Schachern sich CDU und SPD in Duisburg lukrative Posten zu?

Ingo Blazejewski
Karl Wilhelm Overdick sitzt für die CDU im Duisburger Rat und wird wohl zweiter Vorsitzender des IMD.
Karl Wilhelm Overdick sitzt für die CDU im Duisburger Rat und wird wohl zweiter Vorsitzender des IMD.
Foto: WAZ FotoPool
Immobilien-Management soll zusätzlichen Geschäftsführer erhalten. Wer den Posten erhält, darauf sollen sich die Parteien bereits geeinigt haben.

Duisburg. Städtische Tochtergesellschaften mit nur einem Manager an der Spitze werden zur Seltenheit: Jetzt soll auch das Immobilien-Management (IMD) einen zweiten Geschäftsführer erhalten. Das Thema soll Ende November auf der Tagesordnung stehen, die Stadt äußerte sich am Freitag auf Nachfrage zur Notwendigkeit des Postens nur verhalten: „Vor dem Hintergrund der dauerhaft steigenden Belastungen im Zuständigkeitsbereich des IMD, vor allem durch die Herausforderung der Schaffung von Asylunterkünften, des U3-Ausbaus und der Investitionsoffensive des Bundes, gibt es derzeit Überlegungen, wie das Immobilienmanagement zukunftsfähig aufgestellt werden soll“, erklärte eine Sprecherin.

Nach Informationen unserer Redaktion soll aber sogar die Besetzung bereits ausgemachte Sache zwischen den Spitzen der beiden Volksparteien sein: Karl Wilhelm Overdick, der seit 16 Jahren für die CDU im Stadtrat sitzt. Den 60-Jährigen betitelt seine Fraktion als „Planungsexperten“ und „immobilienpolitischen Sprecher“, er sitzt seit Jahren im IMD-Betriebsausschuss sowie in den Aufsichtsgremien bei der Sparkasse und Müllverbrennungsanlage.

Overdick äußert sich unwissend

Zwar ist Overdick, unter Ratskollegen auch „KWO“ genannt, niemand aus der ersten Reihe, ist aber partei-intern nicht ohne Macht: Als Vorsitzender des starken CDU-Stadtverbands Mitte weiß er rund 500 Mitgliedern hinter sich.

Derzeit ist der 60-Jährige als kaufmännischer Angestellter beim Düsseldorfer Reinigungsunternehmen Klüh tätig. Overdick selbst äußerst sich auf Anfrage unwissend: „Sie wissen mehr als ich“, sagt er. Es sei allerdings nicht das erste Mal, das sein Name mit der Stadttochter in Verbindung gebracht wird. „Mir ist schon einmal prophezeit worden, dass alles klar sei und ich zur Kommunalwahl gar nicht mehr antreten muss.“ Aber traut er sich die Aufgabe auch zu? „Ich traue mir vieles zu“, sagt der CDU-Politiker. Die IMD-Führung zu verstärken hält er generell für richtig. „Von den Namen ganz abgesehen: Zwei Geschäftsführer gewährleisten das Vier-Augen-Prinzip, das ist eigentlich in jedem privaten Unternehmen die Regel.“

SPD mauert zum Thema

Aber warum soll erneut jemand aus dem Politikbetrieb auf den Managerposten wechseln und inwieweit bringt das die Stadttochter überhaupt weiter? Die SPD mauert bei dem Thema, will sich nicht äußern. Bei der CDU geht man damit offener um. „Wir würden uns freuen, wenn das inzwischen von Problemen geplagte IMD einen kompetenten zweiten Geschäftsführer erhält“, sagt Fraktionsgeschäftsführer Peter Böttner. „Es muss jemand sein, der das Unternehmen kennt, der Duisburg kennt und der in der Politik vernetzt ist. Sollte es jemand aus unserer Fraktion werden, würden wir uns darüber natürlich ebenfalls freuen.“

Das Immobilien-Management verwaltet die mehr als 1100 städtischen Gebäude von Verwaltungsbüros über Schulen bis zu Kindergärten. Für die Schaffung neuer Asylunterkünfte muss sich das IMD weiter verschulden, im Vorjahr machte die Stadt-Tochter bereits über 17 Millionen Euro Mise. Bis vor zehn Jahren gab es schon einmal einen kaufmännischen Geschäftsführer, seitdem ist Uwe Rohde (Jahresgehalt: 143.000 Euro), der bei der Gründung 2002 die technische Leitung übernahm, für das IMD mit seinen 450 Mitarbeitern allein verantwortlich.

Der nächste Versorgungsfall - Ein Kommentar von Ingo Blazejewski 

Wenn Sie wollen, dass aus Ihren Kinder etwas wird, besorgen Sie ihnen am Besten ein Parteibuch. Denn das ist in Duisburg immer wieder das ausschlaggebende Kriterium bei der Vergabe von hoch dotierten Spitzenpositionen. Die Auswahl der größeren Parteien spielt dabei eher einer untergeordnete Rolle: Ein bündnisgrüner Ex-Fraktionsgeschäftsführer ist jetzt Dezernent, ein bündnisgrüner Ex-Dezernent ist jetzt Unternehmensvorstand, neben ihm im Chefsessel sitzt der ehemalige SPD-Fraktionsgeschäftsführer, zuvor wurden schon SPD-Fraktionschefs zu Vorständen von Aktiengesellschaften und CDU-Ratsherren zu Geschäftsführern.

Jetzt soll es wieder einmal so weit sein: Die Stadt schafft in der Management-Ebene einer Tochtergesellschaft Platz für den nächsten Versorgungsfall. Die CDU freut sich. Alle anderen auch?

Sind diese Posten überhaupt nötig?

Wie schon bei den Wirtschaftsbetrieben, wo die Führungsspitze gleich um zwei Posten erweitert wurde, stellt sich die Frage, ob das überhaupt nötig ist. Zehn Jahre (!) war es jedenfalls nicht nötig. Und wer das Vier-Augen-Prinzip anführt, das sich gewiss auch anders gewährleisten lässt, muss in der Konsequenz auch bei der Gebag, dem Frischekontor und der Wirtschaftsförderung einen zweiten Geschäftsführer installieren.

Warum der zweite IMD-Chefsessel ausgerechnet jetzt besetzt werden soll, lässt sich beim Blick auf den Terminkalender erahnen: Ende November wird gleichzeitig der Haushalt verabschiedet und ein neuer Kämmerer gewählt. Dafür braucht die SPD als stärkste Kraft im Rat eine Mehrheit. Nachdem sich Rot-Rot-Grün zerbröselt hat, finden die beiden großen Volksparteien in den entscheidenden Fragen immer mehr zusammen. Sie haben mit 56 der 84 Stimmen sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit und werden in der letzten Ratssitzung des Jahres Fakten schaffen. Kämmerer und Haushalt gegen IMD-Chefposten — es ist ein Kuhhandel, ein politischer Deal.

Und während die Stadt-Tochter weiter in die Schulden rutscht, bestätigt sich die Gewissheit, dass trotz mieser Kassenlage im Laden für die oberste Etage immer noch Geld genug da ist.