Rechtspopulisten waren bei Demo in Duisburg kaum zu hören

Ein großes Polizeiaufgebot hielt in Neumühl die Teilnehmer einer rechtspopulistischen Kundgebung und die linken Gegendemonstranten auf Distanz.
Ein großes Polizeiaufgebot hielt in Neumühl die Teilnehmer einer rechtspopulistischen Kundgebung und die linken Gegendemonstranten auf Distanz.
Foto: WAZ FotoPool
150 Gegendemonstranten haben bei einer Kundgebung die Hetz-Attacken von ProNRW übertönt. Die Rechtspopulisten liefen wegen der Debatte um das Landes-Asyl im Duisburger Norden auf. Montag wird der Duisburger Rat wohl beschließen, dass das Barbara-Hospital als Übergangsheim genutzt werden kann.

Duisburg. Am Freitagnachmittag hatte die rechtspopulistische Partei Pro NRW zu einer Kundgebung auf den Neumühler Hohenzollernplatz geladen, um dort gegen die von Stadt und Land geplante Landes-Asylbewerber-Erstaufnahmeeinrichtung Stimmung zu machen.

Rund 40 Anhänger von Pro NRW – darunter zahlreiche Jugendliche, viele Mädchen – erschienen zur Kundgebung. Als diese um 17.30 Uhr in einem von der Polizei abgesperrten Teilbereich des Platzes begann, waren die Redner der Rechtsaußen kaum zu verstehen. Ein kurz geschorener, schwarz gekleideter Teilnehmer hob den Arm provozierend zum Hitlergruß.

Die Duisburger Polizei korrigierte diese Zahlen am Freitagabend und sprach von etwa 30 Rechtspopulisten und etwa 50 Sympathisanten, die sich aber nicht direkt zu den Leuten von Pro NRW dazu gesellten.

Zur Gegendemonstration des "Duisburger Netzwerks gegen Rechts" hatten sich rund 150 Menschen auf dem Hohenzollernplatz versammelt. Darunter auch Vertreter von SPD, Linkspartei, linken Gruppen, Kirchengemeinden und Jugendzentren, die Musik machten und Lärm verursachten, um die Rechtspopulisten zu übertönen.

Die Polizei war mit 15 Mannschaftswagen vor Ort, begleitete die Kundgebungen, musste aber nicht eingreifen. Den Vorfall mit dem Hitlergruß, kündigte Polizeisprecher van der Maat an, würden er und seine Kollegen überprüfen: „Ich habe nichts gesehen“, sagte van der Maat während der Veranstaltung, „aber wir gehen der Sache nach.“ Die abschließende Polizei-Bilanz: Zwei Platzverweise und zwei Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Vermummungsverbot.

Konsequente Verfolgung aller Bedrohungen gefordert

Unter der Losung „Wir sind Duisburg“ rufen unterdessen das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage, der DGB und die Initiative „Neumühler Erklärung“ zu einer symbolischen Willkommens-Aktion am Montag ab 14 Uhr am Rathaus vor der Ratssitzung auf. „Wenn wir auch morgen in einer offenen und demokratischen Gesellschaft leben wollen, müssen wir uns heute gegen alle Angriffen wehren, die diese Gesellschaft bedrohen“, heißt es in dem Aufruf. In der Ratssitzung wird der Rat dann den Unterstützungsbeschluss für das Landesasyl in Neumühl fassen. Die breite Zustimmung gilt als sicher.

In einer gemeinsamen Erklärung fordern der Flüchtlingsrat und die Initiative „Refugee Welcome“, dass das „anständige Duisburg die Flüchtlinge gegen Rassismus und Hetze schützen muss“. Drohungen im Internet und auf offener Straße seien sichtbarer Ausdruck einer Strategie, die das friedliche Zusammenleben der gesamten Stadt bedrohten. „Wir sind wachsam, wenn der braune Mob, wenn Rassisten sich melden. Wir wollen das nicht länger dulden“, heißt es in der Erklärung. Zugleich wird eine „konsequente Verfolgung aller Bedrohungen von Flüchtlingen, auch in den Netzwerken gefordert: „Die Hetzer und Täter müssen wissen, dass sie auch im Internet nicht anonym sind.“ Zudem sollten Flüchtlinge in Wohnungen und als Übergangslösung in leer stehenden Schulen untergebracht werden.

 
 

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