Reise in die Vergangenheit

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Neudorf..  Heimat, das ist für Werner Pöhling „seine“ Koloniestraße. In seiner Jugend war sie das lebendige Zentrum des südlichen Neudorfs. Bei der Akzente-Ortsbegehung „Neudorf, rund um die Koloniestraße“ nahm der Experte eine Gruppe mit auf eine Zeitreise voller Anekdoten und kleiner Geheimnisse.

Kolonisten gaben den Namen

„Dort, wo heute die Sparkasse und der große Häuserblock stehen, war früher alles voller Gemüsegärten“, erklärt Pöhling und zeigt auf die Gebäude an der Ecke Koloniestraße/ Grabenstraße. Es hat sich vieles verändert. „Hier findet ein stetiger Strukturwandel statt“, sagt Pöhling. Er muss es wissen. Schließlich wurde er im Jahre 1951 nur einen Steinwurf entfernt in dem Haus Nummer 100 geboren. Seine Eltern hatten damals im Erdgeschoss einen Friseurladen. Den Kindergarten besuchte der junge Werner an der Wildstraße. Später ging er auf die Grundschule Hebbelstraße. „Hier war mein Spielplatz“, berichtet der Neudorfer und erzählt, wie er häufig mit dem Fahrrad zur Coca-Cola-Abfüllanlage fuhr, um dort das rege Treiben zu beobachten.

Ihren Namen trägt die Koloniestraße schon seit dem 18. Jahrhundert. 1770 kamen im Rahmen der preußischen Binnenkolonisation hessische Kolonisten „op de heid“. „Der damalige Name bezeugte, dass Neudorf damals eine einzige Sandgrube war. Das merkt man auch heute noch. Wenn es drei Tage nicht regnet, kann man das Wasser für den Rasen herankarren“, schildert Pöhling. Auch die Familie Bütefür stammte von den Kolonisten ab. Sie waren die Vorgängerwirte des heutigen Lokals „Jedermann“. „Sie besaßen die zweitälteste Kneipe in Neudorf. Hinten im Garten hielten sie noch Schafe“, erläutertet Pöhling. Nebenan stand damals noch ein Kino, das „Rialto“. „Dort habe ich die ganz alten Karl-May-Filme gesehen“, erinnert sich der Koloniestraßen-Kenner, der für das Kultur- und Stadthistorische Museum arbeitet. In den 1950er und 1960er Jahren waren entlang der Hauptstraße zudem zahlreiche Einzelhändler angesiedelt. Es gab unter anderem einen Bäcker, einen Lebensmittelhändler, eine Trinkhalle, einen Lotto-Laden, ein Tapetenfachgeschäft sowie zahlreiche kleine produzierende Betriebe.

Für viele 30 Teilnehmer ist die Ortsbegehung eine Reise in ihre Vergangenheit. Ein ganz besonderes Wiedersehen ist es für Sieglinde Dohmeyer. „Ich war damals Lehrling im Friseurladen der Pöhlings. Eine meiner Aufgaben war es, Werner in den Kindergarten zu bringen“, verrät sie. Pöhling selber ist nach zwei Jahren „Diaspora“ in Duissern wieder nach Neudorf zurückgekehrt. „Die Heimat ist doch immer am schönsten“, sagt er stolz.

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