Radiomuseum in Ruhrort lockt mit Sonderausstellung

Thomas Richter
Leiter des Radiomuseums ist Walter Voigt (79). Er steht hier in dem Raum, in dem die Sonderausstellung gezeigt wird.
Leiter des Radiomuseums ist Walter Voigt (79). Er steht hier in dem Raum, in dem die Sonderausstellung gezeigt wird.
Foto: FUNKE Foto Services
Das Radiomuseum in Ruhrort lockt mit der sehenswerten Sonderausstellung „Als die Radios noch Namen hatten“. Macher erzählen dazu spannende Fakten.

Duisburg. Sie heißen „Beichtstuhl“, „Herr im Frack“, „Sonnenblume“ oder „Gegrafik“, erbaut wurden sie allesamt in den 30er Jahren und ihr auffälliges Design macht sie auch heute noch zu absoluten Hinguckern: Mit der kürzlich eröffneten und bis Ende des Jahres laufenden Sonderausstellung „Als die Radios noch Namen hatten“ wollen die Macher des Duisburger Radiomuseums neue Interessenten zur Bergiusstraße nach Ruhrort locken.

Seit 2005 ist das Radiomuseum in einer ehemaligen Schulturnhalle untergebracht, zuvor waren seit der Gründung im Jahr 1998 zwei Klassenräume in Huckingen die alte Heimat. Betrieben wird es von Beginn an vom Förderverein Radiomuseum Duisburg. Dieser zählt rund 50 Mitglieder, darunter sowohl Technik-Freaks und Tüftler sowie Nostalgiker und Sammler. Drei Mitglieder des Vorstands empfangen die WAZ zum Rundgang.

„In der Ausstellung stehen etwa 350 Radiogeräte auf 190 Quadratmetern, hinzu kommen einige Lautsprecher, Tonbandgeräte und Plattenspieler“, sagt Walter Voigt. Der 79-jährige Großenbaumer ist nicht nur Schriftführer des Vereins, sondern auch Museumsleiter. Er ist genau wie der Vereinsvorsitzende Wilfried Meier als auch dessen Stellvertreter Wilhelm Struth ein leidenschaftlicher Radio-Fan. Die meisten wichtigen Daten zu jedem Gerät hat dieses Trio im Kopf – für spannende Geschichten rund um die Geräte stehen ihre inneren Antennen stets auf Empfang.

„Zaubervase“ und „Beichtstuhl“

Die Sonderausstellung ist in einem Nebenraum des Museums zu sehen. Der erste Blick fällt auf ein Gerät namens „Zaubervase“. Das sieht aus wie eine Urne. Ist aber ein Radio. Daneben steht der „Beichtstuhl“, der diesen Spitznamen einst erhielt, weil der Lautsprecher dieses Radios extrem einem Beichtstuhl in Miniaturformat ähnelt. Zweiter geläufiger Name für dieses Modell ist „Sanssouci“. Erbaut wurde es 1935 von der Firma Seibt. „Wir haben auch Radios der Firma Kirsch hier, die in den 40ern und 50ern in Meiderich produzierte“, sagt Voigt. Inzwischen stellt übrigens kein einziger deutscher Hersteller noch Radios her – verblüffend!

Ein tolles Teil ist auch der „Herr im Frack“, ein von der Firma Siemens aus dem Kunststoff Bakelit hergestelltes Radio im puristischen Schwarz-Weiß-Design. „Das hat 1935 rund 200 Reichsmark gekostet, heute sind gut erhaltene Exemplare 400 Euro wert“, sagt Wilhelm Struth. Die „Blaue Mauritius“ unter den ausgestellten Radios ist aber ein Mende Fünf-Kreiser („Selektiv“). „Von dem gibt es weltweit vielleicht noch fünf Exemplare“, so Vorsitzender Meier. Das Radiomuseum hat ihn kürzlich aus einem Nachlass überlassen bekommen – gratis!