Duisburg

Rebecca landete nach Duisburger Loveparade-Katastrophe auf der Intensivstation! So unerträglich war der erste Prozesstag für sie

Rebecca Doll hat die Loveparade nur knapp überlebt. Mit uns hat sie über ihre Geschichte gesprochen.
Rebecca Doll hat die Loveparade nur knapp überlebt. Mit uns hat sie über ihre Geschichte gesprochen.
Foto: dpa

Duisburg. Am Freitag startete nach sieben Jahren Wartezeit endlich der Prozess gegen die Verantwortlichen der Loveparade-Katastrophe. Wir sprachen mit Rebecca Doll (34), die extra aus Hamburg anreiste.

„Bei jedem neuen Antrag der Verteidigung dachte ich: Das machen die doch extra‟, sagt die Hamburgerin. Sie und ihr Mann Christian wurden bei der Katastrophe verletzt. Rebecca kam mit einer Lungenquetschung und einer Hüftprellung bewusstlos in ein Krankenhaus, lag auf der Intensivstation.

Geduld zum Auftakt

Zum Prozessauftakt musste sie geduldig sein. Denn der erste Tag zog sich gleich in die Länge.

Statt um 9:30 Uhr ging der Prozess erst um 10:16 Uhr los. Zunächst verlas Richter Mario Plein die Anwesenheiten der Angeklagten, Nebenkläger und Rechtsbeistände. Fast 20 Minuten erklangen nur Namen und ihre Funktionen.

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Etwa fünfeinhalb Stunden mussten die Opfer und Angehörigen auf die Verlesung der Anklageschrift warten. Unerträglich für manche.

Immer wieder kamen Anträge der Verteidiger dazwischen. Schöffen sollten befangen sein, die Anklageschrift empfanden die Verteidiger als falsch und auch die Besetzung des Gerichts passte ihnen nicht. Sie nannten sie sogar „ungesetzlich‟.

Rebecca ist Richter dankbar

Doch all diese Anträge verhinderten nicht das, was sie sollten. Richter Mario Plein schmetterte Anträge ab, und vertagte sie.

Rebecca Doll sagt: „Ich glaube, der Richter wusste, wie wichtig es ist, dass es zur Verlesung der Anklage kommt.‟

Alles weckt Erinnerungen

Sie selbst kann es noch gar nicht fassen. All das was sie hörte, weckt Erinnerungen. „In Gedanken stand ich wieder in der Masse vor der Treppe.‟

Die Besucherzahlen, die im Vorfeld falsch berechnet wurden, kann sie kaum fassen. Rebecca sagt: „Die haben wirklich geglaubt, dass um 10 Uhr morgens nur 5000 Menschen auf dem Gelände sind. Dass das durchgegangen ist, verstehe ich nicht.‟

Duisburg ist keine Stadt für sie

Wenn Rebecca and Duisburg denkt, bekommt sie kein gutes Gefühl. Sitzt sie im Zug, der direkt am alten Güterbahnhof vorbei fährt, hält sie das Fenster zu. Den Anblick kann sie nicht ertragen. Trotzdem weiß sie, dass es weitergehen muss.

In ihrer Heimatstadt geht sie auf den Dom (große Kirmes), weiß, dass es da voll sein kann. „Auch zu Konzerten von 'Unheilig' bin wieder gegangen. Ich bin großer Fan. Und ich will, dass das Leben weiter geht. Ich habe Kinder, ich muss Vorbild sein und kann nicht überall Angst haben‟, sagt die starke junge Frau.

Trotzdem sagt sie: „Früher habe ich mich noch in eine volle Bahn gequetscht, um zehn Minuten eher zu Hause zu sein. Das mache ich nicht mehr. Da warte ich lieber, ich will Platz haben und mich vielleicht sogar hinsetzen können.‟

Sie versucht ein normales Leben zu führen, mit der Loveparade abzuschließen. Das kann sie nun besser, weil sie weiß, dass die Anklageschrift verlesen wurde, es Antworten geben wird. Antworten auf die Frage: Wer hat das zu verantworten und warum wurde die Kastrophe nicht verhindert?

 
 

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