Duisburg

Eklat um Duisburger Werkstatt-Chefin: So kam es zum „inakzeptablen Gehalt“ von Roselyne Rogg

Der bisherigen Geschäftsführerin der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Duisburg wurde fristlos gekündigt.
Der bisherigen Geschäftsführerin der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Duisburg wurde fristlos gekündigt.
Foto: Funke Foto Services

Duisburg. Fristlose Kündigung und Hausverbot: Eine schlimmere Eskalationsstufe am Ende einer beruflichen Zusammenarbeit ist kaum denkbar.

Einstimmig hatte der Aufsichtsrat der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WFBM) in Duisburg entschieden, der bisherigen Geschäftsführerin Roselyne Rogg zu kündigen.

Das Vertrauensverhältnis sei irreparabel zerstört, hieß es. Grund sei das „inakzeptable“ Gehalt Roggs. Der Konflikt ist längst zum verworrenen Politikum geworden.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie viel hat Roselyne Rogg als Chefin der Werkstatt verdient?

Das Einstiegsgehalt von Roselyne Rogg lag 2009 bei 85.000 Euro. Dazu kamen 30.000 Euro Altersvorsorge und 24.000 Euro Erstattung von Sozialversicherungsbeiträgen sowie ein Dienstwagen.

Ein angemessenes Gehalt, geht man nach dem Gutachten der Wirtschaftsprüfer Vinken, Görtz, Lange und Partner vom 28. Juni 2018. Sie hatten ein Jahresgehalt zwischen 150.000 und 180.000 Euro für jemanden in Roggs Position errechnet.

Doch die WFBM-Chefin bezog zuletzt mehr als das Doppelte: 376.000 Euro. Zum Vergleich: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ein Brutto-Jahresverdienst von rund 330.000 Euro. Ein Sozialarbeiter in einer Einrichtung wie der WFBM verdient in NRW etwa 33.000 Euro. Und das durchschnittliche Entgelt eines Werkstattbeschäftigten mit Behinderung beträgt laut einer Statistik des Bundesarbeitsministeriums etwa 180 Euro. Die Duisburger Werkstatt zahlt weniger. Wie hoch die Verdienste genau ausfallen, konnte die Stadt auf Nachfrage nicht sagen.

Was ist die Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Duisburg?

Die WFBM ist eine Einrichtung, die zur Integration von Menschen mit Behinderung beiträgt. Beschäftigt werden neben Sozialarbeitern oder Pädagogen Menschen, bei denen eine Erwerbsminderung beziehungsweise eine Erwerbsunfähigkeit vorliegt.

Die Werkstatt bietet nach eigenem Anspruch Menschen mit Behinderung Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze sowie individuelle Förderung. In vier Werkstätten erledigen die Mitarbeiter im Auftrag privater Firmen unter anderem Montagearbeiten im Elektrobereich sowie Gärtnerarbeiten. Dazu kommt eine Fahrradwerkstatt, das Restaurant „Der kleine Prinz" und das Modelabel „Ars Vivendi".

Träger sind zu 50 Prozent die Stadt Duisburg und zu je 25 Prozent die Lebenshilfe Duisburg und der Verein für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung.

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1.100 Menschen mit Behinderung sowie 200 festangestellte Betreuer und andere Kräfte arbeiten nach Auskunft der Stadt bei der Werkstatt.

Die Jahresbruttoeinnahmen der Werkstatt lagen zuletzt bei etwa 26 Millionen Euro.

Warum gab es Probleme mit der Geschäftsführerin Roselyne Rogg?

Das Gehalt von Roselyne Rogg war seit 2009 nach Verhandlungen mehrfach erhöht worden.

2013 wurde auch der Vertrag der Geschäftsführerin verlängert. Davon wusste der Aufsichtsrat. Dass zugleich auch das Gehalt angehoben wurde, war dem Gremium nach eigenem Bekunden indes nicht bekannt.

„Dem Aufsichtsrat wurde ganz bewusst die am 10. Juli 2013 ausgesprochene Vertragsverlängerung, nicht jedoch die zugleich unterzeichnete Vergütungsanhebung vorgelegt“, heißt es vonseiten der Stadt.

Deshalb sei das Vertrauensverhältnis derart zerrüttet. Zudem hatte Rogg in einer eigenständig anberaumten Pressekonferenz erklärt, dass sie ihr Gehalt für angemessen halte.

Denn unter ihrer Leitung sei die WFBM zu einem Vorzeigeunternehmen geworden. In der Tat hatte der Aufsichtsrat ihr bis zum Schluss eine fachlich gute Arbeit bescheinigt.

Wer hat die Gehaltserhöhung veranlasst?

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link hat von der Höhe des Gehalts nach Auskunft der Stadtverwaltung nichts gewusst: „Zu keinem Zeitpunkt war ein Gehalt in der heute zur Rede stehenden Dimension mit Oberbürgermeister Sören Link abgesprochen - und es hat und hätte auch niemals seine Zustimmung gefunden“, heißt es in einer Mitteilung.

Aber wer hat die Gehaltsanhebung veranlasst? „Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Reinhold Spaniel und Frau Rogg haben die Vertragsanpassung unterschrieben“, so eine Sprecherin der Stadt Duisburg. Die anderen Mitglieder des Aufsichtsrats wurde laut Stadt nicht informiert.

Spaniel habe zudem zuvor den Eindruck erweckt, Rogg erhalte ein Einkommen von 150.000.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Stadt prüft derzeit die Ordnungsmäßigkeit der Handlungen des Ex-Aufsichtsratschefs Reinhold Spaniel. Ein Ergebnis steht noch aus.

Die Geschäfte der Werkstatt führen derweil zwei Prokuristen weiter. Die vakante Stelle der Geschäftsführung soll möglichst schnell neu besetzt werden.

 
 

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