Seit Turbo-Abi dauern Schultage in Duisburg bis zu zehn Stunden

Annette Kalscheur/ Stephanie Jung
Passen Stundenpläne noch  auf eine Seite? Foto: Michael Gottschalk/ddp
Passen Stundenpläne noch auf eine Seite? Foto: Michael Gottschalk/ddp
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Das G8-Abi sorgt seit seiner Einführung durch die alte Landesregierung für Zündstoff. In Duisburg klagen viele Schüler über Stress und deutlich längere Schultage. Teilweise belegen die angehenden Abiturienten aber auch freiwillig zusätzliche Kurse.

Duisburg. 17.40 Uhr. Die Schule ist aus. Seit 8 Uhr reiht sich Fach an Freistunde an Kurs an Mittagspause. Seit der Einführung des "Turbo-Abiturs" drücken Schüler immer länger die Schulbank. Am Steinbart-Gymnasium ist Nachmittagsunterricht in der Sekundarstufe I rar, in der Sek II üblich. Selbst der Chemie-Leistungskurs findet dann statt, Japanisch und Englisch ebenso, beschreibt Michael Euteneuer, der stellvertretende Schulleiter. Vieles sei dem verkürzten Abitur G8 geschuldet, vieles aber auch den Schülerwünschen, die freiwillig zusätzliche Kurse belegen.

Steinbart beschreitet mit seiner 70-Minuten-Taktung statt der üblichen 45-Minuten einen ungewöhnlichen Weg. „Das entzerrt den Vormittag und erhöht die individuelle Förderung“, sagt Euteneuer. Die Schulkonferenz trägt das System überzeugt mit. Ab Januar 2012 gibt’s auch eine Mensa zum Ganztag.

Los geht's zwischen 7.30 Uhr und 8.30 Uhr

Schulgesetzlich sind dem Unterricht keine Grenzen gesetzt, sagt Nina Heil vom NRW-Schulministerium. Los geht’s zwischen 7.30 und 8.30 Uhr, je nach Gegebenheit vor Ort – etwa Buspendelverkehr oder mehreren Schulen nebeneinander, die versetzt beginnen. Ansonsten sei es die „ureigene Aufgabe der Schulen, sich selbst zu organisieren“ und das in der Schulkonferenz zu beschließen.

Jessica Lipinski geht in die 10. Klasse des Steinbart-Gymnasiums. Für die 15-Jährige ist „G8 sehr stressig, da viel Stoff auf einmal drankommt. Man hat öfters lang Schule. Ich würde lieber neun Jahre zum Gymnasium gehen.“ Ihr Schülersprecher Lucas Möller sagt, dass laut Umfrage die Schülerschaft gespalten sei. Manchen seien die Einheiten zu lang, andere würden gewonnene Freistunden nutzen, heimfahren, Hausaufgaben machen. Er selbst „findet’s okay“.

Bei Julia Ellwart vom Mannesmann-Gymnasium endet der Schultag trotz G8 um 13.20 Uhr, für den Sportkurs muss die 16-Jährige jedoch alle zwei Wochen bis 17 Uhr bleiben. „Im Unterricht merkt man es nicht so, da unwichtige Themen weggelassen werden, um uns zu entlasten. Ich fühle mich nicht überfordert.“ Mehr Sorgen macht, dass mit ihr doppelt so viele Schüler Job oder Studienplatz suchen.

G9 "keine Option"

Für Schulleiterin Birgit Keens ist G9 keine Option. „Ich halte die Verkürzung grundsätzlich für richtig, auch im internationalen Vergleich.“ Aber die Umsetzung sei unglücklich: „Es geht nicht, dass von jüngeren Kindern mehr gelernt werden muss.“

Späte Sport-Kurse begründet sie mit der Turnhallenbelegung. Als große Schule könne man viele Kurse parallel laufen lassen. In Jahrgangsstufe 10 seien das für die 135 Schüler allein Donnerstags morgens sieben: Chemie, Kunst, Latein, Italienisch, Biologie und zweimal Musik.