Rücktritt von Museumsdirektor Stecker gefordert

Draußen die Gegner, drinnen die Anhänger, dazwischen die Polizei: 29. November, Lehmbruck-Museum.  Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
Draußen die Gegner, drinnen die Anhänger, dazwischen die Polizei: 29. November, Lehmbruck-Museum. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
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Duisburg. Der Auftritt von Thilo Sarrazin im Lehmbruck-Museum ist Thema der Sitzung des Stiftungskuratoriums kommende Woche. In einem offenen Brief fordert der Chef des Anti-Rassismus Informations-Zentrums NRW die Entlassung von Museumsdirektor Stecker.

Kuratoriumsmitglied Roland Busche von den Linken hatte bereits vor dem Sarrazin-Gastspiel auf der roten Couch im Duisburger Lehmbruck-Museum Ende November angekündigt, Museumschef Raimund Stecker wegen der Einladung zur Rede zu stellen. Jetzt – zehn Tage nach Vortrag und Diskussion – gibt es einen Offenen Brief an das Stiftungskuratorium, in dem die „sofortige Entlassung Herrn Steckers von seinem Amt als Museumsdirektor“ gefordert wird. Es ist unterzeichnet von den Duisburgern Uli Kloeters und Hartmut Reiners, Geschäftsführer des Anti-Rassismus Informations-Zentrums NRW (Aric).

Stecker habe einen „geistigen Brandstifter“ eingeladen, „der dem modernen und aufgeklärten Menschenbild einen plumpen biologistischen Rassismus entgegensetzt“. Seine Thesen lohnten die Auseinandersetzung nicht. „Er verschleiert den Blick auf die Komplexität der Gesellschaft, indem er mit Parolen Sündenböcke konstruiert und es an der differenzierten Auseinandersetzung missen lässt“, heißt es in dem Offenen Brief.

„Es war richtig, Sarrazin einzuladen“, bleibt Stecker bei seinem Standpunkt. Allerdings sei die Veranstaltung nach dem Vortrag Sarrazins „nicht so gelaufen, wie ich es gehofft habe“. So müsse er sich „den Schuh anziehen“, dass die Diskussion nicht besser vorbereitet worden sei. Absicht sei es gewesen, dem Standpunkt, den Wackerbarth in seiner Ausstellung „Here & There“ zur Integration bezieht, einen anderen Standpunkt gegenüberzustellen. Aus Parteipolitik halte er sich heraus, so Stecker.

„Es war nicht richtig, Sarrazin einzuladen“, sagt Udo Vohl, kulturpolitischer Sprecher der SPD. Allerdings haben der Museumsdirektor doch „eine völlig andere Absicht“ verfolgt. „Ich verwahre mich gegen jedes Ansinnen, ihn zum Rücktritt zu bewegen“, so Vohl.

„Völlig überzogen“ nennt Dr. Thomas Ludwig, Kuratoriumsmitglied und Vorsitzender der Freude des Lehmbruck-Museums, die Rücktrittsforderung. Man müsse nicht mit Sarrazin einer Meinung sein, aber ein demokratisch-offener Diskurs müsse erlaubt sein. „Ich verstehe die Aufregung nicht so richtig.“

 
 

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