Schauinsland-Reisen will am Standort Duisburg weiter wachsen

Ingo Blazejewski
Gerald Kassner, Geschäftsführer von Schauinsland-Reisen.
Gerald Kassner, Geschäftsführer von Schauinsland-Reisen.
Foto: WAZ FotoPool
Deutschlands siebtgrößter Reiseveranstalter fühlt sich in Duisburg "pudelwohl", wächst rasant und will in Kürze bei den Gästezahlen die Millionen knacken. Einziger Wermutstropfen für Inhaber Gerald Kassner: Die Gewerbesteuernachforderungen des Finanzamts. Dennoch bleibt er Standorttreu - vorerst.

Duisburg. Herr Kassner, Sie nehmen am Sonntag von ProDuisburg den Kaisermünzenpreis für Ihr Unternehmen entgegen. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Gerald Kassner: Sehr viel. Unser Unternehmen war von jeher mit der Stadt verbunden, was sich auch durch das Engagement beim Zoo oder MSV zeigt. Der Preis hätte auch meinem Vater und Großvater viel bedeutet, wenn sie das noch hätten erleben können. Es ist eine große Ehre, für die Familie, für die Mitarbeiter, für das Team. Da sind wir schon ein bisschen stolz drauf. Wir fühlen uns hier am Innenhafen pudelwohl, es ist ein idealer Standort.

Es ist die erste Auszeichnung nach 96 Jahren Standorttreue. Fühlen Sie sich von Seiten der Stadt ausreichend wertgeschätzt?

Kassner: Ich würde diese Art der Wertschätzung nicht so hoch ansiedeln. Es gibt viele Unternehmen in dieser Stadt, die sich vielfältig engagieren. Allen muss man dafür ein Kompliment machen. Einer Stadt wird es schwerfallen, jemanden herauszuheben. Insofern sollten alle gleich behandelt werden.

Könnten Sie sich vorstellen, den Firmenstandort irgendwann in eine andere Stadt zu verlegen?

Kassner: Als Unternehmer würde ich niemals nie sagen. Ich muss die Rahmenfaktoren immer im Auge haben. Wenn sich diese gravierend ändern und gewaltige Sonderbelastungen entstehen, die für uns nicht nachvollziehbar sind, wird einem keine Wahl bleiben.

Sie meinen höhere Gewerbesteuern?

Kassner: Nicht alleine die erneute Erhöhung, die die Stadt zuletzt beschlossen hatte. Duisburg ist in einer schwierigen finanziellen Situation. Ich habe dafür Verständnis, auch die Unternehmen müssen einen Beitrag leisten, allerdings sehe ich auch hier eine Grenze erreicht. Eine katastrophale Belastung stellen Gewerbesteuernachforderungen seitens des Finanzamtes aufgrund eines Erlasses des Bundesfinanzministeriums vom Juli 2012 dar. Wenn wir Zimmerkontingente in Thailand oder Mallorca anmieten, soll das zum Anlagevermögen gerechnet und besteuert werden. Für uns bedeutet das Belastungen in Millionenhöhe, ohne dass wir dafür hätten Rücklagen bilden können. Der Reiseverband beziffert die Belastungen für die Branche auf 1,4 Milliarden Euro. Das bringt andere Unternehmen in Existenznöte und führt zu Abwanderungsgedanken.

Jedes Jahr zwischen 30 und 40 neue Mitarbeiter eingestellt 

Sie würden Ihren Firmensitz ins Ausland verlagern?

Kassner: Eine solche Konsequenz kann ja nicht im Sinne des Gesetzgebers sein. Aber es ist auch Auslegungssache der Finanzämter in den jeweiligen Bundesländern. Ich kann diese Auslegung absolut nicht nachvollziehen und werde dagegen klagen, notfalls bis nach Karlsruhe. Aber generell sind wir standorttreu und wollen es auch bleiben. Schließlich haben wir mit dem Kauf eines benachbarten Grundstücks auch die Option auf eine Erweiterung.

Das heißt die Entscheidung ist noch nicht gefallen?

Kassner: Wir werden uns in Kürze Gedanken machen, wie wir personell weiter expandieren werden. Danach richtet sich die räumliche Frage. Wir haben zuletzt jedes Jahr 30 bis 40 Mitarbeiter eingestellt, heute sind wir insgesamt 280. Die 3500 Quadratmeter in unserer Firmenzentrale, die wir 2011 bezogen haben, sind voll belegt. Ein neues Gebäude hat eine Vorlaufzeit von anderthalb Jahren. Es ist also gut vorstellbar, dass wir im Laufe dieses Jahres konkrete Pläne präsentieren werden.

In Sichtweite sitzt – noch - einer Ihrer Konkurrenten. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Alltours-Chef Willi Verhuven beschreiben?

Kassner: Dazu möchte ich nicht viel sagen. Wenn Herr Verhuven nach Düsseldorf geht, wünschen wir ihm alles Gute.

Sie wachsen bei Umsatz und Gästezahlen seit zehn Jahren um zweistellige Raten. In diesem Geschäftsjahr soll es wieder ein Plus von mindestens zehn Prozent werden. Wie ist das möglich?

Kassner: Durch eine stete, konservative und gute Arbeit an dem Produkt und durch unsere Mitarbeiter. Wir sind der einzige Veranstalter, bei dem sich Reisebausteine so flexibel kombinieren lassen. Zur Firmenpolitik gehört, dass wir tendenziell höherwertige Hotels anbieten, was zu niedrigen Reklamationsquoten führt. Wir sind übrigens auch der einzige Veranstalter, der diese Quoten veröffentlicht. Das baut auf Ehrlichkeit auf und stärkt das Vertrauen. Für unsere Kunden geht es schließlich nicht um irgendeinen Urlaub, sondern um ihren Traumurlaub. Auch das Team ist ein wichtiger Faktor. Die Mitarbeiter haben bei uns eine enorme Eigenverantwortlichkeit. Wir haben ein sehr motivierendes Konzept, Leistung wird entsprechend bezahlt. Und es gibt auch weiche Anreize. In diesem Jahr werden wir die Millionen-Marke bei den Gästezahlen knacken. Da wird es einen richtig großen Betriebsausflug geben.

Sie schließen die Zentrale in Duisburg ab und steigen alle zusammen in den Flieger?

Kassner: Ja, so ähnlich. Freitags nachmittags wird abgeschlossen, dann geht es über das Wochenende mit allen Mitarbeitern irgendwo hin. Das Ziel steht noch nicht fest.

Ist es richtig, dass es nach wie vor keinen Betriebsrat gibt?

Kassner: Ja und ich hoffe, dass dies auch so bleibt. Meine Tür steht immer offen, ich bin für jede Anmerkung dankbar. Ohne die hohe Zufriedenheit der Mitarbeiter funktioniert das Geschäft doch ohnehin nicht.

Wie lange kann es noch so steil bergauf gehen? Wo ist die Grenze des Wachstums?

Kassner: Es gibt sicher noch Luft nach oben. Aber wir brauchen dieses Wachstum nicht zwingend und wir werden uns auch keine Marktanteile erkaufen. Wir sind einer der gesündesten Reiseveranstalter Deutschlands. Entscheidend ist, dass wir eine schlanke Struktur behalten, mit der wir uns weiterhin flexibel am Markt bewegen können.

Millionen-Darlehen für den MSV - Hohe Verantwortung und Idealismus 

Sie engagieren sich hinter den Kulissen sehr stark beim MSV. Vor dem Lizenzentzug sollen Sie mit einem Geldkoffer mit 6 Mio Euro und einem neuen Konzept im Arena-Foyer gesessen haben, der Vorstand das Angebot aber abgelehnt haben. Was war da los?

Kassner: Zunächst einmal: Ich bin nicht jemand, der mit einem Koffer voller Geld irgendwo hingeht. Richtig ist, dass wir ein tragfähiges Konzept und eine gangbare Lösung angeboten haben. Das ist nicht angenommen worden. Ich denke, da waren einfach die falschen Leute am Werk.

Und jetzt sind die falschen Leute weg?

Kassner: Ich freue mich, dass Udo Kirmse jetzt beim MSV an der richtigen Stelle sitzt. Und ich begrüße auch den Wechsel des Geschäftsführers. Aus meiner Sicht war Herr Kentsch nicht der richtige Geschäftsführer für den MSV.

Sie haben dem Verein für die Restrukturierung einen siebenstelligen Betrag geliehen. Machen Sie sich keine Sorgen um Ihr Geld?

Kassner: Nein. Wir werden dort eine Lösung finden, das wird nicht mehr lange dauern. Und ich habe das Geld gerne investiert. Für mich ist das eine Investition in den MSV, in die Stadt und in die Region. Es ist eine beträchtliche Summe, mit der wir gewiss nicht leichtfertig umgehen. Wir haben dafür eine hohe Verantwortung. Aber dieses Darlehen berührt in keinster Weise unsere Geschäftstätigkeit.

Woher rührt dieses finanzielle Engagement und die Verbundenheit zum MSV?

Kassner: Na, man darf doch wohl mal idealistisch sein! Wir haben wichtige Teile dazu beigetragen, dass sich die Situation verbessert hat. Jetzt müssen wir das Feld neu bestellen und damit eine gesunde Basis für die Zukunft schaffen. Das wird bald der Fall sein.

Wenn die Arena schon den Namen Ihres Unternehmens trägt, können Sie sich auch einen Kauf vorstellen?

Kassner: Es gibt noch so viele offene Fragen. Insofern: kein Kommentar.