Rakibs Alltag in Bangladesch

Rakib spult einen Film per Hand zurück.
Rakib spult einen Film per Hand zurück.
Foto: privat

Duisburg.. Mit dem Preis für politischen Kinder- und Dokumentarfilm „Große Klappe“ an Regisseur Shaheen Dill-Riaz für seinen Festivalbeitrag „Der Vorführer“ hat die zehnköpfige Jugendjury einen Film ausgewählt, der einen intensiven Einblick in eine fremde Welt gibt.

Der in Berlin lebenden Dokumentarfilmer Shaheen Dill-Riaz erzählt darin die Geschichte des zehnjährigen Rakib, der in Chandpur in Bangladesch lebt. Seine Eltern sind geschieden, seine Mutter ist arm, der ältere Bruder behandelt ihn nicht gut. Morgens geht Rakib zur Schule, ab 16 Uhr arbeitet er im Kino als Filmvorführer.

Lob für „Kwa Heri Mandima“

Der Film zeigt unsentimental Rakibs Alltag mit beengten Wohnverhältnissen, einem Vater, der sich nicht kümmert, das Bad im Fluss und den Einkauf auf dem Markt. Er zeigt den Vorführraum im alten Kino mit seiner uralten Technik und den Zehnjährigen, wie er im Projektor den Kohlestift auswechselt. Er zeigt die bunte Filmwelt à la Bollywood, in der Superhelden ihren Feinden trotzen und Frauen ewige Liebe schwören. Rakib meistert ein hartes Leben – und träumt von Italien. Nicht wegen „Cinema paradiso“, sondern weil er gehört hat, es sei dort schön und friedlich.

Die Jury begründet ihre Wahl unter anderem so: „Der Filmemacher findet einen außergewöhnlichen Protagonisten, verleiht ihm eine Stimme und vermittelt damit nah und persönlich die ihn umgebenden familiären und sozialen Konflikte. Wir zeichnen einen Dokumentarfilm aus, der Kindern und Jugendlichen eine inspirierende Grundlage bietet, sich mit sozialpolitischen Themen zu beschäftigen.“

Weil der Jury die Entscheidung nicht leicht gefallen sei, entschied sie sich für eine „lobende Erwähnung“ des Films „Kwa Heri Mandima“. Robert-Jan Lacombe erzählt darin seine Geschichte: Er erinnert sich an seine Kindheit im Kongo, an alte Freunde und zeigt sein neues Leben in Europa.

"Eine echte Hochzeitsnacht"

Der mit 3500 Euro dotierte Preis wurde zum zweiten Mal von der Bundeszentrale für politische Bildung gestiftet. Und dabei werde es auch bleiben, sagte Präsident Thomas Krüger. Preispatin war die Regisseurin und Autorin Yasemin Şamdereli („Türkisch für Anfänger“, „Almanya“).

Auch sie arbeite zur Zeit an einem Dokumentarfilm, verriet die Dortmunderin mit türkischen Wurzeln auf Nachfrage. Darin werden alte deutsche Ehepaare vorgestellt, die sich noch nicht gut kannten, als sie geheiratet haben und „beispielsweise noch eine echte Hochzeitsnacht hatten.“

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