Scherze und offene Fragen

An der Universität Duisburg fand eine Nacht der Wisssenschaft statt; im Kavitationstank wird die Abnutzung einer Schiffsschraube simuliert Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
An der Universität Duisburg fand eine Nacht der Wisssenschaft statt; im Kavitationstank wird die Abnutzung einer Schiffsschraube simuliert Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
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Duisburg. Rund 3500 Besucher feiern die beliebte und insgesamt sehr gelungene „Nacht der Wissenschaften“.

Professor Michael Schreckenberg (54), Professor für Physik an der Uni-Essen-Duisburg, ist nicht unumstritten, seit er wegen seines Sicherheitskonzeptes für die Love-Parade ins Schussfeld der Kritik geriet. Bei seinen beiden Auftritten im Rahmen der „Nacht der Wissenschaften“ an der Uni Essen-Duisburg ließ sich der Physikexperte freilich nichts von der jüngsten Kritik an seiner Arbeit anmerken.

Überraschend locker, ja für einen Physiker geradezu ungewöhnlich fröhlich, gerieten Schreckenbergs einstündige Vorträge über die „Zukunft der Mobilität“. Als ob das Loveparade-Desaster, nur zwei Kilometer und acht Wochen entfernt, schon Jahre her wäre...

Und auch die zahlreichen Zuhörer in den beiden voll besetzten Hörsälen an der Lothar- und an der Bismarckstraße, wo rund 3500 Besucher die beliebte und insgesamt sehr gelungene „Nacht der Wissenschaften“, feierten, konzentrierten sich voll auf das Thema.

Professor Schreckenberg mischte solide Informationen über den Verkehr im Wandel der Zeiten mit kräftigen Prisen von Humor. Er gab einerseits einen historischen Rückblick auf die Verkehrsgeschichte, die Erfindung von Rad, Auto und Autobahn, machte andererseits auch zu Absurditäten im Straßenverkehr launige Bemerkungen, besonders zum Linksverkehr in Großbritannien und anderen Ländern des Commonwealth. In diesem Zusammenhang stellte er den lachenden und applaudierenden Zuhörern eine skurrile Verkehrskreuzung in einem kleinen englischen Provinznest vor - mit einer Haupt- und sechs integrierten Nebenkreuzungen. Da blicken selbst die Briten nicht mehr durch.

Zur Zukunft der Mobilität und des Straßenverkehrs war nur soviel zu erfahren, dass Schreckenberg, der auch an der Polizeihochschule Münster-Hiltrup doziert, an das Ende aller weltweiten Erdölvorkommen in etwa vierzig Jahren glaubt, aber gleichzeitig weder an das Elektro- noch an das Wasserstoffauto. Beim Elektroauto bezweifelt der Physiker, dass die dafür notwendigen Autobatterien jemals die Kapazität erreichen, die für lange und längere Fahrten notwendig sind. Und auch die viel gepriesenen Brennstoffzellen-Autos sind noch lange nicht ausgereift, so Schreckenberg. Wo stattdessen die Alternativen für den mobilen Transport künftig liegen, wurde dagegen nicht gesagt. Einig ist sich Schreckenberg allerdings mit den meisten Experten, dass der Verkehr in der globalisierten Welt insgesamt weiter zunehmen wird.

Man hätte gerne noch mehr und Genaueres zum Thema „Mobilität der Zukunft“ erfahren. Aber offenbar war es Schreckenberg am Freitagabend mehr darum zu tun, möglichst viele junge Zuhörer mit einer dichten Folge von Scherzen für ein Physikstudium zu begeistern. Und am Ende drängte die Zeit. Der Hochschullehrer redete, klickte sich so schnell durch seinen Power-Point-Vortrag, dass viele Fragen bei den Besuchern offen blieben.

 
 

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