Schwere Vorwürfe gegen Erzieher des Kinderdorfs Duisburg

Gabriele Beautemps
Ein ehemaliger Bewohner einer Wohngruppe im Kinderdorf an der Rotdornstraße in Großenbaum erhebt Vorwürfe gegen drei Erzieher.
Ein ehemaliger Bewohner einer Wohngruppe im Kinderdorf an der Rotdornstraße in Großenbaum erhebt Vorwürfe gegen drei Erzieher.
Foto: Funke Foto Services
Ehemaliger Bewohner des Kinderdorfs prangert Misshandlungen an und erstattet Anzeige. Leiterin sprach Abmahnungen aus. Es sei nichts vertuscht worden.

Duisburg. Schwere Vorwürfe gegen drei Erzieher erhebt ein ehemaliger Bewohner des Kinderdorfs Rotdornstraße in Großenbaum. Sven P. (Name geändert) berichtet im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er jahrelang drangsaliert wurde. „Ich wurde in Klamotten unter die kalte Dusche gestellt und musste auf dem Boden schlafen“, sagt er. Der mittlerweile 18-Jährige hat am Dienstag Anzeige erstattet.

Sven hatte im vergangenen Jahr Ingrid Lauterborn-Astrath, die Leiterin der Einrichtung, über die Geschehnisse informiert. Daraufhin wurden zwei Mitarbeiter abgemahnt. „Es ging nicht um körperliche Übergriffe, sondern um nicht mit der Einrichtungsleitung abgesprochene Disziplinarmaßnahmen wie Gartenarbeit“, so die Leiterin des Kinderdorfs. Auch der Landschaftsverband Rheinland als Heimaufsicht habe weitere Maßnahmen nicht für erforderlich gehalten.

„Ich möchte, dass die Erzieher zur Verantwortung gezogen werden"

Doch damit ist für Sven die Sache nicht erledigt. „Ich möchte, dass die Erzieher zur Verantwortung gezogen werden und die Dinge öffentlich werden, auch zum Schutz künftiger Bewohner“, sagt er.

Die Vorfälle sollen sich im Zeitraum von 2004 bis 2007 ereignet haben. „Ich hatte jahrelang nicht den Mut, darüber zu sprechen. Doch ich habe gemerkt, dass es schlecht ist, wenn man alles in sich hinein frisst“. Sven wandte sich an Bezirksbürgermeister Volker Haasper, den er aus seiner Mitarbeit in der SPD kennt.

Der Sozialpädagoge Haasper hält die Vorwürfe für glaubwürdig. Als Konsequenz lässt der Politiker seine Mitgliedschaft im Förderverein des Kinderdorfs ruhen und schickt parallel einen Offenen Brief an Jugenddezernent Thomas Krützberg und Holger Pethke, den Leiter des Jugendamtes. Darin schreibt er: „Ich kann nicht mehr mit reinem Gewissen das Kinderdorf unterstützen. Die Vorkommnisse sind aus meiner Sicht dramatisch.“ Er spricht in seinem Brief von einem „Vertuschungsversuch“ seitens der Kinderdorf-Leitung, den diese strikt zurückweist.

Erzieher habe sich auf Jungen gesetzt

Sven lebte mit sieben anderen Kindern in einer Wohngruppe, die von drei Erziehern betreut wurde. Besonders er und ein weiterer Junge bekamen nach seinen Worten die Repressalien zu spüren. Manchmal habe sich ein Erzieher auf einen der Jungen gesetzt, um ihn zu bändigen. „Und wenn wir nicht gehorcht haben, bekamen wir nur Brot zu essen“, erzählt der junge Mann. Ingrid Lauterborn-Astrath weist diese Vorwürfe zurück.

„Die Leitung behauptet, dass sie von all dem nichts mitbekommen hat“, sagt Sven. 2008 zog er in eine Außenwohngruppe des Kinderdorfes in Marxloh. „Das ist quasi meine Familie, dort war alles gut“. Seit 2014 lebt er allein, wird aber noch vom Kinderdorf betreut.