Ratspolitiker entscheiden über Zukunft der Rheinoper

Von Anne Horstmeier
Auf die Kinderoper verzichten will wohl niemand: Probenszene aus „Der kleine Schornsteinfeger“.
Auf die Kinderoper verzichten will wohl niemand: Probenszene aus „Der kleine Schornsteinfeger“.
Foto: Friedhelm Geinowski / WAZFotoPool
Die Opern-Ehe zwischen den Städten Düsseldorf und Duisburg ist jüngst vom Duisburger Stadtrat für drei Jahre verlängert worden. Nun steht das Thema im Kulturausschuss der Stadt Düsseldorf auf dem Terminplan. Es läuft darauf hinaus, dass die Oper sparen muss - aber wo und wie?

Duisburg/Düsseldorf. Der Duisburger Rat hat die Verlängerung des Opernvertrags bis zum 31. Juli 2017 am Montag beschlossen. An diesem Mittwoch steht das Thema auf der Tagesordnung im Düsseldorfer Kulturausschuss. Während die Duisburger Kulturpolitiker erleichtert sind, dürften ihre Kollegen in der Landeshauptstadt nur zähneknirschend zustimmen, haben Gesellschafter und Aufsichtsrat doch empfohlen, dass Düsseldorf 72 Prozent der jährlichen Kostensteigerungen übernimmt. Das hatten die Oberbürgermeister Link und Elbers ausgehandelt. Und die Rheinoper muss nicht nur die restlichen 28 Prozent aus ihrem Etat finanzieren, sondern auch die eine Million, um die Duisburg den Zuschuss (auf 9,5 Millionen Euro) gekürzt hat.

Drei Spar-Szenarien

In drei Szenarien haben die Gutachter der Firma Actori errechnet, wie die Finanzierungslücke von 1,4 Millionen im Opernetat geschlossen werden kann:

  • Die DOR streicht zwei Opernneuproduktionen samt Vorstellungen; das würde Personalkosten einsparen durch den Wegfall von Stellen; ab 2018/19 müssten die Gast- und Ausstattungskosten in geringem Umfang reduziert werden. Das würde Einnahmeverluste bedeuten, weil mit den Aufführungen auch Besucher ausfallen würden.
  • Die DOR streicht je eine Neuproduktion samt Vorstellungen für Oper und Ballett; außerdem schließt das Opernstudio und bei Ausstattungs- und Gästeetats wird ab 2018/19 ein höherer Betrag gekürzt. Die Folgen: Weniger Kartenverkauf, dafür zusätzliche Kosten, weil die Operstudio-Sänger nicht mehr eingesetzt werden könnten.
  • Bei der dritten Variante wird (neben der Streichung von Produktionen) statt des Opernstudios die Kinder- und Jugendsparte aufgegeben; damit würden Stellen gespart. Einnahmeverluste gäbe es wiederum durch den Wegfall von Vorstellungen, was 35.000 überwiegend junge Zuschauer träfe.

Die Gutachter bescheinigen dem Zwei-Städte-Institut, sehr wirtschaftlich zu arbeiten. Die vergleichsweise kleine Werkstattmannschaft sei effizient. Wenn das künstlerische Niveau gehalten werden soll, gebe es hier keine Einsparpotenziale, so die Gutachter.

Sie sehen aber die Möglichkeit, die Einnahmen um etwa eine Million Euro zu erhöhen: Durch eine Steigerung der Besucherzahlen um fünf Prozent, eine Erhöhung der Eintrittspreise in Düsseldorf um durchschnittlich acht Prozent, den Ausbau der Gastspieltätigkeit und die Steigerung der Sponsoring-Einnahmen. Das halten auch Geschäftsführung und Aufsichtsrat der Deutschen Oper am Rhein für realistisch.

Auch den Ausstieg geprüft

Die Gutachter haben unterschiedliche Finanzierungssituationen durchgerechnet: Was würde passieren, wenn auch Düsseldorf seinen Zuschuss reduziert? Und was geschähe, wenn Duisburg aus der Kooperation aussteigen würde?

Dabei zeigen sie monetäre Auswirkungen ebenso auf wie die auf Qualität und Vielfalt sowie soziale und kulturpolitische Folgen.

  • Eine Schließung des Balletts hätte massive Einschnitte in die Vielfalt der Kulturlandschaften beider Städte bedeutet, künstlerische Strahlkraft und der wesentliche Anziehungsfaktor für ein jüngeres Publikum ginge verloren.
  • Würde Düsseldorf den Zuschuss radikal kürzen, verlöre das Haus seine Erstklassigkeit.
  • Wäre Duisburg ausgestiegen, wären die Philharmoniker existenziell bedroht gewesen, hätte es kein eigenes Theaterangebot in Duisburg mehr gegeben, aber auch weniger Vielfalt in Düsseldorf.