Requiem für eine Puppe

Haben sie es sich einfach oder besonders schwer gemacht? Die Schauspieler Sara Hasenbrink und André Lewski sowie Regisseur Stefan Schroer brachten am Mittwoch im Djäzz eine Performance unters Publikum, die auf „Erniedrigte und Beleidigte“ von Fjodor M. Dostojewski zurückgriff. Die feinen Beschreibungen und berührenden Bilder, die der russische Schriftsteller in seinem Roman zeichnete, hätten die Performance mit dem Titel „Erniedrigt“ leicht dominieren können – wenn da nicht die großartige Leistung der Schauspieler gewesen wäre.

Die bestand darin, zunächst der Geschichte Raum zu geben, um sich zu entfalten. Man beschränkte sich auf das erste Kapitel: In Sankt Petersburg, vor einer Bäckerei, begegnet ein Schriftsteller auf Wohnungssuche einem alten Mann und seinem Hund. Detailreich wird geschildert – und von André Lewski dargestellt – wie sich der gebrechliche Alte bewegt, wie weit nach vorne gebeugt und staksig er läuft. Der Hund, ebenso alt wie sein Herrchen, sei ein ungewöhnlicher, wie Mephistopheles an der Seite des Mannes, mit der Schnauze an dessen Mantel geklebt. Im Djäzz war der Hund ein dreckiges Geschirrtuch, angebunden an ein altes Stromkabel mit Stecker. Wie Dostojewski schrieb, hatte diese Szene auch während der Performance etwas Magisches.

Lewski gab den Erzähler, also den Schriftsteller aus Dostojewskis Roman. Er stellte dabei verschiedene Figuren dar, sein fesselndes Spiel und sein ruhiger Vortrag des Textes verliehen der Geschichte zusätzlichen Zauber.

Aufgebrochen wurde die Romanhandlung durch eine Puppe, gut einen Meter groß, mit einem auf den ersten Blick erschreckenden Gesicht. Sara Hasenbrink lieh ihr Arme, Beine und die Stimme, balancierte den Kopf auf ihrer Hand. Mal war diese Puppe der gebrechliche Alte, mal ein aufgeregter Kunde der Bäckerei. Der Schauspielerin gelang das Kunststück, diese optisch aufdringliche Figur in die Geschichte einzufügen, sie nicht effekthascherisch einzusetzen und doch mit Leben zu füllen, schließlich mit Tod. Diese Puppe hatte ein Herz.

Ob es sich die Protagonisten mit Dostojewski nun einfach oder schwer machten, sie machten es vor allem richtig.

 
 

EURE FAVORITEN