechenden gemischten Laubwald zu machen. Joachim Kleine-Büning/WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
  • Erstmals haben die CDU-Senioren im Seniorenbeirat Stellung zum Umgang mit Bäumen bezogen
  • Sie sprechen sich in einem Initiativpapier gegen das Abholzen von gesunden Straßenbäumen in Duisburg aus
  • Verwaltung soll in der nächsten Sitzung Stellung beziehen und ein Gesamtkonzept vorlegen

Duisburg. Straßenbau gegen Straßenbaum? Nach dem zornigen Alarmruf der Mitglieder des Beirates der Unteren Landschaftsbehörde (ULB) in der vergangenen Woche hat sich erstmals auch die CDU im Seniorenbeirat gegen das Abholzen von gesunden Straßenbäumen und Alleen in dieser Stadt ausgesprochen. Dies, so kann man in einem Initiativpapier der CDU-Senioren an die Verwaltung nachlesen, sei „insbesondere im Zeichen des Klimawandels eine für Duisburg schädliche Aktion“. Beiratsmitglied Brigitte Parlo, lange Zeit aktives Mitglied der CDU-Ratsfraktion, und seit ein paar Jahren nur noch in der Senioren-Union der Duisburger Christdemokraten unterwegs, forderte in der ersten Sitzung des Seniorenbeirat nach der Sommerpause am Freitag die Verwaltung schriftlich auf, zur Sache Baumfällung von Straßen- und Alleebäumen („Abholzaktionen gesunder Bäume“) im kommenden Seniorenbeirat Anfang Oktober Stellung zu beziehen.

Diese Initiative des ehemaligen CDU-Ratsmitgliedes ist politisch bemerkenswert. Haben sich doch CDU und SPD hinter verschlossenen Türen längst darauf verständigt, das Thema privater und öffentlicher Baumschutz in dieser Stadt deutlich robuster als bisher anzugehen.

Die erste sichtbare Konsequenz: Zur großen Überraschung der Öffentlichkeit hatte zum Jahreswechsel 2015/16 eine schwarz-rote Mehrheit im Rat die Jahrzehnte gültige Baumschutz-Satzung der Stadt außer Kraft gesetzt. Seitdem hat nach Beobachtung von Naturschutz-Organisationen in Duisburg ein massives Abholzen ohnegleichen von privaten Gartenbäumen begonnen.

Preiswertes Miniatur-Grün

Aber auch im Umgang mit öffentlichem Grün, Straßen- und Alleebäumen haben sich offenbar die beiden großen Parteien im Rat auf eine neue harte Gangart verständigt. Die große Sorge der Senioren und der Naturschützer: Da derzeit finanzschwache Kommunen über erhebliche Millionen-Zuwendungen aus Berlin für die Erneuerung von maroder Infrastruktur (u.a. Straßen) verfügen, will man offensichtlich in Duisburg die Gunst der Stunde nutzen, um nicht nur marode Straßen, Fahrradwege und Kanalanschlüsse zu erneuern, sondern zugleich alte, in der Pflege zu teuer geratene Straßen- und Alleebäume durch preiswertes Miniatur-Grün zu ersetzen.

Da bislang aber SPD wie CDU es auffallend deutlich vermieden haben, sich zu dieser Fragestellung öffentlich zu positionieren, haben in dieser Woche erstmals die politisch unabhängigen Beiräte (die Senioren-Union im Seniorenbeirat und der Beirat ULB) des Rates von der Verwaltung Aufklärung in dieser Sache eingefordert.

Der Beirat der ULB hatte bereits am vergangenen Montag die Planungsverwaltung der Stadt aufgefordert, in der kommenden Sitzung dem Beirat „endlich dazu ein Gesamtkonzept vorzulegen und reinen Wein in Sachen „Alleen in Duisburg einzuschenken,“ statt immer mit angeblichen Einzelmaßnahmen anzukommen.

Und dass die wackere CDU-Seniorin Parlo mit ihrer Initiative im Seniorenbeirat offenbar einen Nerv in der CDU-Fraktion getroffen hat, lässt sich an der Reaktion auf ihre ehemaliges Mitglied ablesen. Parlo: „Die haben mir ganz schön zugesetzt, dass ich das lassen soll, mit den Bäumen. Aber ich bin ein freier Mensch und ich sage, was nützen uns schöne, neue Straßen und tolle Fahrradwege für unsere Kinder, wenn denen dann die Luft zum Atmen fehlt, weil in Duisburg die großen Bäume abgeholzt wurden?“