Punkrock auf der Leinwand

Zlatan Alihodzic
„No Future“-Protagonist Willi Wucher (l.) mit Regisseur Michael Braun.
„No Future“-Protagonist Willi Wucher (l.) mit Regisseur Michael Braun.
Foto: Dahlke

Duisburg. Vor 32 Jahren hatte Michael Braun den Film zuletzt gesehen, der am Donnerstag im Filmforum gezeigt wurde. 1981 drehte der Regisseur für den WDR eine Reportage über Punks in Duisburg, betitelt mit „No Future“. Vielen Protagonisten stand dennoch eine Zukunft bevor. Manche wandten sich vom Punk ab, andere blieben Teil der Bewegung. Wem im Kino die Sympathien galten, ist nicht so schwer zu erraten.

Einer von denen, die dabei blieben, ist Willi Wucher. Als knuffiger Jugendlicher führte er damals Filmemacher Braun in die Duisburger Punk-Szene ein. Heute ist Wucher 50, singt in der Band Pöbel & Gesocks über Saufereien und Sex, lässt am Abend im Filmforum kein Freibier aus. „Ich bin immer noch so“, sagt er, nachdem er auf der Leinwand zu sehen war: Wucher auf einer Kloschüssel, die jemand einen Schlackeberg hochgeschleppt hatte. Wucher, wie er einen Polizisten anschreit. Wucher mit freiem Oberkörper am Schlagzeug, die Fähigkeiten am Instrument eher rudimentär. Bier immer in der Nähe. „Es sind peinliche Sachen drin“, räumt er ein. Aber so sei das eben damals gewesen.

„Revolution gegen die Bullengesellschaft“

„No Future“ ist heute mehr Kunstfilm als Dokumentation, einen Einblick in die Punk-Szene bieten nur wenige der Gespräche mit den meist betrunkenen Jugendlichen. Immerhin werden die unbedarften Zuschauer von heute so krass konfrontiert mit bestens aufgelegten Punks, dass man zumindest die schockierten Blicke der Außenstehenden von damals verstehen kann.

Aber noch heute saufen Jugendliche in der Öffentlichkeit, rotzen und erzählen Mist. Der Unterschied ist, dass die Punks immerhin reflexartig einen Vorwand formulieren konnten: „Revolution gegen die Bullengesellschaft“, begründet im Film ein Junge sein Verhalten. Inzwischen macht man’s halt nur so.

Zufrieden mit seinem Leben

„No Future“ wurde 1981 um kurz nach 11 Uhr, zwischen der „Sendung mit der Maus“ und dem „Internationalen Frühschoppen“, gesendet. Große Probleme, den Film von Michael Braun im Programm unterzubringen, hatte die zuständige Redakteurin nicht. Und schon damals, erinnert sich Christiane Schäfer, habe die ausgezeichnete künstlerische Arbeit von Michael Braun mehr begeistert als das Benehmen der Punks hätte abstoßen können.

Die Vorgesetzten des jungen Willi Wucher sahen das damals übrigens anders, am Tag nach der Ausstrahlung des Films sei sein Ausbildungsvertrag aufgelöst worden. „Da stand ich dann und dachte: Geil, hast du alles richtig gemacht.“ Das sei bis heute so geblieben. „Punkrock als Bewegung ist noch da. Und ich lebe noch“, sagt Wucher. „Würde ich jetzt sterben, dann mit einem Lächeln. Ich habe alles gehabt.“