Renovierung des Lehmbruck-Museums in Duisburg dauert bis 2016

Annette Kalscheur
Im Lehmbruck-Trakt des Museums wird derzeit eifrig gewerkelt - von innen Klimatechnik, von außen das Dach.
Im Lehmbruck-Trakt des Museums wird derzeit eifrig gewerkelt - von innen Klimatechnik, von außen das Dach.
Foto: WAZ FotoPool
Das 50 Jahre alte und mittlerweile marode Gebäude-Ensemble des Lehmbruck-Museums soll bis zum Jahr 2016 komplett renoviert worden sein. Bis dahin werden die Bauarbeiten 4,2 Millionen Euro verschlingen. Der Lehmbruck-Trakt soll jedoch bereits im Juni 2014 wieder eröffnet werden.

Duisburg. 4,2 Mio Euro fließen in den nächsten Jahren in die Sanierung des Lehmbruck Museums, in vier Bauabschnitten wird bis 2016 das fast 50 Jahre alte Gebäude-Ensemble wieder herausgeputzt. Vorbei die Zeiten, dass Putzeimer neben Skulpturen stehen, um durchtropfendes Regenwasser aufzufangen. Zumindest der Lehmbruck-Trakt wird pünktlich zur großen Geburtstagsfeier am 5. Juni nächsten Jahres im neuen Glanz erstrahlen. Eine große Ausstellung soll dann ebenfalls eröffnet werden, Details werden aber noch nicht verraten.

Die gleich alte Glashalle sowie der Neubau aus den 80er Jahren müssen sich noch gedulden. Die Decke der Glashalle soll 2014 renoviert werden. Für voraussichtlich zwei Monate wird dieser Bereich für die Öffentlichkeit gesperrt sein. 2012 war das Museum bereits komplett gesperrt, weil Platten aus der Decke herabgestürzt waren. Die sind beseitigt, derzeit guckt man auf ein Stahlgerippe und die Holzverschalung des Dachs.

Bauarbeiten lassen Werke anders wirken

Möglich wurde die Renovierungsaktion nicht zuletzt durch eine Finanzspritze vom Bund sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, insgesamt 430.000 Euro. Unter der Federführung des Immobilienmanagement Duisburg werden nun die drängendsten Probleme angegangen - den Denkmalschutz immer im Blick. Man wolle mit einer bestmöglichen Ausnutzung des Budgets so nah wie möglich an den Originalzustand herankommen, betont Dr. Söke Dinkla, derzeit kommissarisch Museumsleiterin und Bauherrin in Personalunion. Sie ist froh, dass das Publikum keinen Anstoß an den Bauarbeiten nimmt. Im Gegenteil, manche Schlüsselwerke Lehmbrucks würden jetzt in der Glashalle viel mehr Licht bekommen, ganz anders wirken, „das kommt sehr gut an“.

Wer die Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag als Museums-Direktor leiten wird, entscheidet das Kuratorium des Museums, nächste Woche tagt letztmals die Findungskommission mit Oberbürgermeister Sören Link und Dezernent Thomas Krützberg. Deren Entscheidung soll zunächst geheim bleiben. Zu den möglichen Kandidaten gehört aber Dr. Söke Dinkla. Die promovierte Kunsthistorikerin sprang im Mai diesen Jahres kurzfristig ein, als sich der damalige Direktor Raimund Stecker und das Kuratorium „einvernehmlich“ trennten. Zuvor war herausgekommen, dass das Museum in Steckers dreijähriger Amtszeit in finanzielle Schieflage geraten war, so dass sogar das Stiftungskapital erhöht werden musste, um eine Insolvenz zu vermeiden.

Bald sind die Wintergärten dran

Man muss kein Architekt sein, um von der Gestaltung des Lehmbruck-Museums begeistert zu sein. Als „Schatz“ und „Gesamtkunstwerk“ bezeichnet es Söke Dinkla, die kommissarische Leiterin. Der Renovierungsbedarf ist jedoch immens: 4,2 Millionen Euro werden in den nächsten Jahren investiert. Aktuell ist der Lehmbruck-Trakt dran, für rund 1,3 Millionen Euro werden hier Brandschutz, Klimatechnik und vor allem das Dach runderneuert.

Auf dem Dach des Lehmbruck-Traktes glitzert Eis in der Sonne, Gasbrenner fauchen, gerade werden Teerpappen aufgeklebt. Ab nächste Woche machen sich Zimmerleute an den Wintergärten zu schaffen, die Lehmbruck einst auf dem Dach plante, um einzelnen Skulpturen seines Vaters an bestimmten Positionen mit Tageslicht besondere Geltung zu verschaffen.

Ausnahmearchitektur der Nachkriegszeit

Diplom-Ingenieur und Architekt Lothar Happel vom Immobilienmanagement Duisburg (IMD) hat bei diesem herausfordernden Projekt die Bauleitung übernommen. Er ist begeistert von dem Haus: „Für die Nachkriegszeit ist so eine Glashalle eine echte Ausnahmearchitektur.“ Mit 450 Lichtkuppeln obendrauf und den Glaswänden müsse es damals jedoch ein einziges Treibhaus gewesen sein, vermutet Happel. Die Lichtkuppeln verschwanden bereits in den 80er Jahren im Rahmen einer Asbestsanierung. Aber auch das seither geschlossene Dach hat seine Tücken. Platten stürzten im vergangenen Jahr herab, weil das Material spröde geworden war. Seither sieht man das nackte Dachgerippe - und kann architektonische Besonderheiten wahrnehmen: Die ganze Glashalle hängt an fünf Stahlrahmen, die sich wie ein umgestülptes U über den Baukörper stellen. „Unsere Statiker haben das mal nachgerechnet“, erzählt Happel: „Alles richtig.“

Er hat großen Respekt vor den Leistungen des damaligen Architekten: Prof. Manfred Lehmbruck (1913-1992) war einer der Söhne des Bildhauers, hatte während des Krieges über Museumsbau promoviert und außer dem Projekt in Duisburg u.a. auch Museen in Pforzheim und Stuttgart realisiert. Für die Arbeiten seines Vaters, so erzählt es Happel, habe Lehmbruck Beton schweben lassen wollen - zumindest optisch. Und so gibt es zwischen Betonwand und Decke breite Lichtstreifen an den Seiten, münden die dicken Stahlträger in den sichtbaren Bereichen in kaum 12 cm schmale Profile.

Die Umbauten an dem denkmalgeschützten Museum ziehen weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Internationale Architekten waren bereits auf der Baustelle, verfolgen, wie man trotz knapper Mittel ideenreich alle Auflagen einhalten kann