Rechte kleben rassistische Plakate an "Schule ohne Rassismus"

Schüler, Eltern und Lehrerschaft des Steinbart-Gymnasiums waren am Montagmorgen entsetzt über die rechten Plakate auf dem Schulgelände.
Schüler, Eltern und Lehrerschaft des Steinbart-Gymnasiums waren am Montagmorgen entsetzt über die rechten Plakate auf dem Schulgelände.
Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services
Unbekannte haben Plakate der rechten "Identitären Bewegung" am Steinbart-Gymnasium aufgehängt. Schulleiter: "Nicht akzeptabel." Auch Uni betroffen.

Duisburg.. Ausgerechnet am Steinbart-Gymnasium, der einzigen Schule in Duisburg, die aktuell den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" trägt, sind über das Wochenende zwei Plakate mit rechtspopulistischen Aufrufen aufgetaucht.

Zum Unterrichtsbeginn am Montagmorgen entdeckten entsetzte Schüler, Lehrer und Eltern die beiden etwa DIN-A-3 großen Schilder der rechten Gruppierung "Identitäre Bewegung" (IB), die mit Klebeband am - immerhin in gut drei Meter Höhe hängenden - Schulschild an der Realschulstraße sowie an einer der Glastüren angebracht waren. Darauf zu lesen: "Minderheit im eigenen Land? Wehr dich gegen den grossen Austausch". Sofort machten Bilder der Schilder die Runde - bei Facebook ebenso wie an der Schule selbst: "Einige Schüler haben die Plakate fotografiert und die Schulleitung informiert", sagt Schulleiter Ralf Buchthal. Daraufhin habe er den Hausmeister losgeschickt, um die Plakate mit dem rechtem Gedankengut zu entfernen. "Sowas ist nicht akzeptabel."

Rechte Plakate an Schule und Uni sofort entfernt

Wortgleiche Schilder hingen am Montag auch auf dem Campus der Uni Duisburg, wie Asta-Sprecher Christian Müller bestätigt: "Wir sind über Twitter darauf aufmerksam geworden, haben fünf Plakate abgenommen und hoffen nun, dass alle beseitigt sind." Wer sie dort angebracht haben könnte, weiß er nicht. Aktuell plane der Asta noch nicht, Anzeige zu erstatten. "Sollte so etwas aber öfter vorkommen, werden wir dagegen vorgehen", so Müller.

Auch Steinbart-Schulleiter Buchthal kann nicht sagen, wer für die Schilder verantwortlich ist. "Unsere Schule liegt von allen Seiten zugänglich am Kantpark und an der Realschulstraße. Wir sind deshalb auch ein beliebtes Einbruchsziel." Der Schulleiter glaubt deshalb auch nicht daran, dass die Schule absichtlich ausgesucht wurde - obwohl sich die Steinbart-Schüler an der "Schule ohne Rassismus" immer wieder aktiv für Toleranz und gegen Diskriminierung einsetzen. Nur ein Beispiel von vielen: der längste Halay-Tanz der Welt vor dem Duisburger Theater, im vergangenen Frühjahr organisiert von zwei (mittlerweile ehemaligen) Steinbart-Schülerinnen. Die völkerverbindende Aktion schaffte es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde.

Von der "Identitären Bewegung" hat Schulleiter Ralf Buchthal noch nie gehört. Auch die Duisburger Polizei gibt auf Nachfrage an, die Gruppe sei dort nahezu unbekannt, sprich: noch nicht strafrechtlich aufgefallen. Am Montag jedoch hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen, der Staatsschutz ist involviert, ebenso die Staatsanwaltschaft Duisburg. "Nach ersten Erkenntnissen scheinen die Inhalte jedoch nicht strafbar zu sein", sagt Polizeisprecherin Daniela Krasch. Es sei zudem das erste Mal, dass Plakate der IB in der Stadt aufgetaucht sind.

Hippes Auftreten, rassistisches Gedankengut

Die Bewegung hat ihre Wurzeln im rechtsextremen französischen Bloc Identitaire. Seit 2012 ist sie in Deutschland aktiv, tritt vor allem im Internet und mit flashmobartigen Stör-Aktionen in Erscheinung. Die Facebook-Seite "Identitäre Bewegung - Deutschland" gefällt am Montag 24.571 Personen. Die IB-Mitglieder sind nach eigener Beschreibung "metapolitisch" - also weder rechts noch links, sondern darauf bedacht, politische Grundprinzipien mitzugestalten. Auf der Website der IB klingt das jedoch ziemlich nach rechter Gesinnung: Dort fordern sie eine "Festung Europa", sprechen sich gegen die angebliche Masseneinwanderung gewaltbereiter Muslime aus und bezeichnen sich selbst als "freie patriotische Kraft" sowie als "aktivistischer Arm der Neuen Rechte". Auch sonst bedienen sie sich sehr offenherzig vorbelasteter Ausdrücke wie "Volk", "Stamm", "Heimat" und "ethnokulturelle Traditionslinien".

Extremismusforscher warnt vor Gruppierung

Glaubt man Extremismusforscher Alexander Häusler von der Fachhochschule Düsseldorf, ist es kein Zufall, dass die Plakate der Identitären Bewegung an der Universität und einer weiterführenden Schule aufgetaucht sind: In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk warnte der Sozialwissenschaftler bereits 2013 davor, dass die IB versuche, "Rassismus popkulturell aufzupeppen" und ihn somit "modern und hip" zu machen.

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