Seltsame Blüten im Kunstverein

Hinter der Brücke zwischen der Innenstadt und Kaßlerfeld geht es in das unscheinbare Gebäude des Kunstvereins, durch das schneeweiße Treppenhaus in die erste Etage und hinter der zweiten Tür rechts warten sie, überraschen den Betrachter an dieser Stelle und lassen es im Kopf rattern, doch es macht nicht Klick. „Es sind Stalaktiten, dann aber wieder nicht“, sagt Jáchym Fleig. Was die „Gipsdinger“, wie der Künstler die Teile der Deckeninstallation selbst nennt, tatsächlich sind, müssen die Besucher der Ausstellung „Ausblühen“ selbst herausfinden. Dass sie kaum zu einer Lösung kommen werden, macht die Schau so leicht.

Seine „Gipsdinger“ funktionieren nur im Kontext der Räumlichkeit, erzählt Fleig. Die ist recht groß und geht ums Eck, Wände und Decken sind weiß, die Farbe des Parkettbodens findet sich in den Skulpturen wieder – es ist der hellbraune Sand, in dem sie entstanden sind. Fleig hat Gips in Formen gedrückt, die Materialien verbanden sich und der Sand überdeckt das Weiß des Werkstoffs. „Die Skulptur ist aber nicht das materiell Entstandene, sondern die Interaktion der Betrachter, die Wahrnehmung und Assoziation. Dieser „Schwebezustand von visueller Erfahrung“ und das „Ergehen“ der Körper im Raum – in den sie sich penetrant dränge – mache schließlich die Skulptur aus.

„Ausblühen“ ist der Titel der Ausstellung. Ausblühungen entstehen auf Beton durch einen chemischen Prozess, sie beschädigen Gebäude. Jáchym Fleig hat mit zwei Assistenten mehr als 200 dieser seltsamen Blüten in drei Inseln angeschraubt. Gleich am Eingang hängen sie von der Decke, dann noch in den hinteren Ecken. Sie verunsichern den Betrachter, sind in den Gruppen aber weit genug voneinander entfernt, um Leichtigkeit vorzuspielen. Auch diese Zwischenräume sind es, die die Skulpturen entstehen lassen.

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