Rockerkrieg an Rhein und Ruhr – Satudarah Duisburg war im Netz nicht mehr erreichbar

Das Vereinsheim des Motorradclubs Satudarah MC in Duisburg-Rheinhausen. Im Internet waren die deutschen Satudarah-Rocker von Anfang der Woche bis Mittwochmittag nicht  präsent.
Das Vereinsheim des Motorradclubs Satudarah MC in Duisburg-Rheinhausen. Im Internet waren die deutschen Satudarah-Rocker von Anfang der Woche bis Mittwochmittag nicht präsent.
Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
Während die Polizei nach den Schüssen auf einen Unterstützer der Hells Angels einen Mercedes sucht, war der Satudarah MC Clown-Town im Internet Anfang der Woche nicht mehr erreichbar. Seit Mittwochmittag ist die Webseite wieder online. Auslöser der jüngsten Gewalttaten könnte indes ein Auftritt von Satudarah-Rockern im Oberhausener Rotlichtviertel gewesen sein.

Duisburg/Oberhausen. Der Rockerkrieg zwischen den verfeindeten Motorradclubs Hells Angels und Satudarah tobt nicht nur auf den Straßen, sondern auch im Internet: Schließlich waren es auch Provokationen im Netz, die der erneuten Eskalation der Gewalt vorausgingen: Dass Facebook-Nutzer aus dem Satudarah-Umfeld ein Foto der Klever Schwanenburg mit der Bildbeschriftung „MC Satudarah Kleve“ posteten zum Beispiel, galt den Ermittlern als Kriegserklärung.

Bemerkenswert ist vor dem Hintergrund der angespannten Lage nach den Schüssen auf einen Unterstützer der Höllenengel, dass die deutschen Internetseiten des Satudarah MC Anfang dieser Woche mehrere Tage nicht online waren. Wo das Satudarah-Chapter „Brotherhood Clown-Town“ sonst sein Vereinsheim in Rheinhausen und seine Öffnungszeiten präsentiert, erschien bis Mittwochmittag lediglich die Meldung des Internetproviders Strato: „Diese Internetpräsenz ist zur Zeit nicht erreichbar. Besuchen Sie diese Seite zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal. Vielen Dank.“ Und zwar in sechs Sprachen und blau auf weiß statt in Schwarz-gelb. Kurz nach der Veröffentlichung dieses Artikels gingen die Seiten unter http://weflow.de/satudarah/germany/ wieder online.

Seiten wurden auf den ersten Blick nicht überarbeitet

Zumindest die Homepage der Seite www.satudarahmckrefeld.de – sie gehört laut Betreiber zum "Prospect Chapter" Krefeld – ist nach dem Aussetzer ebenfalls seit Mittwochmittag wieder erreichbar. Die deutschen Satudarah-Seiten sind eingebettet in die Homepage der europäischen Vereinigung, der „Satudarah Westside“: Über diese, www.satudarahmc.com, waren die 23 niederländischen und das belgische Chapter in den vergangenen Tagen ohne Unterbrechung online.

Dass die deutschen Satudarah-Rocker plötzlich nicht mehr im Netz präsent waren, verfolgte auch die Polizei mit großem Interesse. Denn Rocker sein, heißt eigentlich: präsent sein – gerade in unruhigen Zeiten. An Spekulationen über eine Überarbeitung der Seiten oder gar einen Hackerangriff beteiligt sich die Polizei freilich nicht. Zumindest zufällige technische Probleme ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt sind unwahrscheinlich – zumal die Websites kurze Zeit nach dieser Meldung über ihre Auszeit wieder im Netz waren. Eine Überarbeitung der von Rheinhausen aus verwalteten Brotherhood-Clown-Town-Seite ist für Besucher nicht zu erkennen.

Warnung eines Hells-Angels-Bosses per SMS?

Während die Ermittler der Duisburger Mordkommission nun einen silbernen Mercedes suchen, auf den die Schützen von Oberhausen am Sonntagabend ebenfalls feuerten, geht das Rätselraten darüber weiter, warum die Konflikte zwischen den rivalisierenden Klubs gerade jetzt wieder so hochgekocht sind. Schüsse, Schlägereien, Drohungen: Nachdem es zuvor einigermaßen ruhig gewesen war, hatten sich die Emotionen in den letzten Wochen hochgeschaukelt. Möglicher Ausgangspunkt könnte dabei ein demonstrativer Auftritt von einer Gruppe von Satudarah-Rockern vor gut einem Monat auf der Oberhausener Flaßhofstraße gewesen sein.

Die Rotlichtmeile wird von ehemaligen Bandidos kontrolliert, die im Dezember zu den Hells Angels gewechselt waren. Der Auftritt von einer Gruppe von Satudarah-Rockern in Kutten wird in der Szene der Rockerbanden als Provokation gewertet. Angeblich soll es auch eine Warnung eines Hells-Angels-Bosses per SMS gegeben haben.

Die Bandidos hatten ihr Chapter in Oberhausen Mitte Juli 2012 aufgelöst, nachdem die Polizei bei einer Drogen-Razzia im Vereinsheim ein 36-jähriges Mitglied festgenommen hatte. Der Mann steht aktuell wegen bandenmäßigen Drogenhandels in Kleve vor Gericht.

 
 

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