Schimmi is her first love

Haarscharf ist Duisburg am Wochenende an einem Skandal von internationaler Bedeutung vorbei geschlittert. Nicht auszudenken, was es für das Stadtmarketing bedeutet hätte, wären in Peking, Melbourne oder New York heute Schlagzeilen erschienen wie „Queen zieht deutschen Polizisten der Geburt des eigenen Enkels vor“. Weil aber die Duchess of Cambridge, besser bekannt als Kate und Ehefrau des britischen Thronfolgers William, nicht wie zuvor ausgerechnet am 13. Juli niederkam, blieb der weltweite Schrei der Empörung aus. Stattdessen konnte die Queen ehrgebietend wie gewohnt am Samstag um Punkt 10.36 Uhr dem roten Doppeldeckerbus auf dem Portsmouthsplatz vorm Hauptbahnhof entsteigen und geleitet von Harfenklängen und Fahnenträgern einen der berühmtesten Duisburger überhaupt innig begrüßen.

Schimmi schmeckt die Wurst nicht

Denn nicht nur die Queen war der Einladung der deutsch-britischen Gesellschaft gefolgt. Auch der aus dem TV bekannte Kommissar Horst Schimanski persönlich. Doch das war längst nicht alles. Zum Ehrentag des Mimen, der „Schimmi“ verkörpert, Götz George wird am 23. Juli 75 Jahre alt, hatte es sich auch der legendäre britische Geheimagent James Bond nicht nehmen lassen anzureisen. Er war der Mann mit den vielen Gesichtern. Sah einmal aus wie Sean Connery, kurz darauf wie Roger Moore und dann wieder wie Stadt-Sprecher Frank Kopatschek.

Den ganz großen Auftritt hatte ein Mann, der bereits seit 1888 in London Angst und Schrecken verbreitet. Dafür war es der deutsch-britischen Gesellschaft um ihren Vorsitzenden Robert Tonks gelungen den Altstar der Thriller-Regisseure aus dem Ruhestand zu holen. Sir Alfred Hitchcock inszenierte seinen Klassiker Psycho auf dem Bahnhofsvorplatz neu. Hauptdarsteller: Der Ripper, eine arme, alte Frau und ein Stück Noppenfolie in der Rolle des Duschvorhangs.

Schon im vergangenen Jahr war die Queen in Duisburg zu Gast und feierte hier ihr 60-jähriges Thronjubiläum. Damals wie heute fiel ihre starke Ähnlichkeit mit dem Duisburger Bob Clark auf. Leise Zweifel an der Echtheit des royalen Besuches wollte Tonks jedoch nicht kommentieren. Stattdessen verwies er darauf, dass an diesem Tag Schimanski im Mittelpunkt stehen sollte. Doch da der Bus am Hauptbahnhof zu spät eingetroffen war, „weil hier alle anderen rechts auf der Straße gefahren sind“, wie Tonks erklärte, hatte der Kommissar erst einmal Hunger. Dann kam es doch noch zum Eklat. Zur großen Verblüffung der Verkäuferin schmeckte ihm die Currywurst nicht, und er ließ sie zurückgehen. Danach war der Tag eigentlich gelaufen. All überall machten sich - typisch britisch - Gesichter wie bei sieben Tage Regenwetter breit. Da half es auch nichts, dass Sherlock Holmes mit der Lupe und unterstützt von Miss Marple intensiv nach der guten Laune zu suchen begann. Eingerahmt von Thanner und Hänschen stieg Schimmi in den Bus. „Wir fahren jetzt zum Opernplatz“, streute der Mitreisende Arnd Baumann das Geheimnis in die Menge der verwundert zuschauenden Passanten, die stehen geblieben waren. Wobei seine Stimme ebenso wie die von Schimmi klang - und er trug sogar die selbe Jacke.

EURE FAVORITEN