Schmöker-Schau mit Sparzwang

Pressekonferenz zur 40. Internationalen Kinderbuchausstellung IKIBU:  Foto von links: Thomas Diederichs (Vorstand Volksbank Rhein Ruhr) , Ralf Hörsgen (Geschäftsführer Bildungs Holding) , Michaela Hares (Geschäftsleitung Krankikom) , Dr. Jan - Pieter Barbian (Leiter der Stadtbibliothek Duisburg) und Jens holthoff (Programmgestalter IKIBU) Foto: Christiane Dase
Pressekonferenz zur 40. Internationalen Kinderbuchausstellung IKIBU: Foto von links: Thomas Diederichs (Vorstand Volksbank Rhein Ruhr) , Ralf Hörsgen (Geschäftsführer Bildungs Holding) , Michaela Hares (Geschäftsleitung Krankikom) , Dr. Jan - Pieter Barbian (Leiter der Stadtbibliothek Duisburg) und Jens holthoff (Programmgestalter IKIBU) Foto: Christiane Dase
Foto: WAZ FotoPool
Die Internationale Kinder- und Jugendbuchausstellung Ikibu wird 40 Jahre alt. In den Anfangsjahren schaffte sie es sogar bis in die Tagesschau. Doch für die Zukunft fehlt vor allem Geld.

Duisburg. Es ist eine Erfolgsgeschichte und zugleich ein Drama, das einst wie ein Märchen begann: Die Internationale Kinder- und Jugendbuchausstellung, kurz Ikibu, in Duisburg wird 40 Jahre alt. Im November 1971 lockte sie mehr als 80.000 Menschen in die frühere Mercatorhalle, ein Jahr später waren es bereits doppelt so viele Besucher.

Sie hörten Autoren und entdeckten Literatur aus der ganzen Welt, Neuerscheinungen oder preisgekrönte Klassiker. Wer gute Bücher suchte, der fand hier welche. Das war eine Lese- und Sprachförderung in einer Zeit, in der kaum einer diese Begriffe in den Mund nahm. „Es brachte Duisburg sogar in die Tagesschau, zur besten Sendezeit um 20 Uhr“, erinnert sich Dr. Jan-Pieter Barbian, Leiter der Duisburger Stadtbibliothek. Doch im vergangenen Jahr wussten die Veranstalter bis zuletzt nicht, ob es überhaupt noch eine Ikibu geben wird. Der Wille war da. Das Geld nicht.

200.000 DM – so groß war der Etat anfangs, davon hatte das Land 40.000 DM bezuschusst. Aber bereits Ende der 70er-Jahre war die Haushaltslage der Stadt so angespannt, dass die Ikibu das erste Mal aussetzen musste. Von da an wurde die Internationale Kinderbuchausstellung immer mehr zu einer Duisburger Veranstaltung, die heute in Schulen und Bibliotheken beheimatet ist. „Wobei es 1975 in der Stadt 39 Bibliotheken gab, heute sind es gerade mal 14“, betont Barbian.

Janosch war da

Der Sparzwang wurde größer und größer. Im vergangenen Jahr fanden nur Lesungen in Schulen statt – zu spät hatte sich die Stadt dafür entschieden. Und zum 40. Geburtstag gibt es nur deshalb eine Ikibu, weil Sponsoren – Volksbank und die in Duisburg ansässigen Internet-Agentur Krankikom – mit jeweils 5000 Euro einspringen. Heute muss die Schau mit insgesamt 31.000 Euro auskommen.

Längst geben sich nicht mehr die berühmten Autoren die Klinke in die Hand. Dabei ist die Liste großer Namen der Jugendliteraturszene lang, die einst die Ikibu bereicherten: Janosch war da. Peter Härtling las vor. Paul Maar war eingeladen, Helme Heine, Mirjam Pressler und auch Christine Nöstlinger, die erst kürzlich mit dem Corine-Preis für ihr Lebenswerk geehrt wurde.

Neue Medien

„Bei der Ikibu ging es auch immer darum, junge Menschen zu befähigen, sich eine eigene Meinung zu bilden“, sagt Barbian. Noch heute können Kinder Autoren oder Schauspielern lauschen und danach mit ihnen diskutieren. „Alle sollen daran teilnehmen können, unabhängig von Geldbeutel oder Herkunft.“Meiderich

Die Idee dazu hatte der damalige Bibliotheksdirektor Franz Rakowski, der Duisburger Buch- und Kunsthändler Kurt Selbiger und Imma Wick, die Leiterin der städtischen Kinder- und Jugendbibliothek. Bereits in den Anfangsjahren ging es ihnen jedoch nicht nur um Bücher, sie widmeten sich auch den „Neuen Medien“: Es gab Fernseh- und Videoworkshops, auch Schallplatten waren ausgestellt. 1987 wurden die ersten Computer-Bücher für Kinder gezeigt. Barbian: „Die Gefahr wird größer, dass Kinder abdriften, sich nicht konzentrieren, nicht mehr in eine Fantasiewelt eintauchen können. Daher ist der bewusste Umgang mit dem Internet und dem Fernsehen wichtig.“

Streitpunkt Hotzenplotz

Es gab auch immer wieder Diskussionen über die Kinderliteratur. So wurde bei der ersten Ikibu etwa der Räuber Hotzenplotz als „faschistoid“ eingestuft. Und der Ruf nach sozialen Themen wurde laut. Waren viele Kinder- und Jugendbücher anfangs noch brav, scheuen sie heute vor kaum einem Thema zurück, das auch die Erwachsenenwelt bewegt: Drogen- und Umweltprobleme, NS- und DDR-Diktatur, Zuwanderung und Integration. Bereits auf der zweiten Ikibu gab es den Schwerpunkt: „Literatur für Gastarbeiterkinder“. Der aus der Türkei stammende und in Duisburg lebende Autor Fakir Baykurt widmete sich Jahr für Jahr den Kindern mit ausländischer Herkunft. In diesem Jahr wird auch in der Ditib-Moschee in Marxloh gelesen.

Ob es eine Fortsetzung der Ikibu gibt? „Ohne Sponsoring wird es wohl nicht mehr gehen“, sagt Barbian. Aber es werde niemanden geben, der langfristig die ganzen Kosten übernimmt. „Wir planen mit einer neuen Ikibu“, lässt sich Barbian nicht entmutigen. „Ob sie stattfindet, steht jedoch in den Sternen.“ Beeck

 
 

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