Salafist unterrichtete an Berufsschule in Duisburg

Marcel K. gilt als guter Lehrer, doch der bekennende Salafist führte offenbar ein Doppelleben.
Marcel K. gilt als guter Lehrer, doch der bekennende Salafist führte offenbar ein Doppelleben.
Foto: Screenshot
Die Sicherheitsbehörden kennen Marcel K. seit Jahren als gefährlichen Extremisten. Doch er rutschte problemlos in den Schuldienst. In Duisburg hat der bekennende Salafist ein gutes halbes Jahr an einer Berufsschule gelehrt. Wie die Bezirksregierung Düsseldorf am Freitag mitteilte, wurde der Mann nach Bekanntwerden seines islamistischen Hintergrundes entlassen.

Duisburg.. Marcel K. gilt als ein guter Lehrer. Ruhig, bedacht. Was er sage, präge sich ein, sagen Schüler. Tagsüber unterrichtet K. am Bertolt-Brecht-Berufskolleg in Duisburg. Sein Fach: Elektrotechnik. Dass er ein Islamist ist, mit Kontakten zur Terrororganisation El Kaida, ahnt hier niemand. Nach Schulschluss lehrt Marcel K. sein Hauptfach: Salafismus. Im Internet ist er ein Star der Hassprediger-Szene. Den 36-Jährigen, der seit vier Monaten in Krefeld wohnt, kennen Terrorexperten seit elf Jahren – als gefährlichen Extremisten. Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagt, er halte K. für einen „ideologischen Brandstifter. Er ist nicht geeignet, Schülerinnen und Schüler zu unterrichten.“ Doch in Duisburg darf er es ein halbes Jahr lang, bis er im Frühjahr auffliegt.

Der suspendierte Polizeikommissar Ali K. ist ein guter Bekannter

Als sich Marcel K. auf die Stelle am Berufskolleg bewirbt, läuft alles glatt. Im erweiterten polizeilichen Führungszeugnis finden sich „keine Eintragungen“, sagt die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf. „Weitere sicherheitsrelevante Hinweise gab es zum Einstellungszeitpunkt nicht“, meint eine Sprecherin. Dass die Lehrkraft bis 2006 als islamistischer Gefährder eingestuft war, bei dem die konkrete Gefahr einer Straftat besteht, wusste die Einstellungsbehörde nicht. Auch nicht, dass er in puncto Gefährlichkeit immer noch als „relevante Person“ geführt wird. Marcel K. leistet den Eid auf die Verfassung – und ist angekommen im Schuldienst.

Der Tipp, der den Islamisten auffliegen lässt, kommt offenbar von Bürgern. Daraufhin schaltet die Bezirksregierung den Verfassungsschutz ein – und erfährt, dass hinter dem beliebten Lehrer „ein salafistischer Prediger“ steckt, „der extremistische Ansichten vertritt und verbreitet“. Marcel K. wird fristlos gekündigt. Er klagt jetzt auf Wiedereinstellung.

Im Visier der Behörden

Der Fall ist lange aktenkundig. „Bereits seit Anfang 2001“ sei Marcel K. „im Visier der Sicherheitsbehörden“, sagt NRW-Verfassungsschutzchef Burkhard Freier. Damals finden Ermittler K.s Telefonnummer im Nachlass von Ziad Jarrah, einem der Todespiloten vom 11. September 2001 in den USA. Ein Strafverfahren gegen K. wird daraufhin eingeleitet, aber wieder eingestellt. Dabei verkehrt K. häufig in radikalen Zirkeln.

Jahrelang agiert er in Münster. Dort zählt der Salafist, der auch unter dem Decknamen „Abu Yunus“ predigt, zu den Gründungsmitgliedern des Islamischen Zentrums Münster. Seit 2001 hat er wechselnde Funktionen in Vereinen, in denen laut Verfassungsschutz „auch Islamisten und Salafisten aktiv“ sind. Aktuell engagiert er sich für den Verein „Muslime aktiv e.V.“ in Münster. Von dort pflegt er Verbindungen zum Verein „Einladung zum Paradies“. Der löste sich zwar 2011 auf, gilt unter Verfassungsschützern aber immer noch als Quelle und Werbeplattform für salafistische Ideologien.

Hassprediger als Freund

Marcel K. hat in diesen Kreisen einen guten Namen. Er genießt entsprechende Privilegien: Auf der Internetplattform YouTube hat er einen eigenen Kanal, auf dem er predigt und missioniert.

Gute Freunde hat er auch. Pierre Vogel, einer der bekanntesten deutschen Hassprediger, gehört dazu. Und ein weiterer Extremist, der kürzlich im öffentlichen Dienst aufgeflogen ist: Ali K., der Duisburger Salafist in Polizeiuniform, der seit Anfang Mai aus dem Polizeidienst suspendiert ist (wir berichteten). Kommissar K. hat nicht nur ideologische Schriften von Marcel K. an Koranständen verteilt. Man kenne sich auch persönlich „recht gut“, bestätigt der Schutzmann.

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