Schüler in Duisburg machen Abschluss-Fete per Facebook zum Massenevent

Die Abschlussparty der neunten Klassen am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium könnte stärker besucht werden, als es vielen lieb ist: Sie ist eine öffentliche Facebook-Party. Die Feier ist dabei kein Einzelfall - Facebook-Aufrufe sind zum Volkssport geworden.

Duisburg. Am Mittwoch feiern die neunten Klassen am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Marxloh ihre Abschlussparty. Wie viele zu der Feier in der Schule kommen, ist noch ungewiss. 67 haben sich bisher angemeldet. Es könnten aber deutlich mehr werden. Denn die Schülerfeier ist eine öffentliche Facebook-Party. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt kostet 2,50 Euro. So steht es für jedermann sichtbar im Internet.

Nun wird die Schülerparty wohl nicht die Massen nach Marxloh locken. Aber solche Feiern über Soziale Netzwerke ins Internet zu stellen und damit womöglich die Massen zu bewegen, scheint zum neuen Volkssport der Netz-Gemeinde zu werden. In Duisburg finden sich dafür einige Beispiele.

Facebook-Partys sind einfach zu finden, vor allem seit ein 21 Jahre alter Student aus Dortmund kürzlich die Seite fbparty.de ins Netz gestellt hat. Das Programm durchforstet den Facebook-Datensatz nach öffentlichen Veranstaltungen. Und wer in Duisburg sucht, der landet eben zuerst bei der Schülerfeier in Marxloh.

Ausschreitungen und Verletzte

Seit es Mitte Juni bei einer Facebook-Party in Wuppertal mit 800 Teilnehmern zu Ausschreitungen kam und 16 Menschen verletzt wurden, folgten in den vergangenen Wochen landesweit mehrere Partys, die außer Kontrolle gerieten und große Polizeieinsätze erforderten. Wenn auch nicht in solchen Ausmaßen, beschäftigt die neue Form der Jugendkultur auch die Duisburger Polizei.

Am vergangenen Freitag war ein Flash-Mob vor dem Hundertmeister angekündigt, von der „Wiedereröffnung“ des Kulturzentrums war die Rede. „Wir sind dort vorbeigefahren, rund 40 Personen hatten sich dort friedlich versammelt. Da wäre auch ohne Polizei nichts passiert“, sagte Polizeisprecher Stefan Hausch der NRZ.

Am Samstag hatten sich rund 300 Leute am Rheinufer in Wanheim zur Facebook-Party getroffen und nach der Feier im Nieselregen auch wieder aufgeräumt und leere Bierflaschen aufgesammelt. „Für uns hatte das keine Bedeutung. Wir können auch nicht immer Gewehr bei Fuß stehen, nur weil sich irgendwo ein paar Leute friedlich treffen und ein Bier trinken“, sagt Hausch. Die Polizei werde aktiv, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung bedroht oder Gefahren abzuwehren sind. „Wenn dieses gesellschaftliche Phänomen aber zum Kult wird und solche Veranstaltung wie Pilze aus dem Boden schießen und die Sicherheit anderer bedrohen, dann wird man einschreiten müssen. Aber so weit ist es hier noch nicht“, sagt Hausch.

Seiten wie fbparty.de haben für die örtliche Polizei wenig Relevanz. „Die 1400 Mitarbeiter in der Behörde sind ja nicht nur dienstlich, sondern auch privat vernetzt. Auch dadurch ergeben sich Hinweise. Aber ohne Anlass durchforsten wir nicht das Netz“. Im Vorfeld des Loveparade-Gedenktages habe man dieses Thema aber durchaus auf dem Schirm, sagt der Polizeisprecher.

Facebook-Aufrufe zu Loveparade-Gedenktag

Zum Gedenktag gibt es jede Menge Facebook-Aufrufe. Öffentliche Veranstaltungen kann jeder Nutzer ins Netz stellen, die Einordnung fällt daher schwer. Allein zu der Gedenkfeier am Sonntag im Stadion gibt es mehrere Einträge.

Über 12 100 Zusagen zählt der „Aufruf zum Gedenken“, der explizit keine Aufforderung sein soll, nach Duisburg zu kommen. Eine Gruppe will sich um 16 Uhr am Rathaus am Burgplatz treffen und dann „als trauernde Gemeinde“ eine Kette bis zum Unglücksort bilden. „Wir hoffen, ihr werdet zahlreich erscheinen“, heißt es. Bis gestern hatten 120 Teilnehmer zugesagt.

Ein anderer Facebook-Nutzer hat aufgerufen, den gesamten Sonntag über an der Rampe an der Karl-Lehr-Straße zu trauern. Nur an der provisorischen Gedenkstätte, die von der Gruppe „Never Forget“ errichtet wurde, könne er den Toten nahe sein, schreibt er. Bislang wollen ihm 31 folgen.

Werbung und Kurioses

Unter fbparty.de finden sich für Duisburg unzählige Einträge, Clubs und Kulturbetriebe nutzen die Plattform als Werbung, aber es gibt auch allerhand Privates und Kurioses. Mehr Zulauf als die bisher vier Zusagen wird sich wohl der Opelclub für sein Treffen am Freitag unter der Brücke am Stadtpark erhoffen. Alles andere als jugendfrei ist die Einladung zu einer Produktion eines Erotikfilms in einem entsprechenden Kino in der Altstadt, für die offenbar noch Darsteller fehlen. Spitzenreiter bei den meisten angemeldeten Teilnehmern sind übrigens die „Duisburger Ramadan Wochen“ an der Merkez-Moschee in Marxloh, die mehr als 1300 Facebook-Nutzer besuchen wollen.

 
 

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