Sauerlands Vorgänger rufen mit Anzeige zur Abwahl auf

Adolf Sauerland am Donnerstagabend bei der Neujahrsbegegnung der CDU Buchholz. Öffentliche Kritik an seiner Amtsführung vor und nach der Loveparade üben die drei Oberstadtdirektoren der Stadt der Jahre 1975 bis 1996. Foto: Lars Fröhlich
Adolf Sauerland am Donnerstagabend bei der Neujahrsbegegnung der CDU Buchholz. Öffentliche Kritik an seiner Amtsführung vor und nach der Loveparade üben die drei Oberstadtdirektoren der Stadt der Jahre 1975 bis 1996. Foto: Lars Fröhlich
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Das ist ein ungewöhnlicher Vorgang: Die drei Oberstadtdirektoren der Duisburger Stadtverwaltung der Jahre 1978 bis 1996 – Herbert Krämer, Dr. Richard Klein und Norbert Giersch – melden sich in der Samstagausgabe der Duisburger NRZ und WAZ mit einer gemeinsamen Zeitungsanzeige (Stadtteilseite) zur anstehenden Bürger-Abstimmung über den heftig umstrittenen OB und Verwaltungschef Adolf Sauerland zu Wort.

Die Botschaft der ehemaligen Verwaltungschefs: „Stimmen Sie für den dringend notwendigen Neuanfang in Duisburg!“ Aus „großer Verbundenheit“ für die Stadt und deren „kompetenten und guten Verwaltung“, so erklärte Giersch am Freitag auf Nachfrage der NRZ, hätten sich er und seine zwei Kollegen deshalb jetzt zu Wort gemeldet.

Vor allem Sauerlands Umgang mit dem Thema „Verantwortung“ treibe sie um: „Wenn man der Chef einer Verwaltung ist, dann stellt man sich bei einer geplanten Großveranstaltung wie der Loveparade an die Spitze der Organisation und trägt dann auch für alles die Verantwortung! Doch genau dies ist im aktuellen Unglücksfall nicht zu spüren!“

Katastrophe von DuisburgJetzt aber auf einen rechtskräftig abgeschlossenen Prozess zu warten, bedeute, das Thema „Verantwortung“ auf viele Jahre hinaus einfach wegzuschieben. Giersch: „Aber so etwas darf ein Verwaltungschef nicht tun!“ Somit bleibe nur noch der Weg der Abwahl.

Ob er und seine zwei Amtskollegen – allesamt Mitglieder der SPD – nicht den Vorwurf fürchten, gewissermaßen als die „rote Riege“ doch nur einen CDU-Mann aus dem Rathaus vertreiben zu wollen? Giersch: „Wir handeln nicht im Auftrag der SPD. Wir haben schon in unserer aktiven Zeit wichtige Entscheidungen auch gegen politische Mehrheiten getroffen. Nein, ein solcher Vorwurf trifft uns nicht.“ Und die Zeitungsanzeige, die nur bei WAZ/NRZ erscheine, hätten sie selbstverständlich aus der privaten Geldbörse bezahlt.

Wie er den Wahlausgang am 12. Februar einschätze? Giersch: „Das scheint mir völlig offen. Am Ende werden womöglich ein paar tausend Stimmen entscheidend sein.“