Rollender Spenden-Butler erinnert an das Erdbeben von Nepal

Spenden-Butler Jörn Dreuw überprüft nochmal seinen Krawattenknoten auf den Treppen vor dem Duisburger Rathaus.
Spenden-Butler Jörn Dreuw überprüft nochmal seinen Krawattenknoten auf den Treppen vor dem Duisburger Rathaus.
Foto: Thomas Gödde / WAZ FotoPool
Jörn Dreuw flitzt durch Deutschland, derzeit fährt er mit seinem Hightech-Einrad den Niederrhein entlang. Seine Aktion erinnert an das Nepal-Erdbeben.

Duisburg.. Mit Einrad, Charme und Melone rollt Jörn Dreuw durchs Land. Der 45-Jährige Münchner ist seit Mai auf Deutschlands Radwanderwegen unterwegs, immer formvollendet in Butler-Uniform und aufrechter Haltung auf seinem Hightech-Einrad. Dienstagmorgen hat er in Duisburg Halt gemacht, die Menschen auf der Straße drehen sich lächelnd um, wenn er vorbeiflitzt. Sein Schild auf dem Rücken verrät, was das alles überhaupt soll: "Nepal nicht vergessen! Bitte spenden Sie!"

Die Katastrophe ist bis heute spürbar

Am 25. April dieses Jahres wird Nepal von einem Erdbeben der Stärke 7,8 erschüttert, Tausende sterben, Zehntausende sind verletzt. Innerhalb von einer Minute haben Millionen ihr Dach über dem Kopf verloren, die Katastrophe bestimmt bis heute das Land im Himalaya. Mit der jetzt einsetzenden Monsunzeit wird die Lage für viele noch dramatischer werden.

"Für mich war klar, dass ich helfen wollte", sagt Dreuw, die ungewöhnliche Kombination von Butler und elektrischem Einrad sorge dabei für die höchste Aufmerksamkeit. Und tatsächlich bleiben die Leute am Duisburger Rathaus stehen und schauen dem rollenden Spenden-Butler hinterher. "Ich hatte erst überlegt, meine Touren mit dem Fahrrad zu machen, aber das sieht eben nicht so spektakulär aus", erzählt Dreuw. Tradition trifft Hightech - das fällt auf. Doch nicht nur die Menschen auf der Straße sollen vom Spenden-Butler erfahren, auch im Netz soll die Aktion weite Kreise ziehen. Deswegen twittert und postet Dreuw fleißig auf seinen Einrad-Touren, auch vor dem Duisburger Rathaus.

Abschluss an der internationalen Butler-Akademie

Aber warum ausgerechnet als Butler? "2010 habe ich meinen Abschluss an der internationalen Butler-Akademie in den Niederlanden gemacht, ein Bootcamp für Anzugträger", erzählt der eigentliche Journalist, der unter anderem bereits für Focus-Online oder Burda gearbeitet hat. Schon als Kind fand er die Figur des Butlers faszinierend, mit seiner Oma schaute er regelmäßig die englische Serie "Das Haus am Eaton Place".

Sein Outfit als düsender Butler, es ist bis ins kleinste Detail durchdacht: Polierte schwarze Lederschuhe, graue Nadelstreifenhose, weißes Hemd und eine perfekt gebundene Krawatte, darüber eine hellgraue Weste. Aus den Ärmeln des schwarzen Fracks blitzen weiße Stoffhandschuhe, die englische Melone macht den Gentleman-Auftritt komplett. Na gut, Sicherheit geht vor, denn die Melone entpuppt sich dann doch als schwarzer Skater-Helm. "Die Krempe habe ich bei einer Firma für 3D-Druck erstellt", sagt Dreuw. Ein simpler Helm wäre auch nicht stilecht gewesen.

Gesamtes Reisegepäck in der Bauchtasche

Der Spenden-Butler nimmt selbst kein Geld an. Wer spenden möchte, bekommt aber ein Zettelchen mit deutschen Nepal-Hilfsorganisationen in die Hand gedrückt. Diese Zettelchen bewahrt er in seiner Bauchtasche auf, die irgendwie an die wundervolle Reisetasche der Mary Poppins erinnert. Denn: Sein gesamtes Reisegepäck für fünf Tage ist in dieser Umschnalltasche, Mann kommt damit aus. "Darin bewahre ich auch mein Ladegerät für das Einrad auf", sagt Dreuw. Alle 20 bis 25 Kilometer muss das 15 Kilo schwere elektrische Einrad aufgeladen werden, für sein nächstes Etappenziel Wesel muss er da wohl nochmal eine Steckdose aufsuchen.

Wie viel bisher gespendet wurde, lässt sich nicht nachvollziehen, aber darauf kommt es Dreuw auch nicht an: "Ich möchte, dass Nepal möglichst lang als Thema in den Medien bleibt, nur so werden die verheerenden Folgen des Erdbebens immer wieder ins Bewusstsein gerufen." Und dafür legt er weite Wege zurück: von Regensburg nach Passau an der Donau entlang, von Hamburg nach Berlin, von Königswinter bis Düsseldorf und nun von Duisburg nach Emmerich.

"Den Main würde ich auch noch gerne mitnehmen", verrät Dreuw. Vielleicht schafft er die Tour noch, bevor er im Oktober wieder im trockenen Büro sitzt.

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